Wehrdienst - Zivildienst - Nulldienst
Die Wehrpflicht ist derzeit ein viel diskutiertes Thema. Regelmäßig hört man in den Medien neue Statements irgendwelcher Politiker, Offiziere oder von Sprechern sozialer Organisationen.
„Wir müssen an der Wehrpflicht festhalten, sonst stehen wir schutzlos da!“, „Ohne Zivis bricht unser gesamtes Sozialsystem zusammen!“ oder „Wir brauchen eine Armee von Profis wie die USA sie haben!“.
Die meisten Aussagen zu diesem Thema basieren auf Angst. Durchaus verständlich, ist doch die Bundeswehr zur militärischen Verteidigung unseres Staates bestimmt. Hinzu kommen jetzt allerdings auch die klagenden Rufe aus Richtung des Sozial- und Gesundheitswesens, denn Zivildienstleistende sind inzwischen zum essentiellen Bestandteil einer jeden sozialen Einrichtung geworden – allen voran jene Gesellschaften, die komplett auf Zivis aufgebaut sind, wie z.B. die Behindertenfahrdienste des DRK oder Organisationen, die „Essen auf Rädern“ anbieten.
Aber woher kommt die Wehrpflicht eigentlich, wie ist sie entstanden?
Wer kam auf diese abstruse Idee, jeder Mann, der ein bestimmtes Alter erreicht hat, könne dazu gezwungen werden, Militärdienst zu leisten? Es war einer der ganz großen der Geschichte: Napoleon.
Der Hintergrund, unter dem diese Wehrpflicht entstand, war also ein völlig anderer als heute:
Napoleon wollte Krieg führen – Angriffskrieg.
Im Rahmen der Freiheitskriege gegen das napoleonische Frankreich kam in Deutschland die Wehrpflicht auf, da man sich gegen die riesigen Armeen Napoleons nur schwierig verteidigen konnte. Nachdem die preußischen Heeresreformer um Gneisenau, Scharnhorst und Boyen die „Verteidigung des Vaterlands“ zur „sittlichen Pflicht jedes Bürgers“ erklärt hatten, war der Soldat ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft. In Laufe des 19. Jahrhunderts änderte sich daran nicht viel, der Militarismus nahm sogar noch zu.
Erst mit dem Versailler Vertrag und dem damit einhergehenden Verbot der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland, wurde diese wieder abgeschafft. Der Beruf des Soldaten verlor wieder deutlich an Ansehen. Im Jahre 1935 wurde im nationalsozialistischen Deutschland die Wehrpflicht allerdings wieder eingeführt und der Versailler Vertrag damit gebrochen. Nur so konnte Hitler die Truppenstärke für sein Massenheer sicherstellen.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde Deutschland entmilitarisiert. Als 1950 eine Diskussion um einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag entbrannte, begann man wieder mit der Wehrpflicht zu planen, denn man sah keine andere Möglichkeit, die gewünschte Truppenstärke zu erreichen.
Im Verlauf des kalten Krieges, bei dem es sich hauptsächlich um ein Wettrüsten zwischen den westlichen NATO-Staaten und den östlichen Staaten des Warschauer Paktes handelte, wurde die Wehrpflicht zu einem wichtigen Bestandteil für das Sicherheitsgefühl der Bürger der Bundesrepublik.
Die Bundesrepublik Deutschland war unter den NATO-Partnern besonders stark von dieser Entwicklung betroffen, da Deutschland geteilt war und mit der Grenze zur Deutschen Demokratischen Republik der „antifaschistische Schutzwall“ auf deutschem Boden stand. Damit saß die russische Armee in Deutschland in einer Art Festung, aus der jederzeit ein Ausfall möglich gewesen wäre. Um diesen Ausfall zu verhindern, musste die Festung belagert werden.
Dafür war jedes Mittel recht und auch der eigene Sohn nicht zu schade.
Das krampfhafte Festhalten an der Wehrpflicht innerhalb unserer Gesellschaft stammt aus eben dieser Zeit, als man noch die Angst hatte, „der Russe“ könne jeden Tag vor der Tür stehen. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 und der Auflösung des Warschauer Paktes im darauf folgenden Jahr hat sich diese Situation aber nun drastisch geändert, an der Wehrpflicht wird jedoch weiterhin festgehalten.
Heute brauchen wir keine Angst mehr zu haben, dass eine gewaltige russische Armee plötzlich vor den Toren unseres Landes auftaucht. Das Problem hat sich verlagert. Die wirkliche Gefahr geht heute von Terrororganisationen und Attentätern aus, nicht mehr von Nationen und Generälen. Die Aufgabe, unser Land zu verteidigen und zu schützen hat sich damit auch gewandelt. War es noch vor einigen Jahren notwendig, eine riesige Armee aus Wehrpflichtigen bereitstehen zu haben, so sind es heutzutage viel mehr die professionell Ausgebildeten Anti-Terror-Einheiten sowie die Pioniertrupps, die für unser Land wichtiger werden.
Die Bundeswehr muss modernisiert werden. Das bedeutet, dass wir die klassische Armee, wie wir sie zurzeit haben, umbauen. Heute brauchen wir eine Armee, die zum einen effektiv zur Terrorismusbekämpfung im Rahmen des Internationalen Krieges gegen den Terror beiträgt und zum anderen Aufgaben des Katastrophenschutzes und des Technischen Hilfswerkes im Notfall, z.B. bei Hochwasser, übernimmt. Dazu brauchen wir keine Wehrpflichtigen, die 10 Monate lang ihren Dienst ableisten, weil sie es müssen, dabei die Tage rückwärts zählen und möglichst schnell nach Hause wollen.
Berufssoldaten sind die Zukunft. Wer den Beruf des Soldaten wirklich ausüben möchte, kann einerseits besser ausgebildet werden und ist andererseits motivierter als der Wehrdienstleistende, denn bei Wehrdienstleistenden ist die Motivation meist gleich Null und die Ausbildung kaum vorhanden. Man sollte sich schon wundern, dass eine gewöhnliche, zivile Berufsausbildung in Deutschland üblicherweise 3 Jahre dauert, die Grundausbildung zum Soldaten allerdings nur 3 Monate.
Auch die Klagen der sozialen Einrichtungen, ohne Zivildienstleistende würde alles zusammenbrechen, sind völlig ungerechtfertigt. Bei den Zivildienstleistenden gibt es das gleiche Problem wie bei den Grundwehrdienstleistenden: Sie sind unzureichend ausgebildet und kaum motiviert.
Gerade in sozialen Bereichen, in denen Zivildienstleistende eingesetzt werden, brauchen wir qualifizierte Kräfte. Im Gegensatz zum Grundwehrdienstleistenden wird der gewöhnliche Zivi nämlich noch bedeutend weniger geschult – am Anfang steht ein „Einweisungsdienst“ und innerhalb der ersten 3 Monate des Dienstes erfolgt ein zweiwöchiger, themenspezifischer Lehrgang.
Statt viel Geld in Zivildienstleistende und deren Verwaltung (Bundesamt für den Zivildienst) zu investieren, muss mit dem Geld lieber dafür gesorgt werden, dass in sozialen Einrichtungen genug qualifizierte Kräfte eingestellt und ausgebildet werden können. Dies wäre nur zum Vorteil derer, die auf die Dienste solcher Einrichtungen angewiesen sind.
Der Wehrdienstleistende, wie der Zivildienstleistende auch, ist nur ein viel zu hoher Kostenpunkt für unseren Staat, allerdings keine solide Grundlage, auf die man die Terrorismusbekämpfung, die Katastrophenhilfe und die soziale Sicherung aufbauen kann.
Dafür brauchen wir qualifiziertes Fachpersonal.
siehe auch…
www.wehrpflicht-nein-danke.de
www.bundeswehr.de
www.zivildienst.de









