Der Ausstieg aus dem Ausstieg
Wenn man die aufsteigenden (oder längst lodernden) Konflikte unter rein materialistischen Gesichtspunkten betrachtet, kann man leicht analysieren, um welche Güter die Kriege des 21. Jahrhunderts geführt werden: um Öl und Wasser.
Zum einen löst das zur Neige gehende Öl bei den Industrie- und Schwellenländern einen wahnsinnig anmutenden Wettlauf darum aus, wer mehr verschwenden kann, bevor es verbraucht ist. Zum anderen stellen Bevölkerungsexplosion und die zunehmende Desertifikation die Menschen vor die Notwendigkeit, immer mehr Bewässerungsprojekte zu starten und die Landwirtschaft zu intensivieren, was nur durch die Kontrolle über ausreichende Wassermengen möglich ist.
Dass beide Güter nur in begrenzter Menge vorhanden sind, lässt die Gegner einer rücksichtslosen Macht- und Kriegspolitik stets fordern, wir mögen uns doch bescheiden, unseren technologischen Entwicklungsstand herunterschrauben und die Segnungen des Fortschritts eben wieder aufgeben - eine Perspektive, die auch nicht viel besser scheint und aus gutem Grund kaum Zustimmung findet.
Wenn man aber hinter die Fassade blickt, so sieht man, dass sich beide Probleme eigentlich nur als Symptome eines Einzigen darstellen - des Problems der Energieversorgung. So ist Öl nur ein bequemer Energieträger, der für die industrielle Entwicklung von entscheidender Bedeutung war, diese Bedeutung aber bald verlieren wird. Wasser ist überall dort in großer Menge vorhanden, wo man Energie zur Verfügung hat, um etwa das Meerwasser zu entsalzen und Pumpen sowie Röhrensysteme zu betreiben.
Israel - das mit beinahe seinem gesamten Staatsgebiet in der Negev-Wüste gelegen ist - ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man selbst diese Region mit ausreichender Energie urbar machen und für intensive Landwirtschaft nutzen kann. Ein Teil des Hasses, den die Mullahs schüren, beruht auf Neid - den fortschrittlichen, westwärts gewandten Israelis ist etwas gelungen, was nirgendwo sonst im Nahen Osten erreicht wurde. Die Scheichs und Potentaten der arabischen Länder werfen lieber das Geld aus den Ölquellen mit beiden Händen zum Fenster hinaus, als wirklich etwas für die nachhaltige Entwicklung in ihren Ländern zu tun.
Um diesen Hass zu überwinden, müsste es also vor allem gelingen, auch den Staaten der arabischen und muslimischen Erdregionen Energie in ausreichender Menge zukommen zu lassen, um ihren Lebensstandard zu steigern und durch intensive Landwirtschaft, Meerwasserentsalzung und die Vorteile moderner Technologie und Medizin Hungersnöte und Epidemien zu verhindern. Darüber sind sich seit langer Zeit alle einig - nur: wie soll es geschehen?
Die Alternativen, die uns in Deutschland dargelegt werden, stammen zum einen von der Rot-/Grünen Regierung, die Bescheidenheit predigt, unsere eigene Energieproduktion sowie den Lebensstandard im Land ständig senkt. In einer Art Untergangsstimmung sollen wir uns damit abfinden, dass die Zeit des technischen Fortschritts nun eben vorbei sei und wir alle gemeinsam unsere Gewohnheiten an die der Dritten Welt anpassen müssen.
Auf der Gegenseite steht der Entwurf der Regierung Bush in den USA, den die CDU-Chefin Angela Merkel seit geraumer Zeit unterstützt. Wir würden ebenso wie die anderen Staaten, die in den Irak-Krieg verwickelt waren, unseren Ölverbrauch weiter sprunghaft ansteigen lassen und uns mit gewaltsamen Mitteln den Nachschub sichern.
Keiner dieser beiden Entwürfe aber zweifelt an dem größten historischen Fehler Deutschlands in den vergangenen sechzig Jahren - dem Ausstieg aus der Kernenergie. Der “Stern” etwa zitierte jetzt bereits den Grünen nahestehende Experten und Produzenten von Windkraftanlagen, die das jährliche Abschalten eines Atomkraftwerks ab 2007 als illusorisch bezeichnen. Immerhin müssten wir ja - ohne Wachstum - damit jährlich auch die Energie eines Atomkraftwerks aus einem anderen, vermutlich fossilen, Energieträger gewinnen. Alternative und regenerative Energien sind schlicht nicht in der Lage, diesen gewaltigen neuen Bedarf aufzufangen.
So ist die Lage bereits heute schon so, dass wir billigen Atomstrom aus Frankreich importieren müssen, um den Energiebedarf unseres Landes zu decken. Eine Anekdote aus den 80er Jahren weiß, dass Mitarbeiter deutscher Kernkraftwerke nach einem routinemäßigen Besuch in Kraftwerken des Nachbarlandes manchmal wochenlang wegen Verstrahlung nicht arbeiten durften. Auch heute bleiben die Franzosen noch weit hinter den deutschen Sicherheitsstandards zurück.
Wie es im östlich der Grenze aussieht, wo die Tschechen auf den Strom aus Temelin angewiesen sind, einem Reaktor vom Typ, der auch in Tschernobyl zum Einsatz kam, mag man gar nicht bedenken. Wenn es aber wirklich zur Abschaltung kommt, dann kann es gut sein, dass auch durch deutsche Steckdosen Temelin-Strom fließt (wie es in Österreich oft bereits geschehen sein soll).
Angesichts dieser Situation bleibt uns in Deutschland kaum etwas anderes übrig, als den “Ausstieg aus dem Ausstieg” zu vollziehen und uns wieder in der Kernenergie zu engagieren. Mit dem immer noch reichlich vorhandenen Know-How würde es uns sicher schnell gelingen, wieder eine Spitzenposition in der Kraftwerkstechnologie einzunehmen.
Mit Hilfe der deutschen Sicherheitsstandards und bedeutender Eigenentwicklungen, wie dem inhärent sicheren Hochtemperaturreaktor, können wir die Atomenergie auf der ganzen Welt etwas sicherer machen, anstatt uns durch Verweigerung von einer Zukunftstechnologie auszuschließen und am Ende noch selbst Strom aus unsicheren Anlagen verbrauchen zu müssen.
Zu diesem Weg rät uns nicht nur das unmittelbare Eigeninteresse an weiterem Wachstum und stärkerer Unabhängigkeit von den Ölimporten aus dem Nahen Osten, sondern auch unser gewachsenes Verständnis von ökologischen und globalökonomischen Zusammenhängen. Vor allem aber spricht dafür, dass sich angesichts der Fakten im Augenblick kein anderer Weg zur Lösung der zahlreichen Probleme anbietet.









