4. 7. 2005

Kohls fünfte Amtszeit?

Abgelegt unter Personen, Volker Schmitt

Interessante Bilder sind es immer wieder, die uns da aus dem hohen Haus der Republik erreichen. Gestern Abend beispielsweise war es Spiegel-TV, das uns mit einer entzückenden Szene am Rande der Vertrauensfrage im Bundestag versorgte.

Der langjährige Bundeskanzler und CDU-Parteivor-sitzende Helmut Kohl, offiziell mittlerweile längst ins Private zurückgezogen und ohne öffentliche oder parteiliche Ämter, saß mit der aktuellen Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidatin der Union, Angela Merkel, in trauter Zweisamkeit in einer Lobby des Reichstages und sprach mit ihr über die bevorstehende Diskussion.

Dass die Aufnahmen eher am Rande der Legalität entstanden waren, trug dabei nur zu ihrer Qualität bei. Da sich die Beiden unbeobachtet (und vor allem ungehört) wähnten, ließ sie die übliche aufgesetzte Distanz vergessen und sich so unterhalten, wie sie es wohl in den letzten Jahren privat stets getan haben dürften: In der Art eines Mentors und seiner gelehrigen, loyalen Schülerin.

Die Tage, als Angela Merkel den großen Übervater öffentlich kritisierte, die Fehler und Missetaten seiner Regierung aufzudecken versprach und sich entschlossen für Offenheit und Transparenz in Partei und Staat einsetzte, sind ja schon lange vorbei. Helmut Kohl ist längst schon wieder gern gesehener Gast auf CDU-Veranstaltungen, und die gesamte Führungsspitze der Union wagt es nun auch öffentlich wieder, dem alternden Autokraten Loyalitätsbekundungen und Treueschwüre zukommen zu lassen.

Gespräche wie dieses aber lassen auch Zweifel an der Darstellung aufkommen, dass das Verhältnis zwischen dem alternden Meister und seiner jungen Nachfolgerin jemals so zerrüttet gewesen sein kann, wie es öffentlich dargestellt wurde. Eher muss man doch vermuten, dass es sich dabei um eine geschickte Täuschung handelte, die Angela Merkel in die Führungsposition brachte. Andere, die wirklich Veränderung suchten, wurden von der kampfeslustigen Physikerin beiseite geräumt, und obwohl sie angeblich keine Unterstützung in der Parteispitze hatte, trug sie den Sieg davon. Das lässt schon vermuten, dass es unter der Öffentlichkeitsschwelle reichlich Hilfe für sie gab.

Schon George Lucas’ Außerirdischer Joda wusste über diejenigen, die sich der Macht verschrieben haben, zu berichten: “Immer zu zweit sie sind - ein Meister und ein Schüler”. Wenn man das nicht bedenkt, dann kann es sein, dass man lange und entschlossen gegen den Einen kämpft - nur um zu sehen, dass der Andere als scheinbarer Verbündeter längst neben einem steht. Und auch bei uns sieht es nun danach aus, als ob sich die Dunkle Seite sehr bald der Republik bemächtigen würde - und Angela Merkel die fünfte Amtszeit der Regierung Kohl einleitet.

Kommentare »

URI-Trackback für diese Seite:

http://liberalestimme.blogsome.com/2005/07/04/kohls-funfte-amtszeit/trackback/

Noch keine Kommentare.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.

Kommentar hinterlassen

Zeilenumbrüche und Absätze automatisch, Email wird niemals angezeigt, HTML erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>