11. 10. 2005

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Abgelegt unter Karsten Dürotin, Personen

Nun ist die Entscheidung also gefallen. Angela Merkel wird Bundeskanzlerin in Berlin; vorerst, möchte man ergänzen. Zwar hat sich Schröder erwartungsgemäß teuer verkauft - die SPD erhält als schwächerer Partner mehr Fachministerien in der neuen Regierung - einen großen Sieg können die Christdemokraten aber nicht verbuchen. Sowohl in der SPD als auch in der CSU gibt es bereits jetzt Versuche, die Stellung der designierten Kanzlerin zu beschädigen. Weder Edmund Stoiber noch Franz Müntefering, so viel ist klar, werden sich brav hinter der neuen Chefin im Kanzleramt einreihen; beide haben schon heute deutlich gemacht, dass sie sich die Regierung eher als klassische “Troika” vorstellen.

Und auch außerhalb ihrer eigenen Ministerriege wird sie wohl weiterhin auf Widerstand stoßen. In der SPD hält sich Peer Steinbrück nach wie vor bereit, in Berlin ein großes Comeback zu starten, und auch Gerhard Schröder könnte weiterhin ein Drohpotenzial für unzufriedene Sozialdemokraten darstellen (”…dann wählen wir eben wieder den Gerd zum Kanzler!”), so lange der Bundestag eine linke Mehrheit hat. Und schließlich gibt es da ja auch noch die Gilde der Verschmähten in der CDU, von Seehofer und Geißler bis hin zu Merz, die ebenfalls nur auf einen Patzer Merkels warten.

Wir brauchen also kaum befürchten, dass die wie aus einem Dornröschenschlaf erwachte Politik in Deutschland bald wieder in heimeliger Konsenswirtschaft versinkt. Angela Merkels Kampf ist gestern nicht zuende gegangen, sondern nur ein die entscheidende Phase eingetreten. Jetzt ist sie ganz an der Spitze, aber noch lange nicht sicher im Sattel. In den kommenden Monaten wird sich erweisen, wie viel “das Mädchen” tatsächlich von Helmut Kohl gelernt hat; ob sie tatsächlich in der Lage ist, sich gegen die zahlreichen Konkurrenten zu behaupten, die gern “Kalif anstelle des Kalifen” wären. Insbesondere bleibt fraglich, ob Merkel ihren Übervater sogar noch übertreffen kann - spezifisch, ob sie in der Lage sein wird, trotz der absehbaren Machtkämpfe in der kommenden Legislatur auch Sachthemen zu bearbeiten. Ein Stillstand wie in der Ära Kohl oder in den ersten Tagen der schröderschen Amtszeit wäre tödlich für das Land; weitere Reformen muss es geben, wenn wir den Anschluss an die Welt behalten wollen.

Nachtrag: Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch Oliver Luksic

2 Kommentare »

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  1. Jaja die Angie….
    …ich glaube wir werden uns noch alle wunderen,denn wisst ihr was die Frau Merkel am besten kann?….
    Unterschätzt werden

    Comment von Fabrice — 12. 10. 2005 @ 10:32

  2. Na, ich weiß nicht. Seit über 10 Jahren erzählt mir nun jeder ständig, dass wir alle Angela Merkel unterschätzen. Eigentlich könnte man da fast vermuten, dass Angela Merkel es nur deswegen geschafft hat, weil all diese weisen Ratgeber sie einfach überschätzen - und damit in immer höhere Positionen befördern.

    Comment von Karsten — 12. 10. 2005 @ 11:22

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