Lechts und Rinks in Frankfurt
Jetzt sind sie also auch bei der Frankfurter Rundschau angekommen, die neumodischen Begriffe von Lechts und Rinks. Unter dieser Überschrift schreibt Volker Schmidt (mit “dt”) über die polnischen Präsidentschaftswahlen und den Sieger Lech Kaczynski: “Populismus ist weder rechts noch links, sondern dumm”. Populisten gibt es eine ganze Menge, meint der Autor.
Zum Beispiel die Antiglobalisierer, denen er richtigerweise vorwirft: “Wer eine andere Welt für möglich hält, darf nicht mit antisemitisch gefärbten Parolen gegen das Weltfinanztum streiten”. Und sich nicht mit den Anhängern des Protektionismus in wohlhabenden Staaten verbünden, möchte man noch hinzufügen. Auch die Linkspartei bekommt ihr Fett weg: “Wer als angeblicher Linker für eine solidarische Welt eintritt, darf nicht gegen ‘Fremdarbeiter’ hetzen”. Hamburg, Litauen, die Ukraine - überall sieht der Journalist eine “Ideologiebricolage” aus rechten und linken Versatzstücken anstelle einer “echten Ideologie” am Werke.
Andererseits ist es doch eher ein beruhigender Gedanke, dass einer wie Kaczynski, dessen Parolen einem manchmal aus der Ustaschen-Bewegung Kroratiens entlehnt vorkommen, ein Populist ist. Sollte Schmidt nämlich Unrecht haben, wäre hier doch eine gefährliche und durchaus sehr konkrete Ideologie am Werke, die sich dem, was wir als gesellschaftliche Grundwerte gefunden haben, entgegenstellen würde. Ebenso - wäre es nicht besser, wenn Lafontaine für einen kurzen Moment der Versuchung des Populismus erlegen wäre? Die Alternative wäre ein Spitzenpolitiker, der mit wohlstandschauvinistischen Zielen jetzt einer Fraktion unseres Bundestages vorsitzt.
Nein, “Rechts” und “Links” reichen nicht mehr, um die neuen Ideologien einfach zu klassifizieren. Das muss aber nicht heißen, dass diese ideologisches Splitterwerk sind; sie lassen sich vielleicht einfach nur nicht mehr mit einem Dualismus zwischen europäischem Konservativismus und Sozialismus erklären, die wir mit den beiden Richtungen gleichgesetzt haben. Der klerikale Nationalismus der PiS, der “Sozialismus für ein Land” Lafontaines oder national orientierter Wirtschaftsliberalismus wie im Falle der Litauer sind ideologische Systeme, die zwar lange Zeit keine Konjunktur hatten, durchaus aber aus der Geschichte bekannt sind (und nicht immer in angenehmer Erinnerung blieben).
Angesichts dieser neuen Vielfalt der Weltanschauungen, die uns zur Auswahl gestellt werden, kann man den Schluss des FR-Blogbeitrages nur unterstützen: “(Da) hilft kein Links-Rechts-Schema, sondern: Denken “. Und zwar sowohl gegen die Populisten als auch gegen die wirklich gefährlichen Ideologen.









