28. 10. 2005

Nur ein armer Irrer?

Die TAZ weiß es mal wieder besser: Natürlich ist Mahmud Ahmadinedschad keine Bedrohung für den Weltfrieden, sondern nur ein “Unbedarfter Populist” - so der Titel eines Beitrages zum Thema von Katajun Amirpur. Auffällig schon die Abweichung in der Einleitung: Statt eines Publikums von 3000 Studenten (wie bei allen anderen Quellen) sind es bei Amirpur schon 4000, den Namen der Veranstaltung “A World without Zionism” lässt sie gleich weg und verwendet lieber das harmlose “Jerusalem-Tag”. Doch das sind Kleinigkeiten. Erst, was danach folgt, lässt aufhorchen:

Die entsetzte Reaktion des Westens kann die Autorin nicht so recht ernst nehmen. Nicht, dass sie die Äußerungen des iranischen Präsidenten bestreitet oder anders interpretiert; nein, auch sie hat mitbekommen, dass er zur Vernichtung Israels aufgerufen und allen, die Israel anerkennen, ebenfalls mit Feuer und Tod gedroht hat. Trotzdem aber sollen wir uns nicht aufregen: das haben wir doch alles schon einmal gehört, es ist seit Jahren “offizielle Linie” des Iran, wozu also das ganze Theater?

Anschließend spricht sie Ahmadinedschad die Fähigkeit ab, überhaupt zu ahnen, dass seine Aussagen eine solche Aufmerksamkeit erregen würden. Der Titel vom “Unbedarften Populisten” kommt ins Spiel, fast möchte man den armen, hilflosen Mann am Steuer des iranischen Atomzerstörers bedauern. Ohne jegliche Erfahrung im außenpolitischen Bereich ist er in die Mördergrube der internationalen Politik gefallen - und jetzt muss er sogar damit rechnen, dass die bösen Spin-Doctors in Washington seine Hetzreden für bare Münze nehmen! Unmöglich, so etwas - die müssen doch wissen, dass er solche Sprüche nur für seine Landsleute macht.

Wir im Ausland hingegen dürfen nicht zu genau hinhören, findet die TAZ-Autorin. Wenn jemand fordert, alle Juden zu ermorden und alle ihre Freunde dazu, sie das “Feuer des Zorns der Umma” spüren zu lassen, müssen wir Augen und Ohren verschließen und davon ausgehen, dass er das nicht so meint. Ihn und die Iraner sollen wir mit einem mitleidigen Lächeln von oben herab betrachten und ihnen - wie ein Erwachsener einem Kind - auch mal was durchgehen lassen: “Die wollen doch nur spielen”.

Dass auch ein naiver Demagoge Völkermorde begehen und Kriege entfachen kann, übersehen manche offenbar nur zu gern - wenn es nicht gegen George Bush geht. Denn den hält der Großteil der Linken ja ebenfalls für einen “Unbedarften Populisten”, trotzdem aber auch für die “Größte Gefahr für den Weltfrieden”. Vielleicht ist man umso gefährlicher, wenn man nicht die Auslöschung anderer Völker fordert, sondern diesen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bringen will?

Ein Argument aber erscheint in dem Beitrag, das tatsächlich davon überzeugen kann, dass die Worte des iranischen Präsidenten nicht von so großer Bedeutung sind: Der Hinweis auf die schwache Position des Präsidenten. Die Richtlinienkompetenz in Teheran liegt nämlich beim Revolutionsführer, und dessen Meinung zum Thema ist seit Jahren unverändert: Israel und alle seine Freunde müssen vernichtet und ausgelöscht werden. Na Mahlzeit.

5 Kommentare »

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  1. Aber natürlich hat Frau Amirpur Recht - es ist wirklich nichts Besonderes, wenn die iranische Regierung zu Krieg und Völkermord anstachelt.

    Comment von Karsten — 28. 10. 2005 @ 5:33

  2. Danke für diesen exzellenten Hinweis, habe das bei mir auch aufgenommen im Blog! Die Verharmlosung des Iran ist sehr bedenklich!

    Comment von Oliver Luksic — 28. 10. 2005 @ 10:14

  3. da hat sich die Taz, das antisemitische Käseblättchen aus der Hauptstadt, mal gewaltig im Ton vergriffen

    Comment von Lukas Tabory — 28. 10. 2005 @ 14:50

  4. Na, der Ton ist eigentlich ganz in Ordnung. Der Inhalt ist es, der mich schreckt. Und die TAZ hat auch ihre guten Seiten - wenn sie Satire macht, etwa. In Deutschland ungeschlagen.

    Comment von Karsten — 28. 10. 2005 @ 15:09

  5. naja, ist ne sehr blauäugige sicht der taz… vor allem, wenn man sieht, wie sich das inzwischen weiterentwickelt hat…

    Comment von holger — 7. 9. 2006 @ 18:28

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