Quatschbude Europa?
Je öfter ich es lese, desto besser gefällt mir das Blog German Joys von Andrew Hammel. Der Autor ist Amerikaner, lebt aber in Deutschland und bietet wunderbare Innenansichten seines Gastlandes, geprägt vom Blick eines Fremden. Als (beinahe) Außenstehender kann er besonders schonungslose, aber auch vorurteilsfreie Beobachtungen des politischen und gesellschaftlichen Lebens hierzulande bieten.
Heute wendet sich Hammel einem der Dauerbrenner der deutschen Blogosphäre zu, den “weichen” Intellektuellen in Europa, die nach einer verbreiteten Ansicht oft die realen Gefahren des militanten Islamismus und seiner Unterstützer in der arabischen Welt herunterspielen. Als Beispiel für diese Auffassung dienen ihm ein privater Bekannter und Leon de Winter, dessen Blog “Free West” er seinen Lesern empfohlen hat.
An dieser Stelle soll nicht näher auf seine Vergleiche zwischen den europäischen Falken und amerikanischen Konservativen eingegangen werden. Vielmehr geht es um die Frage, die der Autor zum Schluss aufwirft: Wie wichtig ist eigentlich die Position der “Intellektuellen” zum Kampf gegen den Terror? Ist nicht die Haltung von Abgeordneten, Ausländerbehörden, Polizei und Gerichten viel wichtiger, da diese ja den Kampf führen? Hammel beantwortet diese Frage rundheraus mit “Ja” und betont, dass er durch diese Überlegung nun wieder ruhig schlafen könne.
Seine Nachtruhe in allen Ehren, trotzdem aber genügt diese Antwort mir noch lange nicht. Denn wer sind denn diese Intellektuellen eigentlich? In einem vorherigen Beitrag auf German Joys meinte Andrew Hammel selbst: “(…) for some reason, everyone pays a lot of attention to what politicians say in Germany”. Das hat damit zu tun, dass die Politiker zumindest hier in Deutschland auch Intellektuelle sind, dass sie sowohl die Richtung der öffentlichen Debatte bestimmen als auch diese anschließend in Gesetze fassen. Die großen Fernsehanstalten und eine Reihe von Zeitungen sind eng mit den Volksparteien verzahnt und werden zum Teil von ihnen kontrolliert. Die Debatte der (intellektuellen) Medien reflektiert - unmittelbarer als etwa in den USA - die politische Debatte.
Die Behörden und die Polizei schließlich sind ebenfalls keine unabhängigen Institutionen, sondern werden durch genaue Vorschriften und Dienstanweisungen auf die jeweils gültige politische Linie eingeschworen. Wo man den Sheriff direkt wählen kann, da hat dieser eine enorm starke, unabhängige Position, die er im Zweifelsfall auch gegen die Linie der Politik durchsetzen kann. Weisungsgebundene Beamte wie in Deutschland aber haben diese starke Position nicht; ihr Vorgehen wird unmittelbar durch jede Änderung in der Politik beeinflusst.
Und genau darum liegt German Joys falsch, wenn es die öffentliche Debatte als letztlich bedeutungslos abtut. Oft wird darüber gesprochen, dass der Unterschied zwischen Amerika und Europa darin liegt, dass die USA bereit sind, schnell zu handeln, während die Europäer zum Ausdiskutieren neigen. Diese Tatsache wird sich aber wohl auch durch ewiges Lamentieren nicht ändern - wer Europa bewegen möchte, der kann sich nicht darauf verlassen, dass irgend ein starker Mann das schon tun wird. Hier muss die öffentliche Diskussion gewonnen werden. Das ist zwar mühseliger und langwieriger, aber auch dauerhafter, wie man am Beispiel der Öko-Diskussion und ihrer dauerhaften Verwurzelung in Deutschland und Frankrteich sehen kann.









