Müntefering tritt zurück
Franz Müntefering tritt zurück. Nachdem der SPD-Parteivorstand mit absoluter Mehrheit Andrea Nahles zur Generalsekretärin gewählt hat, möchte der Parteivorsitzende nicht mehr mitspielen. Curious Creatures vermutet, dass er auch ein ganz klein wenig im Parteipräsidium geschrödert hat - und dabei reingefallen ist. Muss ja auch mal eine Erpressung scheitern, sonst könnten wir ja gleich eine Diktatur aufmachen.
Auch SPON hat natürlich einen Bericht zum Thema. Doch obwohl dort das Abstimmungsergebnis zu finden ist (Nahles: 23; Wasserhövel: 14; Enthaltungen: 8 ) konnte der zuständige SPIEGEL-Redakteur nur Stimmen finden, die die Geschichte sehr bedauerlich finden und der Vorstandsmehrheit Vorwürfe machen. Am deutlichsten tut sich natürlich einmal wieder Ludwig Stiegler hervor, der meint, Leute hätten “entschieden, ohne das Ende zu bedenken”. Möglicherweise aber haben da auch einige ganz genau an das Ende gedacht; vielleicht gab es im SPD-Vorstand mehr als einen, der sich weitere vier Jahre Dauererpressung und autoritären Führungsstil in der Partei nicht antun wollte. Gerade Stiegler mit seinen adrenalingetränkten Kampfauftritten dürfte Müntefering hier eher geschadet als genutzt haben.
Wer nun SPD-Vorsitzender wird - noch unklar. Ob Münte ins Kabinett einrücken wird - auch noch unklar. Klar ist nur, dass aus dem Regierungsdreikampf nun ein Duell geworden ist - Stoiber und Merkel machen nun die Führungsposition im Kabinett unter sich aus. Denn dass die SPD in kürzester Zeit einen Vizekanzler ausgraben kann, der in der Lage ist, diesen beiden Paroli zu bieten, darf bezweifelt werden.
Andere Meinungen zum Thema von Clemens Wergin bei Flatworld und von Ulrich Speck beim Kosmoblog.










Zur “Erpressung” reichen ja schon Andeutungen in dem Stil, dass man doch mit seinem Abstimmungsverhalten doch nicht den Vorsitzenden in Schwierigkeiten bringen wolle. Sowas ist keine klare Andeutung, aber soll “Abweichler” schon nachdenklich machen.
Comment von marcc — 31. 10. 2005 @ 19:37
Glückwunsch Frau Nahles
Ja grassiert jetzt der Wahnsinn bei der SPD? Die Vogelgrippe? Im Leben hätte ich nicht damit gerechnet, dass die Genossen so blöd sind.
Ich wollte mich zu diesem Kaschperle-Theater und Posten-Geschacher ja gar nicht mehr äußern (dem aufmerksamen …
Trackback von Der Deutschling - Denn Deutschland kann mehr! — 1. 11. 2005 @ 0:01
Wenn der Posten des Generalsekretärs quasi die rechte Hand des Parteivorsitzenden darstellt, ist es eher eine Erpressung durch diesen Umstand, dass der Parteivorsitzende ein Wörtchen mitzureden haben sollte.
Aber meinetwegen soll sich die SPD eine hohle Nuss als Generalsekretärin zulegen, sich darob zerlegen und als linke Protestpartei wieder auferstehen - vernünftige Politik wird dann eben woanders gemacht.
Comment von Boche — 1. 11. 2005 @ 10:54
Hohle Nüsse sind die besten für diesen Job. Denk’ doch mal an Markus Söder. ;-)
Comment von marcc — 1. 11. 2005 @ 13:18
@marcc
Stimmt. Auf diese Ähnlichkeit (in vielerlei Hinsicht) bin ich gar nicht gekommen.
Comment von Boche — 1. 11. 2005 @ 14:01
Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin auch nicht gerade im Andrea-Nahles-Fanclub; was sie sagt, finde ich oft etwas zu einfach und kurz gedacht, und der schlechte Blog hat mich auch nicht gerade begeistert.
Aber wie Müntefering dann versucht hat, sich einfach durchzusetzen, hat bei mir einige Erinnerungen wach gerufen. An einen Franz Müntefering, der Abgeordnete einschüchtert, Parteifreunde bedroht und generell einen sehr autoritären Führungsstil zeigt. “Ich kann nur kurze Sätze” hat ja auch etwas mit Kasernenhofstil zu tun. Und den haben ihm wohl auch viele in der SPD übel genommen.
Comment von Karsten — 1. 11. 2005 @ 17:52
Also lieber zu kurz gedacht als zu kurz gesprochen?
;-)
Comment von Boche — 1. 11. 2005 @ 18:12
Geht ja auch beides gleichzeitig. Guckst du Stiegler. :)
Comment von Karsten — 1. 11. 2005 @ 18:37