Wiener Nationalistenrunde - ohne Deutsche!
In Wien traf sich am vorletzten Wochenende ein lustiger Zirkel europäischer Altnazis, Nationalisten und Rechtspopulisten, um eine künftige Zusammenarbeit auf Unionsebene einzuläuten (Berichte von Kurier und Standard). Auf Einladung des Vorsitzenden der freiheitlichen Akademie der “liberalen” FPÖ, Volksanwalt Ewald Stadler, kam dieser Gesprächskreis zusammen, auf der Gästeliste fanden sich illustre Namen von Le Pen bis Mussolini. Aus sieben Ländern, Österreich, Frankreich, Belgien, Italien, Rumänien, Bulgarien und Spanien, waren Vertreter von insgesamt zehn Parteien dort, um ein wahres Horrorkabinett der chauvinistischen Fremdenfeindlichkeit abzuliefern. Der “Vlaamse Blok” etwa, der sich letztes Jahr in “Vlaamse Belang” umbenannt hatte, oder die rassistische bulgarische “Ataka”. Und auch mit Parteien in weiteren Ländern sei man im Gespräch, etwa mit den skandinavischen Rechtsextremen. Dass auch Polen genannt wurde, lässt aufhorchen - denn dort bietet sich als Ansprechpartner ja sogar der Präsident an. Ebenso graben die nationalen Herrschaften von Wien wohl auch die SVP von Christoph Blocher an.
Nur von deutschen Nationalisten liest man nichts in den Statements, die die Populistenrunde der Presse zukommen ließ. Warum nicht? Ist die NPD den Wiener Bundesgenossen etwa nicht fein genug? Denn ihre immer wieder aufkeimdende Kooperation mit Skinheads und Neonazis wäre natürlich denen ein Dorn im Auge, die eher auf eine Annäherung und Durchweichung des bürgerlichen Spektrums setzen. Dafür wären vielleicht die Republikaner hierzulande geeignet, die aber ebenso in der Bedeutungslosigkeit versunken sind wie die diversen Schill-Parteien samt ihres verlogenen Gründers. Vielleicht hat es aber auch damit zu tun, dass man sich bei den österreichischen und französischen Nationalisten gern von den Schrecken des Nationalsozialismus distanzieren möchte. “Hitler war ein deutsches Phänomen, und keines des Nationalismus” - mit dieser Logik schmettern die Herren nämlich den Hinweis auf die schrecklichen Folgen solch menschenverachtender Ideologie ab. Na, uns soll es recht sein - reicht schon, wenn der Unsinn demnächst aus Brüssel kommt, er muss nicht auch noch auf Hochdeutsch sein.










Wie kann denn ein “Nationalisten aller Länder vereinigt euch” funktionieren?
Comment von marcc — 21. 11. 2005 @ 22:50
Na, da frag mal Vidkun Quisling oder Anton Adriaan Mussert. Die haben sich als Nationalisten auch sehr gut mit den Nazis verstanden und ihr jeweiliges Land in den Dienst der NS-Sache gestellt, als die SS erst einmal da war.
Aber viel praktischer und als Blick in die Zukunft: Die Entwicklung hin zu einem einigen Europa lässt sich nicht mehr rückgängig machen, auch nicht von den Nationalisten. Damit müssen sie sich programmatisch auseinandersetzen - was durchaus auf Dauer zu einem “Europa den Europäern” und “Europa über alles” führen kann. Schon jetzt haben viele zwar jedes Ressentiment gegen Franzosen oder Niederländer über Bord geworfen, finden aber “Neger” oder “Morocs” nach wie vor unerträglich. Das könnte der moderne Rassismus sein, mit einem Kontinentalismus anstelle des bisherigen Nationalismus.
Comment von Karsten — 22. 11. 2005 @ 0:04