22. 11. 2005

Der Krieg ist populärer als der Präsident (Spiegel Online)

Abgelegt unter Außenpolitik, Lesetipps

Spiegel OnlineDer amerikanische Politologe Robert Kagan, einer der Mitbegründer des “Project for the New American Century”, im Interview mit SPON. Er ist sowohl in liberalen als auch in neokonservativen Kreisen ein gern gesehener Redner und Gesprächspartner und lebt zur Zeit in Brüssel. Das Interview gibt interessante Ausblicke auf die verbleibende Amtszeit George Bushs und die Perspektiven für die Zeit “danach”: Er sieht entweder Rudy Giuliani oder John McCain als nächsten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner.
Auch das transatlantische Verhältnis ist von Interesse für Kagan:

“Es ist eine sehr giftige Atmosphäre. Die Europäer fühlen sich durch die amerikanischen Kommentare zu den Pariser Unruhen gekränkt. Als Amerikaner war ich mehr als gekränkt durch die Kommentare aus Europa zum Hurrikan “Katrina”. Da war eine Menge Schadenfreude, hässliche Sachen - wie der deutsche Minister, der es angemessen fand, den Amerikanern mitzuteilen, dass die Katastrophe passiert sei, weil die USA das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben haben. Ich bin auch ein wenig unglücklich über einige meiner US-Kollegen, die jetzt mit ihren Fingern auf die Franzosen zeigen. Aber die genießen es durchaus, da haben sie Recht”.

Und:

“Amerika hat lange nicht verstanden, wie viel die EU den Europäern bedeutet. Nach und nach haben die Amerikaner dies gemerkt - eine Erkenntnis, die man übrigens nicht Bush oder den Republikanern alleine zuschreiben kann. Aber die Bush-Regierung erklärte ihre volle Unterstützung für die Europäische Union just zu dem Zeitpunkt, als die EU in eine große Krise stürzte - es ist ironisch, irgendwie sind wir zu dieser Party zu spät gekommen.”

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