24. 11. 2005

Eigentümlich unfrei?

Abgelegt unter Karsten Dürotin, Liberales

Die ausschließlich auf den Begriff des Eigentums aufgebaute anarchokapitalistische Theorie ist von hoher Attraktivität für Liberale und Libertäre. Wer dem Wirken des Staates skeptisch gegenüber steht und sich der Missbrauchsmöglichkeiten bewusst ist, die vor allem moderne demokratische Systeme für Politiker und Lobbyisten bieten, darüber hinaus im Kapitalismus die gerechteste und dem Individuum dienlichste Form der wirtschaftlichen Organisation sieht, der kann nicht anders, als eine gewisse Begeisterung für ein System zu finden, das mit konsequenter innerer Logik einen Gegenentwurf zum modernen Umverteilungsstaat aufbaut. Das ist mehr als verständlich, und es macht die Theorien der Anarchokapitalisten auch zu einer sehr interessanten Quelle für die, die nach Ideen zur freiheitlichen Umgestaltung der Gesellschaft suchen. Trotzdem wäre es für Liberale ein entscheidender Fehler, sich allzu sehr mit anarchokapitalistischen Theorien zu identifizieren - oder gar ein ideologisches oder politisches Bündnis mit ihnen eingehen zu wollen.

Der häufigste Kritikpunkt, der gegen die Anarchokapitalisten geäußert wird, ist dabei nicht einmal von entscheidender Bedeutung. Leicht wischen diese den Hinweis auf das mögliche menschliche Elend ohne einen Sozialstaat mit der Erläuterung weg, dass jemand, der sich in einem freien Markt gegen mögliche Risiken nicht abgesichert habe, dann auch allein für die Folgen verantwortlich sei, wenn ein solches Risiko sich gegen ihn wendet. Eine Argumentation, der sich Liberale kaum völlig verschließen können - auch, wenn sie eher sozial gesinnten Mitmenschen schon die Tränen in die Augen treibt. Ob es im anarchistischen Paradies auf Erden nun Fälle geben könnte, in denen der Abschluss einer Versicherung für einzelne Menschen aufgrund der Kosten unmöglich ist, lässt sich so pauschalisierend nicht sagen; ebenso wenig, ob es ausreichend private Wohlfahrt geben würde, um auch diese Menschen vor dem absoluten Elend zu bewahren.

Auch der Streit darüber, ob private Sicherheitsanbieter die Durchsetzung von Sicherheit und Vertragstreue erzwingen könnten, bleibt im Bereich der Spekulation. Mit gutem Grund weisen Anarchokapitalisten darauf hin, dass das ja auch im Falle des demokratischen Staates nicht sichergestellt sei, da dieser von einer böswilligen Mehrheit ebenso gegen die Minderheit instrumentalisiert werden könne wie private Sicherheitsdienste. Das Gewaltmonopol sichert nicht die Rechtmäßigkeit der monopolisierten Gewalt, sondern schützt diese nur vor Konkurrenz und legt einen einheitlichen Standard fest. Man kann zwar der Meinung sein, dass die Kontrolle durch die Mehrheit der Bevölkerung es wahrscheinlicher macht, dass die Gewalt nur rechtmäßig eingesetzt wird – für einen Absolutheitsanspruch aber sind die empirischen Gegenbeweise zu zahlreich.

Die Achillesferse der Anarchokapitalisten ist hingegen der Übergang in das von ihnen gewünschte System, gemessen an ihren eigenen Wertvorstellungen. Das von ihnen definierte, schützenswerte Eigentum nämlich bezieht sich im Wesentlichen auf den eigenen Körper sowie auf alle physischen Dinge, die mit Hilfe dieses Körpers geschaffen oder (als Material) erstmals bearbeitet wurden – sowie auf alles Eigentum, das mit Hilfe freiwilliger Verträge auf andere Personen übertragen wurde. Insbesondere bei der Aneignung bisher eigentumsfreier Materialien durch Bearbeitung ist diese Definition problembelastet, wie die ausführlichen Diskussionen auch in libertären Kreisen zeigen.

Vor allem aber steht sie nicht im Einklang mit vielen real existierenden Eigentumsverhältnissen. Auch Anarchokapitalisten werden wohl nicht bestreiten, dass ein bedeutender Teil des heutigen Eigentums nicht diesen Voraussetzungen entspricht – zumindest dann nicht, wenn man es bis zu seinem Ursprung als unbearbeitetes Material zurückverfolgt. Von durch Krieg und Vertreibung angeeigneten Grund- oder Ressourcenbesitz über Häuser, die erheblich durch die Häuslebauerprämie mitbezahlt wurden, bis hin zu einem Erbrecht, das die freie Entscheidung unter den Zwang des Blutes stellt, müsste der Anarchokapitalismus einen erheblichen Teil der existierenden Eigentumsverhältnisse als illegitim betrachten und bekämpfen. Was ja auch geschieht, wenn man staatliche Umverteilung und Steuern als „Diebstahl“ und Verstoß gegen die eigenen Eigentumsrechte brandmarkt. Beim eigenen privaten Eigentum aber legen viele diese Maßstäbe nicht an und definieren diese einfach a priori als rechtmäßig. Hier liegt die Attraktivität des Anarchokapitalismus für Menschen, die nur eine ideologische Verbrämung ihrer radikal-affirmativen Haltung zu den bestehenden Eigentumsverhältnissen und ihres Wunsches nach Gewaltanwendung zum Schutz eben dieser Verhältnisse suchen.

Aber auch ein moralisch konsequenter Übergang zu anarchokapitalistischen Verhältnissen ist nicht denkbar. Dafür müsste das Eigentum jedes einzelnen Vermögenswertes, jeder Ressource und jeden Dings neu aufgerollt und beurteilt werden. Im Konsens, versteht sich, da die Anarchokapitalisten ja eine staatliche, dem Individuum übergeordnete Autorität bei der Klärung von Eigentumsfragen ablehnen. Wie das, etwa beim Grundbesitz der Familie von Thurn und Taxis, über Jahrhunderte hinweg in die Vergangenheit objektiv gestaltet werden kann, ist fraglich; nein, es ist tatsächlich sogar vollkommen utopisch. Um auch nur annähernd eine Umsetzbarkeit der anarchokapitalistischen Ideen zu erreichen, muss also deren eigene Definition des Eigentums weitgehend über die Reling gehen und durch besagte affirmative Haltung ersetzt werden.

Womit wir bei Hans Hermann Hoppe wären, der konsequent weiterdenkt, wo (wie ich schon beim Antibürokratieteam anmerkte) viele andere Anarchokapitalisten „nur spielen“ wollen. Wenn sich eine anarchokapitalistische Gesellschaft auf die Bestätigung und Erhaltung der gegebenen Eigentumsverhältnisse konzentrieren will, dann muss sie zu ihrer Stützung auf nichtstaatliche, ultraautoritäre Machtstrukturen setzen, die den Besitzenden eine führende Rolle in der öffentlichen Diskussion und einen exklusiven Zugriff auf Gewaltmittel sichert. Nur eine völlig statische Gesellschaft unter dem moralischen Deckmäntelchen absoluter Freiheit (namentlich der Freiheit zur gewaltsamen Unterdrückung von Abweichung) erlaubt es, auch rechtlich zweifelhafte Eigentumsverhältnisse vor den Verlierern vorangegangener Umverteilung und wirtschaftlicher Unterdrückung dauerhaft zu verteidigen. Demokratie und die Prinzipien der Offenen Gesellschaft wären bei einem solchen Ziel hingegen eher hinderlich.

Auch seine Hinwendung zur Familie und zu stammesähnlichen Strukturen des Zusammenlebens ist nur konsequent. In Abwesenheit des Staates werden natürlich weiterhin Strukturen nachgefragt werden, die einerseits eine soziale Absicherung, andererseits aber den Aufbau außergewöhnlich großer Vermögenswerte über die eigene Lebenszeit hinaus ermöglichen. Sei es, um ein dauerhaftes Vermächtnis zu schaffen, oder weil man aus Liebe zu den eigenen Nachkommen diesen das Leben erleichtern will: Ohne staatliche Strukturen würde die Familie zum absolut bestimmenden Faktor des Lebens und zum Kumulationspunkt für Vermögenswerte. Der Anarchokapitalismus würde schon nach wenigen Generationen aufhören, eine individualistische Philosophie zu sein * – die biologische Herkunft eines Menschen, und nicht seine Befähigungen und Tugenden, würde primär über das Eigentum bei der Geburt und damit über die rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten des Menschen entscheiden. Eine totale Sippenhaftung für wirtschaftliche Fehler der Vorfahren aber scheint mir eher wie die Negation des individualistischen Prinzips – Gruppenrecht ist kein Individualrecht. Sowohl in den praktischen Empfehlungen als auch der philosophischen Basis, bis hin zu den Naturrechtsgedanken, die auf ein Recht des Stärkeren hinauslaufen, kann man Hoppe mit Fug und Recht als einen totalitären Denker bezeichnen.

Zum Schluß: Natürlich ist nicht jeder Anarchokapitalist totalitär oder gar ein Rechtsextremer. Viele von ihnen betreiben ihre Philosophie auch auf die andere denkbare Art, als wilde Utopie ohne Realitätsbezug, als Gedankenspiel ohne Hoffnung auf konkrete Umsetzung, als „andere Sicht“, die die eigenen Gedankengänge „freikärchern“ kann, wie Rayson es ausdrückt. Um Politik und Gesellschaft ernsthaft und unter Akzeptanz der Realität zu gestalten, sind diese aber keine Ansprechpartner. Politische Anarchokapitalisten mit öffentlicher Wahrnehmung und konkreter Agenda hingegen gibt es kaum – und unter ihnen stechen reaktionäre Feinde der Freiheit, wie eben Hans Hermann Hoppe (oder in informierten Kreisen noch die Herrschaften vom libertär-konservativen Bündnistraum), am ehesten hervor. Es ist gut, eine schöne Utopie zu haben; als Liberale sollten wir andere politische Auffassungen aber nicht nach deren Utopien, sondern nach ihren praktischen Vorschlägen für eine Änderung der uns umgebenden Wirklichkeit beurteilen. Und da liefert der Anarchokapitalismus für gewöhnlich entweder sehr wenig – oder reaktionäre, demokratie- und freiheitsfeindliche Ansätze wie die von Hoppe.

*: Eine Kritik von Robert Grözinger beim Antibürokratieteam verdient hier auf jeden Fall Beachtung: “Eine Philosophie kann sich nicht ändern (allenfalls sein Name). Was also meinst Du genau?”. Ich möchte also den kursiven Text noch einmal neu formulieren, um meine Intention klar zu machen: “Die Lebensweise der derart nach anarchokapitalistischen Prinzipien lebenden Menschen hätte schon nach wenigen Generationen die Bezeichnung “individualistisch” nicht mehr verdient”. Danke an Robert, aber auch sonst empfehle ich den entsprechenden Beitrag von jo@chim und die dortige Diskussion.

13 Kommentare »

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  1. Hi Karsten.

    Die Frage des ‘Übergangs’ ist eigentlich ganz einfach: wer will, der geht wohin er will. Und wer nicht will, der bleibt wo er sich wohl fühlt.

    Ein Anarchist (gleich welcher couleur) kann, will er sich nicht selbst ad absurdum führen, für niemanden ausser sich selbst entscheiden oder handeln. Er kann also insbesondere nicht politisch agieren. Niemals.

    Du denkst immer vom gesellschaftspolitischen Entwurf her. Anarchismus ist kein solcher Entwurf. Er ist eine private Lebenseinstellung.

    Gruss
    Andreas

    Comment von Andreas Ullrich — 24. 11. 2005 @ 21:25

  2. Vieles in dem Beitrag kann ich durchaus nachvollziehen, vor allem die Problematik mit dem “Übergang”. Wenn man aber Hoppe als einen ultrakonservativen Erzreaktionär bezeichnet, tut man ihm meines Erachtens Unrecht. Das entspricht nicht meinem persönlichen Eindruck von ihm und man muss es (kann es natürlich) auch nicht unbedingt aus seinen Schriften herauslesen. Auf www.libertaria.de hat übrigens Thorsten Boiger eine Replik auf die Hoppekritik von Hartwich/Nourouzian auf der Achse des Guten veröffentlicht.

    Außerdem würde ich gerne dafür werben, die Zeitschrift “eigentümlich frei” etwas fairer zu beurteilen. Die Idee eines Zweckbündnisses mit Nationalliberalen und Neokonservativen ist erstens längst tot, und außerdem hatte weder der Herausgeber noch sonst ein mir bekannter eifrei-Autor jemals vor, auch nur einen Zentimeter liberal-libertären Terrains preiszugeben, um mit den o.g. genannten Gruppen kompatibler zu sein.

    Viele Grüße
    David

    Comment von David Schah — 24. 11. 2005 @ 22:01

  3. Guter Beitrag, danke! Obwohl ich auf das Etikettieren verzichten würde, triffst du im Kern meine Gedanken dazu.

    Comment von Rayson — 24. 11. 2005 @ 23:48

  4. Huh, nur freundliche und offene Kommentare. Irgendwie zieh ich mit den kontroversen Dingern trotzdem keine Trolle an. Nett. :)

    @Andreas:
    Grüzi. :)
    Ist Hoppe insofern gar kein Anarchist? Indem er aktiv in den gesellschaftlichen Diskurs eingreift und Einfluss zu nehmen versucht, handelt er doch politisch. Und ohne politisches Handeln ist es doch auch nicht möglich, dass der Staat sich auflöst - die Institutionen sind nun einmal vorhanden, irgendjemand muss sie auflösen. Der Aufbau neuer Institutionen und Versorgungsstrukturen auf individualvertraglicher Basis bräuchte Zeit, wie versorgt man in der Zwischenzeit die Menschen? Ja, ich neige dazu, in Gesellschaftsentwürfen zu denken - weil eine Gesellschaft nun einmal vorhanden ist und auch noch sein wird, wenn der Staat abgeschafft ist.

    @David Schah:
    Reaktionär ist auf jeden Fall manches, was da über ihn kolportiert wird - vielleicht auch oft zu Unrecht. Reaktionär ist aber auch die Naturrechts-Vorstellung, mit der er seine Thesen untermauert. Der Link zu euch ist interessant, Thorsten Boigers Text liegt auch im Stil auf einem Niveau mit dem Angegriffenen. Ich würde sagen 2:1 für die Beamten, aber das ist subjektiv.
    Ich empfinde die Überschrift nicht als unfair - die Dummheit, die eifrei da gemacht hat, gehört bestraft. Wenn man mit der Vorstellung in ein Bündnis geht, man würde “keinen Zentimeter” seiner eigenen Überzeugungen aufgeben, dann ist das doch utopisch. Bündnisse haben eben mit Kompromissen zu tun - und das in der ganz rechten Ecke? Ich begrüße aber, wenn diese Kompromisse nicht gemacht wurden und das “Experiment” abgeblasen ist. Mir wurde dabei einfach unheimlich.

    @Rayson:
    Ich werde mir Mühe geben. War auch ganz erschrocken, als mich Jo@chim da bei dir “erwischt” und in ein Posting gezerrt hat. *g*

    Comment von Karsten — 25. 11. 2005 @ 1:14

  5. Moin.

    Anarchie ist ein zwangloses Angebot. Staat/Politik ist ein verbindliches Angebot. Bei dem staatstragenden Dauergebrumm selbst in liberal-libertären Kreisen würde ich mir um ein zwangloses Staats/Politikmodell keine Sorgen machen. Es wird seine Fans zu Hauf’ finden.

    Nur würde ich als ‘Käufer’ gerne eine freie Entscheidung zwischen diesen Modellen treffen können wollen. That’s all.

    Gruss
    Andreas

    Comment von Andreas Ullrich — 25. 11. 2005 @ 6:50

  6. Hallo Andreas,

    naja, aber du hast das Problem ja schon formuliert: Der Staat (oder auch die Gesellschaft) sind verbindlich. Weil wir Straßen, Kanäle und Brücken bauen, für Sicherheit sorgen, und so weiter. Du kannst dich leider nicht aus dieser Nutzung ausklinken - also können wir dich auch sonst nicht gehen lassen. Vielleicht bräuchte es Siedlungen im All, dann wäre zumindest individuelle Sezession möglich… aber wie ich es sagte: Träumerei, ohne Realitätsbezug. Irgendwie schade.

    Mach’s gut.

    Comment von Karsten — 25. 11. 2005 @ 17:39

  7. Hoppe-Debatte zum Zweiten und Dritten

    Auf den Seiten von Liberale Stimme Online veröffentlicht Karsten Dürotin unter dem Titel Eigentümlich unfrei? eine Präzisierung seiner Kritik am libertären Erzreaktionär Hans-Hermann Hoppe - meines Erachtens nach wie vor d…

    Trackback von antibuerokratieteam.de — 25. 11. 2005 @ 18:07

  8. Hallo Karsten

    “Ich empfinde die Überschrift nicht als unfair - die Dummheit, die eifrei da gemacht hat, gehört bestraft.”

    Für mein Empfinden ist eifrei schon genug gestraft worden. Das ganze ist ja auch schon fast 2 Jahre her.

    “Wenn man mit der Vorstellung in ein Bündnis geht, man würde “keinen Zentimeter” seiner eigenen Überzeugungen aufgeben, dann ist das doch utopisch.”

    Ziel dieses Zweckbündnisses war es ja, auch Konservative davon zu überzeugen, dass sie ihren Lebensstil in einer freien Gesellschaft eher pflegen können. In einer Gesellschaft, in der der Lebensstil nämlich nicht vom Staat vorgegeben wird. In dieser Hinsicht hat übrigens auch Hoppe einen sehr nützlichen Beitrag geleistet: Er hat viele vormals etatistische Konservative mit dem radikalen Liberalismus vertraut gemacht.

    “Bündnisse haben eben mit Kompromissen zu tun - und das in der ganz rechten Ecke?”

    Unter “ganz rechts” verstehe ich etwa die NPD. Dass hier die Gemeinsamkeiten mit Liberalen genauso gegen Null tendieren wie bei KPD/ML, ist immer Konsens unter allen Libertären gewesen. Das Zweckbündnis bezog sich aber nicht auf Rechts-Sozialisten, sondern auf Konservative.

    “Ich begrüße aber, wenn diese Kompromisse nicht gemacht wurden und das “Experiment” abgeblasen ist. Mir wurde dabei einfach unheimlich.”"

    Das war auch nicht als Kompromiss gedacht, sondern eher als “captatio benevolentiae”. Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn ein entsprechender Dialog mit “Linken” forciert werden würde: Unterschieder klar benennen, aber auch Gemeinsamkeiten klar benennen. Aber erfahrungsgemäß zeigen sich “Linke” noch resistenter als Konservative.

    Comment von David Schah — 26. 11. 2005 @ 12:40

  9. Hallo David,

    okay - ich werde mich bemühen, eifrei und die Leute, die dahinter stehen, demnächst wieder unvoreingenommen zu betrachten. Aber:
    “Das ganze ist ja auch schon fast 2 Jahre her”
    Kann nicht sein, da ich erst vor weniger als 2 Jahren das erste Mal von Anarchokapitalismus gehört habe und die große Diskussion “L-K” erst kurz danach tobte… möglicherweise aber anderthalb? Ich habe mich dann irgendwann geistig abgewandt, als mir die von Stahls und Konsorten zu viel wurden.

    “Ganz rechts” kann man übrigens auch sein, ohne dabei ein nationaler Sozialist zu sein. Gut, generell sind die Begriffe Rechts und Links halt Mist. Aber eure Gesprächspartner nur als “Konservative” zu bezeichnen, ist auch recht freundlich formuliert… Konservativ ist auch Ole von Beust.

    Bis bald.

    Comment von Karsten — 26. 11. 2005 @ 13:03

  10. Hallo Karsten,

    sicherlich gaben einige Gesprächspartner von eifrei, vor allem Udo Vogt, Anlass zu Missverständnissen. Man konnte das natürlich bei ungenauer Betrachtung in Verbindung bringen mit dem “Zweckbündnis mit Konservativen” (stimmt übrigens, habe gerade nachgeguckt, das war unmittelbar nach Möllemanns Tod, also vor etwa 1,5 Jahren). Solche Interviews hatten aber nichts mit diesem Zweckbündnis zu tun. Dieses bezog sich auf Wertkonservative, denen man plausibel machen wollte, dass sie ihren persönlichen Lebensentwurf am besten nicht mit Hilfe des Staates durchsetzen sollten.

    Es hat bei eifrei Tradition, gerade auch mit absoluten Liberalismus-Gegnern wie halt auch Udo Voigt oder linksextremen Antideutschen zu sprechen, weil man in solchen Interviews sehr schön eben solche elementaren Unterschiede herausarbeiten kann. Es ist aber auch der Anspruch von eifrei, auch in solchen Interviews den Gesprächspartner sachlich anzugehen und ihn ernst zu nehmen. Denn nur so besteht auch die Chance, etwas von den eigenen Überzeugungen rüberzubringen.

    Selbstverständlich erliegen auch die meisten eifrei-Autoren, mich eingeschlossen, oft der Versuchung, polemisch zu sein und auf Polemik mit Gegenpolemik zu reagieren. Wenn etwa in der Hoppe-Kritik von Hartwich/Nowrouzian den Libertären pauschal vorgeworfen wird, man habe Gemeinsamkeiten mit Rechten, dann fühlt man sich halt ungerecht behandelt und reagiert entsprechend hart.

    Viele Grüße
    David

    Comment von David Schah — 26. 11. 2005 @ 15:43

  11. Noch ein Link zu Hoppe: http://www.mises.org/story/1766 Hier grenzt sich Hoppe von etatistischen Konservativen ab. Übrigens haben auch viele rechte Konservative in Deutschland Hoppe entschieden abgelehnt, etwa Götz Kubitschek von “Sezession”. Ich möchte damit nur verdeutlichen, dass man Hoppe nicht unbedingt selbst als Ultrakonversativen verstehen muss. So wie ich ihn verstehe, versucht er vielmehr, auf subversive und taktisch nicht ungeschickte Art, radikalliberales und anti-etatistisches Gedankengut bei einer bestimmten Zielgruppe an den Mann zu bringen. Eine ähnliche Bekehrungsmission bei Linken stellt zum Beispiel die Gruppe der Libertären bei den Grünen (Grüne Freiheit) dar: http://www.gruene-freiheit.de

    Comment von David Schah — 26. 11. 2005 @ 17:17

  12. Den Hoppe habe ich bisher nur überflogen - werde aber in den nächsten Tagen nochmal darauf zurück kommen. Es geht mir übrigens gar nicht um Hoppes persönliche Haltung zu manchen Fragen, sondern mehr um die Tatsache, dass er selbst aufzeigt, dass die von ihm beworbene Ideologie die Tore für gewisse Kreise weit offen hat - und dafür bin ich nicht zu gewinnen.
    Aber der Link zur Grünen Freiheit ist für mich sehr erhellend. Er bestärkt meine Hoffnung, dass FDP und Grüne vielleicht in der Opposition Gemeinsamkeiten entdecken und bei einer vollen Legislatur die Große Koalition als gemeinsames Angriffsziel ausmachen. Doch da bin ich selber im Bereich der Träumerein… davon hat schließlich jeder seine eigenen.

    Comment von Karsten — 26. 11. 2005 @ 17:43

  13. Rechte Etatisten gegen Hoppe:

    http://www.staatsbriefe.de/1994/2006/hoppe_rezension.pdf

    Comment von Dietmar-Dominik Hennig — 19. 6. 2006 @ 17:31

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