4. 12. 2005

Schreibblockade

Eigentlich schreibe ich gern. Es befreit mich, erleichtert es mir, meine Gedanken zu ordnen, und nach einem gelungen Blogposting empfinde ich auch dieses gewisse Gefühl der Zufriedenheit, das einen immer wieder zum Bloggen zurückkehren lässt. Dabei ist es egal, ob und wieviel der Beitrag dann nachher gelesen wird. Will man die Besucherzahlen steigern, dann muss man über bestimmte angesagte Themen schreiben und zuspitzen. Ein Posting aber, das mich wirklich zufrieden stellt und mir das Gefühl gibt, mein eigenes Weltbild ein Stück weit gefestigt und aufgeschrieben zu haben, wird meist nur von wenigen gelesen.

Wie auch immer, in den letzten Tagen hatte ich jedenfalls nicht viel Freude beim Gedanken an die Liberale Stimme - mir fiel nichts ein, was ich bloggen konnte; Schreibblockade nennt man das wohl. Es ging schon am Donnerstag los. Mittwoch waren recht viele Besucher da, ich wollte den Schwung für einen wirklich guten Beitrag nutzen, und… nichts geschah. Ich schrieb ein paar Kommentare, stieg in Diskussionen ein, was für gewöhnlich meine Kreativität weckt. Für gewöhnlich, denn diesmal half auch das nichts - meine eigenen Argumente schienen mir eher fade, hier und da bezog ich verbal Prügel (oft zurecht). Zwei Tage lang rettete Kay mich zwar gegen alle Wahrscheinlichkeit mit hochinteressanten Afrika-Berichten. Doch dann kam das Wochenende, und die Ausrede “keine Zeit” verflüchtigte sich, aber die Blockade blieb.

Auch heute noch. Sollte ich ein Posting machen über Andreas Ulrich, der bei der Freiheitsfabrik den Hegel heraushängen lässt, mit Dialektik und Freude am Daseinskampf? Ach, vielleicht nicht, dann überinterpretiere ich wieder. Also lieber ein Comment beim Rückenwind. Seufz, auch nicht besonders gelungen, und gleich noch Rayson “angepinkelt”. Auf ein neues Posting zum Bedingungslosen Grundeinkommen verzichte ich dann lieber gleich. Manchmal gibt es Tage, an denen ich wirklich froh bin, kein professioneller Journalist zu sein, dessen Lebensunterhalt vom Schreiben abhängt. Es macht Spaß, kreativ zu sein und seine Gedanken zu formulieren; ob es noch Spaß macht, kreativ sein zu müssen, ist eine andere Frage.

8 Kommentare »

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  1. Meine Schreibblockaden habe ich dadurch überwunden, dass ich nicht am PC geschrieben habe, sondern ganz klassisch auf Papier. Da bin ich nicht in der Versuchung dauernd zu korrigieren und umzustellen und ich sehe an den Streichungen und Pfeilen welchen Weg der Text genommen hat. Ist manchmal besser als so ein glatter Text auf dem Monitor.

    Comment von marcc — 5. 12. 2005 @ 9:46

  2. Manchmal hilft schlicht eine Pause bis die Schreiblust wiederkommt.
    Denn wie du richtig schreibst, müssen wir zum Glück nicht von unserer unzuverlässigen Kreativität leben, nicht? ;-)

    Comment von Boche — 5. 12. 2005 @ 14:58

  3. @marcc: Interessant. Bei mir ist es so ziemlich umgekehrt; bevor ich angefangen habe, alles auf dem PC zu schreiben, war ich dabei meist sehr verkrampft - wollte keine Fehler machen und so. Seit ich alles löschen und umschieben kann, wie ich will, gehe ich viel lockerer und befreiter ran. Aber andererseits habe ich auch nie die Tradition des Vorschreibens gepflegt - dafür war ich schon in der Schule zu faul! :)

    @Boche: Glücklicherweise!

    Comment von Karsten — 5. 12. 2005 @ 15:25

  4. Ihr habt’s gut, dass ihr nicht von eurer unzuverlässigen Kreativität leben müsst. Aber ich kenne ja zum Glück eine gute Methode, mich in Schwung zu bringen: Lesen. Ein gutes Buch. Oder auch eine gute Zeitung :-)

    Comment von Lutz Büge — 9. 12. 2005 @ 13:16

  5. Civilization IV hilft jedenfalls nicht dabei, wieder Lust aufs Schreiben zu bekommen. Das kann ich aus eigener Anschauung bestätigen…

    :)

    Comment von Karsten — 13. 12. 2005 @ 5:25

  6. Läuft das Spiel bei Ihnen? Hab bisher nur von Schwierigkeiten damit gehört und es mir daher nicht gekauft

    Comment von Lutz Büge — 14. 12. 2005 @ 19:25

  7. Es macht ein paar Schwierigkeiten, die aber auch damit zu tun haben, dass mein Rechner einerseits etwas zu wenig Leistung hat, andererseits aber auch zu viel Software installiert hat. Daher bin ich mir nicht sicher, ob sie mit dem Spiel oder mit dem System zu tun haben… Installation etc. bereiteten keine Probleme, es wird aber dringend empfohlen, sofort auf die aktuelle Version (1.09) zu patchen. Die Programmierer sind wahrscheinlich der neuen Methode gefolgt und haben das Beta-Testing minimal gehalten, weil man ja die Konsumenten als Versuchskaninchen hat…

    Comment von Karsten — 14. 12. 2005 @ 19:29

  8. Kenne das mit der Schreibblockade nur zu gut. Einfach mal zwischendurch was anderes machen. Was Du heut nicht kannst besorgen - erledigst Du dann übermorgen!

    Comment von Kay Hanisch — 27. 12. 2005 @ 18:51

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