Götz Werner: “Wir brauchen ein Bürgergeld”
Wer häufig Bahn fährt, kennt “DB mobil“, das Bahnmagazin, das kostenlos zum Mitnehmen in vielen Zügen ausliegt. Neben einer Menge Eigenwerbung und Berichten, die sich um die Bahn und ihre Projekte und Partner drehen, finden sich in jeder Ausgabe auch einige allgemeinere Artikel, die oft überraschend lesenswert sind. Ein halbwegs interessanter Bericht über Jürgen Klinsmann findet sich da in der aktuellen Ausgabe 01/06 - vor allem aber ein Interview (leider nicht online) mit Professor Götz W. Werner, dem Chef der Drogeriemarktkette dm, die zu den in Deutschland erfolgreichsten Unternehmen gehört. Das schnelle Wachstum von dm erklärt Werner dabei vor allem mit der Unternehmensphilosophie, die im Gegensatz zu vielen anderen darauf abzielt, auch die Mitarbeiter zufrieden zu stellen und so eine angenehme Einkaufsumgebung für die Kunden zu gewährleisten. Werner, der einer der 100 reichsten Menschen in Deutschland ist, interessiert sich dabei nicht nur für sein Unternehmen und Zitate von Goethe, sondern auch für Sozialpolitik.
“Wir brauchen ein Bürgergeld”, meint er zu letzterer im Interview gegenüber “mobil”. Seine Begründung klingt so:
“Die wichtigste Ressource des Menschen ist seine Lebenszeit. Es macht keinen Sinn, ihm einen Arbeitsplatz zu geben, der nicht benötigt wird oder von Maschinen erledigt werden kann. Die aktuelle politische Diskussion um die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bringt uns nicht weiter. Deshalb bin ich für ein neues Verständnis von Arbeit. Heute haben die meisten Menschen keinen Arbeitsplatz, sondern einen Einkommensplatz, der ihre Existenz sichert. Wir verkoppeln Arbeit und Einkommen, deswegen sind viele Menschen mit ihrer Arbeit unzufrieden”.
Es sind also nicht nur JuLis und andere Träumer, die sich für ein Bürgergeld nach den sozialpolitischen Vorschlägen der FDP engagieren. Auch Götz Werner hält ein Grundeinkommen von 1000 bis 1500 Euro für sinnvoll und verweist darauf, dass ein solches System nicht einmal die staatlichen Ausgaben in die Höhe treiben würde - denn dank der komplexen Strukturen von Umschichtung und Umverteilung hat Deutschland ohnehin schon eine Staatsquote von über 50%. Und auch das oft eingebrachte Argument, das Bürgergeld würde die Leistungsbereitschaft der Menschen zerstören, sieht er anders - denn es bedeutet ja nicht “Reichtum für alle”, sondern “Grundsicherung für alle”. Um Reichtum (und dasGefühl, gebraucht zu werden) zu erlangen, bedürfte es weiterhin der eigenen Arbeit.
Einem Unternehmer, der so erfolgreich ist wie Götz Werner, kann man wohl kaum vorwerfen, dass er nicht rechnen könne oder nichts von Wirtschaft verstehe. Was ihn von anderen Unternehmern unterscheidet, die sich gegen eine Grundsicherung aussprechen, ist vor allem das Menschenbild: Werner hat ein positives Bild vom Menschen, er bezeichnet sich selbst als Philanthrop. Wie er sein Unternehmen führt, so wünscht er sich auch die gesellschaftliche Organisation: Mit dem Glauben an den Willen des Menschen, sich und seine Umgebung zu verbessern und weiter zu entwickeln. Eine Haltung, die auch dem Liberalismus gut zu Gesicht steht. Streiten wir also für das Bürgergeld!
Götz Werners Portal “Unternimm die Zukunft” zum Bedingungslosen Grundeinkommen
Björn Gießler beim Deutschling zu Götz Werner und seinen Konzepten (kontroverse Diskussion)










Auch wenn das dm-Shampoo meiner Kopfhaut nicht so gut tut… interessant.
Comment von dointime — 14. 1. 2006 @ 15:34
Der dritte Weg?
Götz Werner will ein bedarfsunabhängiges Bürgergeld für jedermann. Ist das die Synthese von Kommunismus und Kapitalismus? Der viel beschworene dritte Weg, von dem ich schon lange nichts mehr gehört habe.
…
Trackback von Der Deutschling - Verständnis für Deutschland — 15. 1. 2006 @ 3:25
Einem Unternehmer, der so erfolgreich ist wie Götz Werner, kann man wohl kaum vorwerfen, dass er nicht rechnen könne oder nichts von Wirtschaft verstehe.
Doch, das kann man. Volks- und Betriebswirtschaft sind zwei verschiedene Paar Schuhe, und selbst Letzteres muss man als guter Unternehmer nicht wirklich können.
Gerade das Menschenbild dahinter gefällt mir nicht: Ein Mensch, dessen Primärversorgung vom Staat übernommen wird, und der zum eigenen Lebensunterhalt nur noch nach Lust und Laune beitragen muss. Wir wollen doch mal den wesentlichen Unterschied zum FDP-Modell nicht verwischen: Das Wernersche “Bürgergeld” soll ausnahmslos jeder bekommen, das FDP-”Bürgergeld” nur jemand mit einem Einkommen unterhalb einer bestimmten Schwelle und auch nur ergänzend bis zu der Schwelle. FDP-”Bürgergeld” ist weit mehr Kombilohn als die Wernersche Grundsicherung.
Wenn schon der Kombilohn nicht zu finanzieren ist, dann können wir uns die Schlaraffenland-Grundversorgung gleich sonstwohin stecken. In der letzten brandeins-Ausgabe wurde (brandeins ist ein Sprachrohr der “Grundeinkommen”-Fans) ein euphorischer Artikel veröffentlicht, der uns anhand von Einzelfällen die segensreichen Wirkungen des Grundeinkommens verdeutlichen sollte. Interessant daran war vor allem, wie oft der Jubelschrei der Begünstigten in der Hoffnung kulminierte, sie müssten dann nicht mehr arbeiten…
Wobei beim Werner-Modell immer gerne übersehen wird, dass die Finanzierung über eine Mehrwertsteuer von 25% erfolgen soll, wodurch die Kaufkraft der Grundeinkommensempfänger dann doch wieder auf Hartz-IV-Niveau gedrückt würde. Also materiell much ado about nothing, aber vom Ansatz und vom Menschenbild her eine liberale Bankrotterklärung.
Comment von Rayson — 15. 1. 2006 @ 12:23
@Rayson:
Doch, das kann man. Volks- und Betriebswirtschaft sind zwei verschiedene Paar Schuhe, und selbst Letzteres muss man als guter Unternehmer nicht wirklich können.
Ein Unternehmer, der nichts von Betriebswirtschaft versteht, wird keinen Erfolg haben – jedenfalls nicht dauerhaft und nicht bei einer großen Kette. Mit Verlaub, das halte ich für leichten Stuss. Und zum Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaft: Zitiere ich einen Volkswirtschaftler, bekomme ich zu hören, dass „dieser Theoretiker“ doch mal ein Unternehmen leiten sollte, um „wirklich etwas über Wirtschaft zu lernen“. Und nun, wo ich einen Praktiker zitiere, wird der Unterschied der Disziplinen ausgegraben. Lustig.
Gerade das Menschenbild dahinter gefällt mir nicht: Ein Mensch, dessen Primärversorgung vom Staat übernommen wird, und der zum eigenen Lebensunterhalt nur noch nach Lust und Laune beitragen muss.
Das hat nichts mit dem Menschenbild zu tun, sondern mit wirtschaftlicher Organisation. Die Frage ist für mich, ob Menschen nur „fressen und scheißen“ wollen, oder ob sie auch dann noch bereit sind, Leistung für eine wirtschaftliche und soziale Verbesserung zu erbringen, wenn ihre Grundinstinkte befriedigt sind. Ich glaube, dass es so ist – du scheinbar nicht?
Wir wollen doch mal den wesentlichen Unterschied zum FDP-Modell nicht verwischen:
Die Unterschiede zwischen Werners Modell und dem der FDP sind mir klar, ich halte aber die Übereinstimmungen für größer. Im Übrigen sieht auch das Bürgergeld keinen Arbeitszwang mehr vor, so dass jeder, der sich nur noch vom Staat versorgen lassen will, einfach seinen Job hinschmeißen kann. Damit wird dein Argument hinfällig.
Wenn schon der Kombilohn nicht zu finanzieren ist, dann können wir uns die Schlaraffenland-Grundversorgung gleich sonstwohin stecken.
Ich dachte, mit Stroh wird im Herbst gebastelt? Das „Schlaraffenland“ ist nämlich ein wunderbarer Strohmann, den du hier vermöbelst. Prof. Werner betont, dass er nicht jedem einfach alles geben will, was er haben möchte, sondern nur die Grundbedürfnisse absichern. Dass 1500 Euro zu hoch gegriffen sind, sehe ich aber auch so – man kann mit ca. 800 Euro das gesteckte Ziel der Absicherung erreichen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Aber bevor über Zahlen gesprochen wird, geht es ja erst einmal ums Prinzip. Und da hat das Grundeinkommen/Bürgergeld in allen Varianten herzlich wenig mit dem Marxschen Utopia zu tun: Zwar wird der Zusammenhang zwischen Arbeit und Überleben abgeschmolzen, der zwischen Arbeit und Wohlstand verbleibt aber. Wer mehr haben will, muss auch mehr leisten – und das ist auch gut so.
Interessant daran war vor allem, wie oft der Jubelschrei der Begünstigten in der Hoffnung kulminierte, sie müssten dann nicht mehr arbeiten…
Ich argumentiere nicht so, und sehe das auch nicht so, also kannst du kaum damit gegen mich argumentieren. Wenn diese Leute nach Einführung eines Grundeinkommens erschrocken feststellen, dass die Leistungsbereiten immer noch mehr haben als sie, können wir gern gemeinsam über sie lachen.
Wobei beim Werner-Modell immer gerne übersehen wird, dass die Finanzierung über eine Mehrwertsteuer von 25% erfolgen soll, wodurch die Kaufkraft der Grundeinkommensempfänger dann doch wieder auf Hartz-IV-Niveau gedrückt würde.
Nein, das ist auch nicht ganz richtig. Denn durch die gleichzeitige Abschaffung der Steuern auf Einkommen würden die Produktionskosten und die Preise sinken. Gleichzeitig würde die wirtschaftliche Benachteiligung menschlicher gegenüber maschineller Arbeitskraft abgeschafft – wesentlich eleganter als mit der oft angesprochenen Maschinensteuer, die ich ablehne. Dass diese Lösung auch heimische Produkte gegenüber importierten besser stellen würde, da die eigenen Produkte nur einmal hier besteuert würden, die Importwaren hingegen hier und im Erzeugerland, halte ich ebenfalls für einen bedenkenswerten Vorteil.
Comment von Karsten — 16. 1. 2006 @ 14:41
Ein Unternehmer, der nichts von Betriebswirtschaft versteht, wird keinen Erfolg haben – jedenfalls nicht dauerhaft und nicht bei einer großen Kette.
Wenn du erfolgreicher Unternehmer sein willst, brauchst du nur diesen Satz: “Buy low, sell high, collect early, pay late”. Den Rest an Know-how, der zur Leitung einer großen Kette u.U. noch erforderlich ist, kaufst du dir dazu.
Mit Verlaub, das halte ich für leichten Stuss. Und zum Unterschied zwischen Volks- und Betriebswirtschaft: Zitiere ich einen Volkswirtschaftler, bekomme ich zu hören, dass „dieser Theoretiker“ doch mal ein Unternehmen leiten sollte, um „wirklich etwas über Wirtschaft zu lernen“. Und nun, wo ich einen Praktiker zitiere, wird der Unterschied der Disziplinen ausgegraben. Lustig.
Nein, nicht lustig, sondern auf einer Unkenntnis der beiden Gebiete beruhend. BWL ist nicht etwa die Praxis der VWL, und VWL nicht etwa die Theorie der BWL, sondern beide haben einen ganz anderen Untersuchungsgegenstand. Man kann betriebliche Logik nicht auf Volkswirtschaften anwenden, und volkswirtschaftliche Zusammenhänge nutzen mir auf betrieblicher Ebene so gut wie gar nichts. Insofern ist das Zitat, das du da bringst, völliger Nonsens, den du, nebenbei gesagt, von mir nie hören wirst.
Wer Aussagen über die Steuern und die sozialen Systeme einer Volkswirtschaft treffen will, braucht Kenntnisse auf diesem Gebiet, also z.B. in Finanzwissenschaft.
Die Frage ist für mich, ob Menschen nur „fressen und scheißen“ wollen, oder ob sie auch dann noch bereit sind, Leistung für eine wirtschaftliche und soziale Verbesserung zu erbringen, wenn ihre Grundinstinkte befriedigt sind. Ich glaube, dass es so ist – du scheinbar nicht?
Ich glaube erstens, dass sich die beiden Dinge nicht ausschließen. Aber über die Befriedigung dessen hinaus, was bei uns so als Grundbedürfnis gilt, dürften, wie das brandeins-Interview zeigte, viele Menschen nicht mehr bereit sein zu arbeiten. Und wenn, dann werden sie zu oft nur noch das tun, was ihnen Spaß und Freude macht und nicht das, was für “wirtschaftliche und soziale Verbesserungen” erforderlich wäre.
Im Übrigen sieht auch das Bürgergeld keinen Arbeitszwang mehr vor, so dass jeder, der sich nur noch vom Staat versorgen lassen will, einfach seinen Job hinschmeißen kann. Damit wird dein Argument hinfällig.
Habe ich behauptet, dass diese negativen Anreize für das FDP-Modell nicht gelten?
Das „Schlaraffenland“ ist nämlich ein wunderbarer Strohmann, den du hier vermöbelst. Prof. Werner betont, dass er nicht jedem einfach alles geben will, was er haben möchte, sondern nur die Grundbedürfnisse absichern.
Das “Schlaraffenland” bezieht sich bei mir nicht auf grenzenlose Bedürfnisbefriedigung, sondern auf leistungslose, vom Himmel fallende.
Aber bevor über Zahlen gesprochen wird, geht es ja erst einmal ums Prinzip.
Wenn es um soziale Absicherung geht, taugen Prinzipien ohne ökonomische Fundierung nur als Klopapier.
“Interessant daran war vor allem, wie oft der Jubelschrei der Begünstigten in der Hoffnung kulminierte, sie müssten dann nicht mehr arbeiten…”
Ich argumentiere nicht so, und sehe das auch nicht so, also kannst du kaum damit gegen mich argumentieren.
Ich argumentiere nicht gegen dich, sondern gegen das Wernersche “Bürgergeld”. Und da müssen wir schon zur Kenntnis nehmen, wie viele Menschen darauf reagieren werden.
Wenn diese Leute nach Einführung eines Grundeinkommens erschrocken feststellen, dass die Leistungsbereiten immer noch mehr haben als sie, können wir gern gemeinsam über sie lachen.
Ich weiß nicht, wer da mehr lachen wird…
“Wobei beim Werner-Modell immer gerne übersehen wird, dass die Finanzierung über eine Mehrwertsteuer von 25% erfolgen soll, wodurch die Kaufkraft der Grundeinkommensempfänger dann doch wieder auf Hartz-IV-Niveau gedrückt würde.”
Nein, das ist auch nicht ganz richtig.
Hat Werner selbst in einem Interview gesagt.
Denn durch die gleichzeitige Abschaffung der Steuern auf Einkommen würden die Produktionskosten und die Preise sinken.
Das scheint mir dann doch auf einer gewissen Unkenntnis von Preisbildungsprozessen auf Märkten zu beruhen. Übrigens nicht nur volkswirtschaftlich gesehen, sondern auch sehr betriebswirtschaftlich. Die Vorstellung, ein Preis käme allein dadurch zustande, dass man sämtliche Kosten “hineinkalkuliert” inklusive der privaten Steuern, zeigt übrigens, dass Werner weniger Betriebswirt als Unternehmer einer ganz bestimmten Branche, nämlich des Handels, ist. Eine Steuer, die einer Zielgrößensteuer nahe käme, würde unternehmerische Entscheidungen nicht beeinflussen. Und da, wo unsere Einkommensteuern vom Ideal der Zielgrößensteuer abweichen, ist mehr die Finanzierung als die Preisbildung ein Thema.
Gleichzeitig würde die wirtschaftliche Benachteiligung menschlicher gegenüber maschineller Arbeitskraft abgeschafft – wesentlich eleganter als mit der oft angesprochenen Maschinensteuer, die ich ablehne. Dass diese Lösung auch heimische Produkte gegenüber importierten besser stellen würde, da die eigenen Produkte nur einmal hier besteuert würden, die Importwaren hingegen hier und im Erzeugerland, halte ich ebenfalls für einen bedenkenswerten Vorteil.
Das sind so die Vorteile einer Konsumsteuer, der auch ich eher positiv gegenüberstehe. Von links wird dieser allerdings eine hohe Verteilungsungerechtigkeit vorgeworfen, die auch auf das Werner-Modell zutreffen würde. Meine Bedenken gehen eher in Richtung der Anreize für Schmuggel, Schwarzarbeit und Steuerbetrug. Aber das ist kein Kerneinwand gegen “Bürgergeld”-Modelle.
Comment von Rayson — 16. 1. 2006 @ 16:24
Der Unterschied zwischen VWL und BWL ist mir schon bekannt, mit “ausgraben” meinte ich mehr “rückbesinnen”. Wie auch immer, ich habe wohl auf den Falschen geschossen, denn offensichtlich respektierst du (im Gegensatz zu vielen anderen Liberalen, meist Unternehmer in irgend einer Form) die Volkswirtschaft als eine ernstzunehmende Disziplin. Vergessen wir also diesen Punkt.
Dass die meisten Leute eben doch bereit wären, auch dann sinnvolle und nützliche Arbeit (die auch mal keinen Spaß bereitet) zu machen, wenn sie nicht durch die Gefahr des Hungers oder der Obdachlosigkeit dazu gezwungen wären, ist meine Erfahrung. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass du das anders siehst.
Du behauptest, wenn ich dich richtig verstehe, dass eine Kostensenkung für ein bestimmtes Produkt im allgemeinen nicht zu einer Senkung der entsprechenden Preise führt? Logischerweise dürfte eine Kostensteigerung dann auch nicht zu einer Preissteigerung führen. Da sehe ich nun aber erhebliche praktische Gegenbeispiele…
Ich bitte dich übrigens um eine kurze Erklärung des Begriffes “Zielgrößensteuer”. Google liefert dafür die gigantische Zahl von einem (1) Treffer, und dort wird der Begriff leider ebenso vorausgesetzt, wie du es tust. Danke für deine Mühe!
Comment von Karsten — 16. 1. 2006 @ 19:23
In “Brand Eins” hatte sich auch Thomas Straubhaar vom HWWI für ein Grundeinkommen ausgesprochen. Mit der Idee, dass man die, die nciht arbeiten wollen eh nicht dazu zwingen kann.
Die Idee “Grundeinkommen” ist bestechend, nur bleiben “wir ” (wobei Götz Werner meines Wissens das BGE nur in der ganzen EU für umsetzbar hält) dann auch wettbewerbsfähig? Denn das man mit einer ineffizienten Wirtschaft auch - wenn auch schlecht - wirtschaften kann hat ja der Ostblock gezeigt. Nur hat eine Volkswirtschaft, die zuwenig “Druck” ausübt, meiner Meinung nach gegen eine wettbewerbsorientierte/ kapitalistische/ marktwirtschaftliche Volkswirtschaft wenig Chancen zu bestehen. Angst und Gier sind halt doch starke Antriebe.
(www.hwwi.org/mediencenter/indenmedien-archiv2005/2005-07_brandeins.pdf ca. 800kB)
Comment von marcc — 16. 1. 2006 @ 21:45
Also ich wäre auch dafür, daß wir sämtliche Sozialsysteme einstampfen und es dann aber beim gegenwärtigen Bürgergeld belassen, auch bekannt als AlgII.
Ca. 350€ + WarmMiete im Monat steuerfinanziert. Ich finde, das reicht völlig aus. Ich musste auch ein paar Jahre mit ungefähr so einer Summe auskommen. Das reicht völlig um etwaige “Grundinstinkte” zu befriedigen.
Von dem Gedanken so eine Leistung bedingungslos auszuzahlen halte ich dagegen nicht so viel, da diese leistungen ja anderen Steuerzahlern abgenommen wurden und somit das Prinzip Leistung-Gegenleistung unbedingt eingehalten werden sollte.
@Marcc
Mit der Idee, dass man die, die nciht arbeiten wollen eh nicht dazu zwingen kann.
Zum arbeiten zwingen muss man meiner Meinung nach ja auch niemanden. Man sollte denjenigen bloß nicht fürs nichts tun bezahlen.
Comment von Matthias B. — 16. 1. 2006 @ 23:15
Du behauptest, wenn ich dich richtig verstehe, dass eine Kostensenkung für ein bestimmtes Produkt im allgemeinen nicht zu einer Senkung der entsprechenden Preise führt?
Nein, ich behaupte, dass Einkommensteuern nicht zu den Produktkosten gehören. Zumindest nicht kurzfristig, und die langfristigen Folgen hängen sehr von den Details des Steuersystems ab. Gehst du davon aus, dass die Preise eines Unternehmens, dessen Anteilseigner den Spitzensteuersatz bezahlen, höher wären als die eines Unternehmens, das überwiegend im Besitz von Beziehern niedriger zu versteuernder Einkommen ist?
Eine Zielgrößensteuer ist eine Steuer, die die Zielgröße von Entscheidungen besteuert. Sie wirkt daher immer entscheidungsneutral, d.h. der Entscheider handelt immer unabhängig von ihrer Höhe. Streng betriebswirtschaftlich wären z.B. Wertänderungen die Zielgröße. Das angelsächsische Rechnungswesen versucht, sich dieser anzunähern. Wenn wir also die vielen Gestaltungsspielräume, die der Unsicherheit von Zukunft geschuldet sind, als Einfallstor für Willkür außer Acht lassen, wäre eine Steuer auf einen IFRS-Gewinn nahe an einer Zielgrößensteuer.
Comment von Rayson — 17. 1. 2006 @ 1:17
Am Rande: Für 1500 Netto würde ich übrigens ernsthaft erwägen, meine Zeit zukünftig frei zu gestalten.
Es ist nicht so, dass ich meine Arbeit hassen würde - aber mir fallen durchaus auch noch andere schöne Dinge ein, mit denen man seine Zeit vertreiben kann. Das viel zitierte Gefühl, gebraucht zu werden, würde ich sicher nicht vermissen. Ich bin selbstherrlich genug, um davon auszugehen, dass die Welt mich so oder so braucht…
Und weil ich bestimmt nicht der Einzige bin, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es funktioniert…
Comment von Björn Gießler — 17. 1. 2006 @ 2:34
@Matthias B.:
Sorg dafür, dass jeder auch eine ordentliche Gegenleistung erbringen kann, dann können wir darüber reden. Ich kenne so viele Leute, die seit langem eine Arbeit suchen, die aber einfach keiner haben will, dass ich Kommentare wie deinen als Hohn empfinde - auch, wenn du ihn sicherlich nicht so gemeint hast. Mit dem ALGII kann man aber tatsächlich seine Grundinstinkte befriedigen, wie ich ja auch bereits anmerkte. Nur die Erniedrigungen und das teure Drumherum (die Herrschaften Kontrolleure und Bürokraten) will ich nicht mehr haben.
@Rayson:
Es ging mir nicht um die Anteilseigner. Für die Mitarbeiter müssen auch Lohn-/Einkommensteuern bezahlt werden, und in der internen Kalkulation jedes Unternehmens, in dem ich bisher gearbeitet habe, gehörten diese zu den Kosten, die man pro Mitarbeiter rechnet. Aber: Dass die Kaufkraft des Wernerschen Bürgergeldes seiner Auffassung nach der des heutigen ALGII entsprechen soll, habe ich jetzt auch mehrfach gelesen. Ich bitte um Verzeihung - und muss jetzt meine Ansichten natürlich etwas überdenken.
Danke für die Erläuterung der Zielgrößensteuer; ich werde mich damit noch mal genauer auseinandersetzen. Gut, wenn man mit Leuten diskutieren kann, die mehr Fachwissen zu bieten haben. :)
@Björn:
Für 1500 Euro Netto (die ich, wie gesagt, für überzogen halte, wenn man nicht den von Rayson erwähnten Kaufkraftverlust einkalkuliert), würde ich das auch tun. Aber ich denke, es gibt genug Leute, die gern 2000 Netto haben. Auch 3000 wären viele nicht abgeneigt. Und guck mal, wie viele Leute immer noch arbeiten, obwohl schon die Zinsen ihres Vermögens die 10.000er-Grenze pro Monat knacken.
Comment von Karsten — 17. 1. 2006 @ 11:00
@Karsten
Sorg dafür, dass jeder auch eine ordentliche Gegenleistung erbringen kann, dann können wir darüber reden. Ich kenne so viele Leute, die seit langem eine Arbeit suchen, die aber einfach keiner haben will, dass ich Kommentare wie deinen als Hohn empfinde - auch, wenn du ihn sicherlich nicht so gemeint hast.
Habe ich auch nicht. Das Bemühen einen Job zu finden bzw. solch einen auch anzunehmen, auch wenn der einem nicht gleich zusagt anstatt Unterstützung zu bekommen reicht als Gegenleistung schon aus.
Comment von Matthias B. — 17. 1. 2006 @ 12:13
Der Kreis schließt sich, wir sind zurück beim Menschenbild. Ich gehe davon aus, dass diese Bereitschaft bei der überwiegenden Mehrheit der Menschen vorhanden ist und brauche daher im Einzelfall nicht unbedingt einen Beweis. Die wenigen Ausnahmen kann das System ertragen, und sie erfahren die angemessene soziale Ächtung.
Comment von Karsten — 17. 1. 2006 @ 12:31
1500 EUR sind selbst für Werner nur ein vages Fernziel, er will auch mit viel weniger anfangen. Für mich persönlich wären 600 EUR ein guter Anfang. Damit muss man definitiv nicht mehr unter der Brücke schlafen und kann genug essen, sicher auch mal ins Kino. Zumindest Studenten kriegen das - auch in München - hin.
Die meisten Leute haben heute mehr als 600 EUR zur Verfügung. Angenommen, die meisten wären wirklich faul und würden sofort aufhören zu arbeiten, dann müssten sie auf einen großen Teil ihres Einkommens verzichten. Ich bezweifle stark, dass sie dazu bereit wären. Der materielle Anreiz zum Arbeiten bliebe also bestehen.
Das Grundeinkommen hat aber auch Vorteile für diese Leute, die es gar nicht nötig haben:
- sie müssten keine (so große) Angst mehr vor Jobverlust haben, denn das Grundeinkommen würde einen Mindeststandard sichern. Sie könnten gleichberechtigter und offener mit Vorgesetzten kommunizieren. Dadurch würde sich das Arbeitsklima und damit auch die -produktivität verbessern. Ähnlich ist es mit dem Demonstrationsrecht: Die meisten Menschen machen nie davon gebraucht, aber es ist für sie beruhigend, dass sie es notfalls könnten.
- man könnte ersatzlos die gesamte Arbeitsagentur, andere Sozialverwaltungen und die meisten Subventionen abschaffen und damit viele Steuergelder einsparen.
- die Straßen wäre sicherer, denn viele Menschen, die heute Stress verursachen, tun das aus materieller Not oder Perspektivlosigkeit. Der dann entstehende Schaden ist dann oft viel größer, als deren eigentliche materielle Not.
Für Unternehmer wäre vorteilhaft:
- die Löhne könnten um die Höhe des Grundeinkommens sinken
- Kündigungsschutz und Tariflöhne wären unnötig(er)
- die Angestellten wären motivierter
Quasi die meisten liberalen Lieblingsprojekte ließen sich viel leichter durchsetzen. :-)
Es wäre das ideale Wirtschaftssystem: jeder könnte ungehemmt gewinnen, aber keiner könnte verlieren - sozusagen “radikalste Form von Kapitalismus und Sozialismus” zugleich.
Comment von Jorges — 17. 1. 2006 @ 18:53
Ist das wirklich so, dass wir alle nur der Kohle wegen arbeiten? Und der Sicherheit wegen? Und weil ein Halbtagsjob peinlich ist? In den USA gabs in den 70ern große Versuche mit dem Bürgergeld. Tatsächlich hat sich das Erwerbsverhalten nicht so stark verändert.
Comment von Müller — 5. 2. 2006 @ 17:44
Bürgergeld? Die Bezeichnung Dableib-Prämie wäre ehrlicher, weil so viele auswandern, statt sich um Job und Geld bescheißen zu lassen. Das Erwachen kommt, wenn jemand auswandern will und dann pötzlich das “großzügige” Geschenk zurückzahlen soll. Am besten alle Kleckerbeträge auf einmal.Vorsicht vor Politikern, deutschen ganz besonders!! Verarsche garantiert!!
Comment von Susanne — 5. 12. 2007 @ 12:56