Wo war Julija?
Groß war sie angekündigt worden - Julija Tymoschenko sollte eigentlich an der energiepolitischen Diskussion bei Sabine Christiansen teilnehmen. Wie viele andere, so freute auch ich mich darauf, von ihr einige Kommentare zur Gaskrise zwischen der Ukraine und Russland zu hören und vielleicht ein wenig Aufschluss über die Vorgänge dort zu erhalten, die immer noch sehr unklar sind. Doch Frau Tymoschenko sagte ihre Teilnahme kurzfristig ab. Da sie ohnehin nur per Konferenzschaltung hätte dabei sein sollen, kann es sich wohl kaum um terminliche Gründe gehandelt haben; wahrscheinlicher ist politischer Druck.
Stattdessen durfte man einen üblich ungehobelten und flegelhaften Jürgen Trittin erleben, der im Sessel herumgammelte, bei anderen Redebeiträgen demonstrativ die Augen verdrehte und allgemeinen Unsinn verbreitete - wie die Behauptung, der deutsche Ausstieg aus der Atomkraft trage zur Verhinderung der Proliferation von Massenvernichtungswaffen bei. Der übliche Trittin: Parolen, unhöfliche Rücksichtslosigkeit und ein offensichtliches Desinteresse an anderen Meinungen.
Dabei hatte er die kaum zu befürchten: Denn die übrigen Gäste waren vorwiegend handzahm. Professor Mohssen Massarat, der auch mal beim Linksnet oder der “Marxistischen Erneuerung” gegen die neoliberale Globalisierung und den amerikanischen Imperialismus wettert, und der Windenergie-Unternehmer Fritz Vahrenholt stellten sich als konsequente Vertreter der gleichen kommunistischen und ökologistischen Vorstellungen und Vorschläge heraus, die auch Trittin in die Runde quängelte. Michael Glos und der e.on-Vorsitzende Wulf Bernotat hatten hingegen alle Hände voll damit, sich des Eindrucks zu erwehren, sie wollten das ganze Land mit Atomkraftwerken zupflastern.
Besonders Glos beschwerte sich lautstark darüber, dass er von der Moderatorin als “Atomheini” verkauft wurde - die Angriffe, die er erdulden musste, seit er sich öffentlich Gedanken um eine mögliche Verlängerung der Laufzeiten gemacht hat, gingen offenbar auch an ihm nicht spurlos vorbei. Leider führte diese Konstellation dazu, dass das ganze Gespräch sich in Nebenfragen und rituellen Bekundungen verlor; Glos und Bernotat waren so darum bemüht, das Mantra der ideologischen Atomkraftgegner nachzubeten, dass es für sie kaum Gelegenheit gab, eine differenziertere Position darzustellen. Gebetsmühlenartig wurde es wiederholt: “In Deutschland wird nie wieder ein neuer Atomreaktor gebaut werden”. Und das wird dann wohl auch als Einziges in der Erinnerung der Zuschauer hängen bleiben. Denn Atomkraft ist böse.










So wie Julija auf dem Bild aussieht, wird sie wohl aus Erschöpfung nicht haben teilnehmen können.
Comment von Kay Hanisch — 17. 1. 2006 @ 21:15