9. 3. 2006

Endlich ein Endlager

Nach jahrelangem Tauziehen ist es nun soweit: Deutschland hat ein erstes Endlager für radioaktive Abfälle. Die Lagerstätte im niedersächsischen Schacht Konrad bei Salzgitter ist nun offiziell genehmigt und durch Gerichtsverfahren abgesichert. Auch Umweltminister Gabriel geht nun bereits davon aus, dass das Endlager errichtet werden wird. Natürlich handelt es sich dabei nur um einen kleinen Schritt - als Lager für Atommüll aus Kraftwerken eignet sich der Schacht nicht, es dürfen nur gewisse Mengen schwach und mittelstark radioaktiver Abfälle eingebracht werden - sie entstehen vor allem in Krankenhäusern, bei der Forschung und in der Industrie. Trotzdem aber ist die endgültige Genehmigung einer der ersten größeren Siege der Vernunft in dieser Diskussion seit langem.

Denn man kann Radioaktivität ja nicht einfach per Gesetz abschaffen. Selbst, wenn wir sofort alle Atomkraftwerke abschalten würden (und deren Überreste sich einfach so in Luft auflösten), radioaktiver Abfall würde bei vielen anderen Gelegenheiten immer noch entstehen. Und der muss irgendwo hin; bisher hieß das in Deutschland, ihn in Zwischenlager zu schaffen, die nicht von dauerhafter Natur sind, und gelegentlich auch einmal hin und her zu transportieren. Gerade angesichts der langen Strahlungszeit, die nun einmal mit Radioaktivität verbunden ist, eine unsinnige Vorgehensweise - und die Suche nach geeigneten Endlagerstätten ein Gebot der Vernunft.

Die Entschlossenheit der Regierung, Schacht Konrad nun als Endlagerstätte für radioaktive Abfälle auszuweisen, kann man natürlich noch nicht als Zeichen für eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie werten; dazu ist das Thema im Vergleich zu klein, auch die Interessenlage eine völlig andere. Dass man aber von Schwarz-Rot zumindest einen verstandesorientierteren Umgang mit dem Thema der Radioaktivität erwarten kann als von unserer bisherigen Regierung, bleibt dennoch positiv zu erwähnen.

4 Kommentare »

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  1. Hola,
    Schon mal was von Morsleben gehört? Nur so zum Thema “erstes Endlager”…
    Ich empfehle, mal den Begriff bei Wikipedia einzugeben und sich zu wundern.
    Ja, Morsleben, nicht Gorleben. Ist garantiert kein Schreibfehler.
    37.000 m³ eingelagerte radioaktive Abfälle aus Forschung, Industrie und - vermutlich - auch aus KKW´s russischer Produktion, sind nicht gerade das was man unter einem Pappenstiel versteht.
    Auch wenn jetzt nichts mehr in Morsleben eingebracht wird, hat die alte Regierung es verstanden, den Menschen vorzugaukeln, es gäbe gar keine Endlager.
    Woran mag das wohl liegen?

    Comment von Klaus Lenz — 9. 3. 2006 @ 19:48

  2. Morsleben ist ein nicht genehmigtes Endlager, das nicht den Ansprüchen genügt, die unsere Umweltgesetzgebung für ein Endlager vorsieht. Aus diesem Grunde sucht man weiterhin nach Möglichkeiten, das Lager weiter zu sichern. Was aber die DDR mit ihrem Atommüll gemacht hat, kann man unserer Atomtechnik wohl kaum anlasten.

    Comment von Karsten — 9. 3. 2006 @ 19:59

  3. Hola Karsten,
    So wie es aussieht, lag sehr wohl eine Genehmigung für Morsleben vor, erst seit ´98 werden keine weiteren radioaktiven Abfälle mehr dort eingebracht und die Schliessung des Endlagers “vorbereitet”.
    Wie war das noch: ´98 war die DDR doch schon ein paar Jährchen Geschichte… und ich halte es für falsch, immer noch zwischen dem guten Westen und der bösen DDR zu unterscheiden. Seit dem Fall der Mauer ist Morsleben auch ein Teil von Deutschland. Nicht, dass ich den Weiterbetrieb befürworten würde, im Gegenteil.

    Aber nicht auszudenken, wenn die dort eingelagerten Stoffe auch noch zusätzlich irgendwo in Zwischenlagern deponiert wären.
    Die Umweltstandards, nach denen Morsleben geschlossen wird, hängen wohl auch mit einer bestimmten politischen Klientel nach ´98 zusammen, oder?
    Zumindest scheint jetzt ohne die Grünen überhaupt mal wieder eine neue Lösung möglich zu sein. Ist ja auch schon was.

    Comment von Klaus Lenz — 10. 3. 2006 @ 7:26

  4. Nein, die Umweltstandards haben wir hier schon lange. Was den Umgang mit Sondermüll und radioaktiven Abfällen angeht, waren wir schon immer ein ganz besonders vorsichtiges Völkchen (was ja auch klug ist).

    Mit einem Lager wie Morsleben muss man erst einmal umgehen, wenn einem eine faule Frucht einfach so in den Schoß fällt - und vor allem, wenn aufgrund ideologischer Barrieren kein kurzfristiger Ersatz möglich ist, nicht wahr?

    Comment von Karsten — 12. 3. 2006 @ 8:31

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