Der Zombie
Kolumbiens Präsidenten Alvaro Uribe kannte ich bis zu den diesmaligen Wahlen eigentlich gar nicht. Ich muss zugeben, dass mir nach einem Studium der Presseberichte sein Lösungsansatz für die bewaffneten Guerillas, die sein Land bedrohen, gar nicht gefällt. “Die Linken abknallen, die Rechten begnadigen” scheint mir eine etwas einseitige Lösung - vor allem, da es eher die rechten Milizen sind, die der Weltgemeinschaft durch Drogenhandel und internationale Destabilisierung Gedanken machen. Insgesamt aber beschreiben ihn die meisten, die sich mit Kolumbien besser auskennen als ich, als einen integren Mann, der in seiner Heimat breites Vertrauen genießt.
Doch eigentlich geht es hier gar nicht um Herrn Uribe, sondern um das Pressefoto, das hierzulande überall gezeigt wird. Alvaro Uribe ist ein freundlicher, zumeist eher intellektuell wirkender Mann Mitte 40, wie die Google-Bildersuche uns verrät. Auf fast allen Fotos, die von ihm existieren, sieht er aus wie der Sprecher einer Schweizer Bank oder der Leiter des örtlichen Kirchenbüros. Außer auf dem einen Foto, das sich alle deutschen Internet-Medien für ihre Berichterstattung ausgesucht haben: Hier lautet die Mischung eher Zombie, “Man in Black” und Andy Garcia im “Paten”. Man kann nicht umhin, sich von dem Mann mit dunkler Sonnenbrille und geballter Faust etwas eingeschüchtert zu fühlen, wie ihn auch die Tagesschau abbildet.
Ob dies nun irgendwelche politischen Rückschlüsse erlaubt, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Über die Macht der Bildauswahl sagt es aber schon einiges.









