16. 3. 2006

Tal der Wölfe - Irak

Zuerst in Yasar Merts Andalusien-Blog veröffentlicht

Eigentlich wollte ich keine persönlichen Kommentare mehr zu dem so genannten “Kampf der Kulturen” abgeben, welcher sich durch die perversen Karrikaturen offenbar gemacht habe (so viele Stimmen der die Meinungsfreiheit so liebenenden Presse in den meisten Länder der so genannten westlichen Welt). Aber die Attacken und unaufhörenden Beleidigungen die im Namen von Meinungsfreiheit und Demokratie an Menschen, welche anders denken und anders glauben, verübt und gutgeheißen werden zwingen mich zu einer Kommentierung. Insbesondere sind die seitenweise einseitigen Feuilleton-Beiträge zu dem türkischen Film “Tal der Wölfe - Irak” ein deutlicher Beweis der doppelten und der nur-sich-selbst-sehenden Moral der Intellektuellen und Politiker in Deutschland. Fing es doch mit Filmkritiken an so hat es in der Zwischenzeit den Gipfel mit dem Verlangen nach einem Verbot des Filmes erreicht (Edmund Stoiber in der “Welt am Sonntag”).

Unglücklicherweise reihen sich in die Liste der Kritiker auch eher ernst zu nehmende Personen wie Cem Özdemir ein. Unglücklicherweise deshalb, weil an diesem Exempel wieder deutlich wird, dass es den Meinungsmachern nicht wirklich um die freie Äußerung der Meinung und die Freiheit der Kunst - wie im Falle der Karikaturen behauptet - geht, sondern es geht um die Verteidigung der eigenen Meinung und Kunst, um die Überlegenheit der eigenen Meinung und Kunst gegenüber der vermeintlich muslimischen oder in diesem Falle türkischen Meinung und Kunst (Filme sind immer noch eine Kunst).

Wenn nicht, warum würde ein Herr Stoiber denn kommentieren, dass der “Streifen sich gegen die Kultur und Werte Europas” richte? Wie kann man das barbarische Foltern und Töten von Menschen überhaupt als Werte - unabhängig ihrer geographischen oder kulturellen Zuordnung - verteidigen?

An dieser Auseinandersetzung zu welchem die Medien wie sehr oft wieder fast hetzterisch beitragen, wird meine These deutlich, dass sowohl die Gesellschaften als auch die Menschen - insbesondere Mitteleuropas - das Leben mit und unter Minderheiten nicht gelernt haben und diese Erfahrung erst machen müssen. Obwohl es historisch immer Minderheiten gab (Zigeuner, Juden, usw.) so wurden diese entweder in Gettos gehalten oder assimiliert (oder vernichtet wie im Falle der Juden). Diese These tritt umso stärker hervor, als dass die neuen Minderheiten einer anderen Religion - nämlich dem Islam - angehören. Die Politik und die Politiker müssen an einer neuen Vision für das Leben mit den Minderheiten arbeiten - eine Minderheitenpolitik welche nicht nur aus Verboten und Geboten besteht muss her!
Für die USA gilt nicht das Gleiche. Die USA macht den fatalen Fehler, dass sie um ihrer eigenen Freiheiten Willen, die Freiheiten und Menschenrechte von anderen verachtet und mit den Füßen tritt. Hier bleibt nur zu erwähnen, dass in der Geschichte bis heute jede Großmacht an ihre Grenzen gekommen ist und meistens von innen her zerschlagen wurde.

Was den Film “Tal der Wölfe - Irak” anbetrifft, so bleibt fest zu stellen, dass er sicherlich an der einen oder anderen Stelle zu stark extremisiert und auch ohne “Hinweise” wie den jüdischen Arzt nicht weniger Zuschauer anziehen würde. Für mich hat der Film allerdings zumindest teilweise einen realen Bezug, auch wenn er mich nicht begeistert hat. Nichtsdestotrotz verdient er - schon der Meinungsvielfalt Willen - nicht verboten zu werden.

2 Kommentare »

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  1. Ich kenne den Film nur vom Hörensagen, aber ich bin der Meinung, daß diese Filme, die an die niederen Instinkte appellieren und Gewalt verherrlichen (z.B. Rambo etc.) grundsätzlich nicht gezeigt, bzw. nur unter sehr strengen Auflagen zugänglich gemacht werden. Ich kann mich noch daran erinnern, wie vor Jahren auf dem Schulhof “Karatetiger” “nachgespielt” wurde und einige Schüler mit Fußtritten malträtiert wurden. Insofern darf man sich auf die Wirkung eines neuen Gewaltstreifens, der, glaube ich, “Knallhart” heißt, auf den Schulhöfen freuen.

    Comment von Kay Hanisch — 17. 3. 2006 @ 13:50

  2. Ich nehme an, in deinem Satz fehlt etwas: nämlich ein “Kindern und Jugendlichen” zwischen der Klammer und dem “grundsätzlich”. Hoffe ich jedenfalls, sonst würdest du nämlich der Zensur das Wort reden. Was die negative Wirkung auf Kids angeht, bin ich aber eigentlich ganz deiner Meinung. Nur - mehr Gesetze und Verbote bringen es da ja nicht, denn schon im Augenblick dürfen Kinder Gewaltfilme ja eigentlich nicht sehen. Elterliche Unachtsamkeit ist hier der Hauptgrund dafür, dass der Konsum gewaltverherrlichender Filme immer mehr ansteigt.

    Comment von Karsten — 18. 3. 2006 @ 11:10

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