26. 3. 2006

Frieden, Sicherheit und Wohlstand

Alexander KosulinJaja, wirtschaftliche Prosperität und Stabilität sind schon eine sehr wichtige Sache. Und dafür, dass man vor dem Wüten des freien Marktes beschützt wird, muss man schon ein paar Nachteile in Kauf nehmen - was zählen angesichts wirtschaftlicher Sicherheit und öffentlicher Ordnung schon Bürger- und Freiheitsrechte? Ein paar Mal ordentlich mit dem Knüppel dazwischen gehauen, und schon hat man den Heuschrecken gezeigt, wo es lang geht.

Wie nah sich die Politik Alexander Lukaschenkos am guten alten Stalinismus orientiert, zeigt sich am Schicksal des Oppositionsführers Alexander Kosulin. Dieser war festgenommen worden, weil er angeblich zum Mord an Lukaschenko aufgerufen hatte - was auch in westlichen Demokratien ein guter Grund gewesen wäre, den Mann in Haft zu nehmen. Aber in einer Demokratie wäre der Vorgang von großer öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet gewesen, es hätte ständig Pressekonferenzen über seinen Verbleib und den Fortgang der Ermittlungen gegeben. Nicht so in einer Diktatur wie Weißrussland: Dort verschwindet man einfach, es gibt keine Auskünfte, weder für die Presse noch für die Familie. Terrorherrschaft hat man das genannt, was Stalin gegen seine politischen Gegner entfesselte, und eine Herrschaft des Terrors nutzt auch der weißrussische Despot, um sich an der Macht zu halten.

Ob die Junge Welt angesichts dieses Terrors wohl ins Nachdenken darüber kommt, welche Art von Herrschaft sie da mit den Begriffen “Frieden, Sicherheit und Wohlstand” in Verbindung bringt? Wohl kaum, denn schon in Werner Pirkers dortigem Kommentar lässt sich keine Kritik an den Wahlfälschungen erkennen. Was Pirker eher besorgt, ist die ungeschickte Art der belarussischen Genossen: “Lieber weniger” Betrug hätte er gesehen - müssen es denn gleich 82% sein? Es hätte doch auch gereicht, wenn man eine etwas knappere Mehrheit erlogen hätte. Dann wäre der Aufschrei des Westens auch nicht so groß gewesen, und vielleicht hätte ja niemand das Verschwinden Kosulins bemerkt. Dann hätte die sozialistische Seele Ruh’ gehabt und sich weiter an “Frieden, Sicherheit und Wohlstand” unter der Knute des Diktators erfreuen können.

4 Kommentare »

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  1. Propagandaorgan

    Wer in der DDR aufgewachsen ist oder sich sogar noch an das Dritte Reich erinnern kann, der wei was Propaganda ist. Zeitungen drucken nur systemtreue Nachrichten und das gern in einer kmpferischen Art. Wer glaubt solcherlei Druckwerk gbe es nicht m…

    Trackback von Das Blogamt - Satire, Kommentare und mehr — 26. 3. 2006 @ 14:43

  2. Krass, wie wenig der Autor sein Einverständnis mit der Unterdrückung verhehlt… Dass die Schreiber für die JW solche Positionen vertreten, wundert mich ja nicht, aber dass sie sich so offen zu ihnen bekennen…

    Comment von dointime — 31. 3. 2006 @ 16:01

  3. Für mich ist völlig misteriös, was da abgeht, besonders in ökonomischer Hinsicht. 10% Wachstum pro Jahr? Wenn ich mich recht entsinne, wäre eine derartige Bilanz für manche Wirtschaftsliberale bereits ein Grund, autoritär verfasste Staatsregime (z.B. Pinochet, Singapur) zu rechtfertigen.

    Wie auch immer: Ich persönlich fühle mich in entscheidenden Fragen uninformiert: Was macht dieser Kerl, außer, dass er ein Antidemokrat ist, einen lächerlichen Führerkult betreibt, die Opposition gewaltsam unterdrückt usw. usf.?

    Comment von Dr. Dean — 31. 3. 2006 @ 23:38

  4. Mysteriös! (sorry)

    Comment von Dr. Dean — 31. 3. 2006 @ 23:38

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