26. 3. 2006

Überwachungskameras? Nur bei anderen!

Das Wohnzimmer von Angela Merkel stand im Visier einer Überwachungskamera, die auf dem Berliner Pergamon-Museum angebracht war. Während einer Reportage über das Museum demonstrierten die Sicherheitsbeamten, dass sie mit ihrem Spionagegerät mit Leichtigkeit einen Blick in die privaten Räumlichkeiten der Bundeskanzlerin werfen konnten - eigentlich keine große Überraschung, wenn man sich mit den Möglichkeiten aktueller Überwachungstechnik auskennt. Schwenk, Zoom, hohe Vergrößerungsleistung, all das ist für die modernen Geräte überhaupt kein Problem mehr. Und so ist es eben auch möglich, mit den Kameras völlig Unbeteiligte zu bespitzeln. Das darf man zwar nicht, aber wie die Wachleute des Museums bewiesen, ist zwischen gesetzlicher Regelung und der spannerhaften Realität ein gewaltiger Graben.

“Die Überwachungskamera wurde mittlerweile abgeschaltet”. Warum? In Deutschland existieren mittlerweile zehntausende solcher Kameras, die permanent benutzt werden können, um in den privaten Raum anderer Menschen einzudringen. Wo wir gehen und stehen, bespitzeln und kontrolliern uns zahlreiche “Little Brothers”, vom RFID-Tag bis hin zur ausgewachsenen Spionagekamera in Innenstädten. Auch diese können Wohnzimmer und andere private Räume erfassen - und werden sicher ebenso von gelangweilten Sicherheitsleuten dazu benutzt, die Privatsphäre unbescholtener Bürger zu verletzen.

Aber es hat eben nicht jeder von uns die Macht, das zu unterbinden. Angela Merkel schon.

“Wer sich nichts vorzuwerfen hat, der braucht sich an Kontrolle und Überwachung auch nicht zu stören”, so hört man oft und gern, vor allem von Frau Merkels Parteifreunden. Welche illegalen und/oder moralisch verwerflichen Aktivitäten sich wohl im Wohnzimmer der Kanzlerin entspannen? Denn wenn sie sich in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen hat, dann könnte die Kamera doch bleiben…

1 Kommentare »

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  1. Das ist ja das Schöne an der Videoüberwachung. Dann werden Jugendliche eben nicht vor dem Bahnhof sondern eine Querstraße weiter ausgeraubt…da wo keine Kamera steht.

    Dann finden die fragwürdigen Aktivitäten der Kanzlerin eben anderswo statt und der Innenminister darf stolz verkünden, daß die Gefahr für Raubüberfälle vor dem Bahnhof genauso drastisch gesunken ist, wie die Bargeldübergaben im Kanzlerbüro :-)

    Comment von Amtsleiter — 26. 3. 2006 @ 10:56

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