Man wähle seine Kreise mit Bedacht
Ich bin sehr für Meinungsfreiheit, das betone ich bei jeder Gelegenheit. Ich finde auch, dass Anhänger extremer und/oder obskurer politischer Ansichten diese vertreten können müssen, solange sie nicht zu einem aktiven Kampf gegen unsere Ordnung aufrufen. Aber man muss ja nicht auch noch durch einen Link eine Empfehlung für sie abgeben; so habe ich das Blog “Freiheit und Zivilisation” von Robert Grözinger schon seit einer Weile nicht mehr verlinkt. Einige der dortigen Texte waren mir sehr suspekt, und auch als Übersetzer des Buches “Demokratie - der Gott, der keiner ist” wurde er mir nicht unbedingt sympathischer.
Ich rate allen liberalen Bloggern, eine Linkempfehlung für dieses Blog noch einmal sorgfältig zu überdenken. Während ihr das tut, solltet ihr den Beitrag “Antikapitalistische Franzosen” lesen. Wer mit mir zu der Auffassung kommt, das Grözinger hier einen grundlegenden Widerspruch zwischen Demokratie und freier Marktwirtschaft konstruiert, sollte bedenken, dass er sich damit gegen unsere Verfassung ausspricht. Als erklärter Anhänger des freien Marktes muss er - seiner eigenen Logik folgend - ein Feind der demokratischen Ordnung sein.
Wie gesagt, auch solche Meinungen kann man meinetwegen vertreten. Immerhin sieht Grözinger ja die Demokratie als Sieger und ruft nicht dazu auf, sie zu beseitigen. Wer sich aber mit seiner Haltung nicht in ein Boot setzen will, sollte ihn auch nicht empfehlen - und für die, die sie insgeheim teilen, habe ich eigentlich kein Verständnis.










Karsten, ich glaube nicht, dass du hiermit der libertären Demokratie- und Staatskritik auch nur annähernd gerecht wirst. Selbstverständlich kann man einen grundlegenden Widerspruch zwischen den Methoden der Demokratie und denen der Marktwirtschaft konstatieren. Der liegt auf der Hand - im einen Modell liegt der Schwerpunkt auf freiwilliger Interaktion zum Zweck der individuellen Bedürfnisbedriedigung, im anderen auf der gegen die Minderheit notfalls zwangsweise durchgesetzten Regelung einer Angelegenheit im Interesse der Mehrheit.
Diesen Gegensatz muss ein Liberaler eigentlich erkannt haben, um die Problematik linker Demokratievergötterung (in Betrieben, im Vertragsrecht, einfach in allen Bereichen des Lebens) zu begreifen.
Die Grenze, die ich für mich zu den Libertären ziehe, besteht darin, dass ich Problembereiche identifiziere, die sich einer marktwirtschaftlichen Methodik teilweise oder vollständig entziehen, und für die dann ein anderes Verfahren zu wählen ist - eben mangels besserer Alternative notgedrungen das demokratische.
Wir sollten damit vorsichtig sein, jede theoretische Alternative, die über das gerade mal knapp 60 Jahre alte Grundgesetz hinausgeht, gleich als “verfassungsfeindlich” zu diffamieren und diese Etikettierung dann dankbar als Denkverbot anzunehmen. Für Juristen mag das nahe liegen, aber politisch ist das nicht.
Ansonsten geraten wir in die Falle der Hauptstadt-Unpolitik. Wir reden, weil wir uns in selbstgesetzten Schranken bewegen, scheinbar “pragmatisch”, in Wirklichkeit aber konzeptlos über Schräubchen hier und Rädchen da und denken, dass seien politische Alternativen - kein Wunder, dass eine “Reform” die nächste jagt.
Natürlich sind Anarchisten gegen diese Verfassung, weil es nur da eine Verfassung gibt, wo auch ein Staat ist. Aber haben uns Anarchisten (wie Sozialisten und meinetwegen auch Rechtskonservative) deswegen überhaupt nichts zu sagen?
Ist natürlich dein Ding, wen du in der Blogroll listest und wen nicht (wir haben Grözingers Blog auch nicht drin, aber nicht als bewusste Entscheidung). Bei B.L.O.G. aber wirst du dort auch Blogs finden, die völlig andere Ansichten vertreten als wir und eben gerade deswegen auch von uns geschätzt werden. Annahmen oder politisch gesteuerte Versuche, einen Blog über seine Blogroll politisch definieren zu müssen oder zu können, gehen daher m.E. von einem, sorry, ziemlich beschränkten Bild der Blogosphäre aus.
Comment von Rayson — 1. 4. 2006 @ 15:24
Rayson,
auch wir listen Blogs, die eine andere Meinung vertreten als wir, und die meisten davon habe ich selbst hinzugefügt. Gerade das angesprochene Blog aber fällt mir regelmäßig durch Attacken gegen die Demokratie an und für sich auf.
Die Blogroll halte ich schon für eine Empfehlung, denn so wird es von Lesern einerseits, aber auch etwa von Suchmaschinen andererseits wahrgenommen und behandelt. Landet also ein sehr extremes Blog auf den Blogrolls von Liberalen, so muss schon der Eindruck einer gewissen Wertschätzung durch diese entstehen.
Ich spreche mich für Meinungsfreiheit aus, aber diejenigen, die so etwas lesen möchten, werden es auch ohne Werbung aus dem demokratischen Lager finden. Müssen wir diese auch noch machen?
Comment von Karsten — 1. 4. 2006 @ 17:43
Unsere Blogroll ist keine Werbung, sondern listet Blogs, die wir interessant finden und deshalb lesen. Was Suchmaschinen und engstirnige Leser annehmen, ist mir ehrlich gesagt kürbisegal. Diejenigen, auf die es mir ankommt, können für sich selbst denken.
Comment von Rayson — 1. 4. 2006 @ 22:43
Sei dir gegönnt, Rayson, und ich gestehe dann wohl ein, dass ich vielleicht etwas engstirniger denke als andere Blogger. Ich würde jedenfalls keine Empfehlung für Antidemokraten abgeben, aber das bleibt jedem selbst überlassen.
Comment von Karsten — 2. 4. 2006 @ 11:21
1. Unsere Blogroll ist keine Empfehlung, die Meinung der verlinkten Blogs zu übernehmen.
2. “Antidemokrat” legt die Anarcho-Kapitalisten in eine Kiste, in die sie nicht gehören. Die wollen dir deine Demokratie nämlich durchaus lassen, sie wollen nur selbst nicht dazugehören. Ich halte das für einen legitimen Wunsch - es verstößt gegen die Menschenrechte, Menschen in eine Gemeinschaft zu zwingen, der sie nicht angehören wollen.
Comment von Rayson — 2. 4. 2006 @ 13:45
Ich bin kein Rassist aber: So oft hat man diese Einleitung gehört das man wußte, was jetzt kommt ist eine sehr rassistische Aussage. Das war im alten Süd Afrika vor der Wende.
Wenn dein Blog nun anfängt:Ich bin für die Meinungsfreiheit, das betone ich bei jeder Gelegenheit man weiß es kommt ein aber und eine Meinung die nach deiner Meinung nicht den Schutz von Meinungsfreiheit verdient und Du hast uns nicht enttäuscht.
Ereignisse in Deutschland haben aber gezeigt das wenn eine Meinung einmal Tabu ist, ist es den beschuldigten Ketzer nicht mehr gegeben sich gegen die Ketzerei zu verteidigen, denn jede Aussage mit der er sich rechtfertigen muß, enthält wieder mehr Tabu Worte und sind somit Beweise das er verbotene Gedanken hatte.
Comment von bitter_twisted — 2. 4. 2006 @ 14:49
@bitter_twisted:
Meinungsfreiheit heißt nicht, jede Art von Meinung gutheißen zu müssen, da hast du wohl etwas missverstanden. Jeder soll verbreiten dürfen, was er möchte - aber ich habe auch das Recht, darauf hinzuweisen, wenn ich etwas für gefährlichen Unsinn halte. Und das ist eben auch der Fall, wenn ständig gegen die Demokratie polemisiert wird.
Comment von Karsten — 2. 4. 2006 @ 15:18
Hallo Herr Dürotin,
selbstverständlich können Sie verlinken, wen was immer Sie möchten. (Und ich respektiere Ihre Entscheidung insofern, daß ich meinen Blog auch jetzt nicht hier verlinke.)
Ich möchte hier nur darauf hinweisen, daß ich mich im genannten Artikel gegen die “moderne” Demokratie ausspreche, “nämlich die Art von Demokratie, der Mehrheitsherrschaft über alles geht”. Also im Zweifel für das ist, was die Mehrheit will (und zwar von der Minderheit will) und gegen das, was sich am Markt etabliert (und somit Mehr- und Minderheit dient). Und ich sehe zwischen dieser Form der Demokratie und einer freien Marktwirtschaft tatsächlich einen langfristig unüberbrückbaren Widerspruch.
Sie haben richtig gesehen, ich rufe nicht zum aktiven Kampf gegen die Demokratie auf, auch nicht gegen die “moderne”. Ich beobachte lediglich ihren Niedergang, und mache mir über die Ursachen dessen so meine Gedanken.
Comment von Robert Grözinger — 2. 4. 2006 @ 15:27
@Karsten
Es ist mir nicht entgangen das Du zu jeder möglichen Meinung Links hast, wenn Du nun einen Blogger aus suchst und andere dazu anhälts ihre Links zu ihn weg zu machen, dann kann man davon aus gehen das dieser eine ein besonderes Dorn in dein Auge ist. Hat er vielleicht eins deiner oder eurer Tabus gebrochen?
Comment von bitter_twisted — 3. 4. 2006 @ 11:37
@bitter_twisted:
In gewisser Weise könnte man das so sagen - und welches, das habe ich in meinem Beitrag geschrieben. Wer ständig gegen die Demokratie spricht, der ist mir suspekt - um so mehr, je ernsthafter die Person und ihr Engagement erscheinen. Persönlich kenne ich Robert Grözinger aber nicht, falls du das meinst.
@Robert Grözinger:
Durch Raysons Anmerkungen und ihren Kommentar sehe ich die Sache nun ein wenig differenzierter, lehne aber weiterhin ab, was Sie schreiben. Unter ihrem eigenen Namen hätten Sie ihr Blog gern verlinken können - trotzdem danke für die Rücksichtnahme.
Comment von Karsten — 3. 4. 2006 @ 12:27
Aus irgendeinem für mich nicht nachvollziehbaren Grund scheint es für einige Benutzer Schwierigkeiten damit zu geben, hier einen Kommentar abzugeben. Wir bitten darum, über solche Vorkommnisse per Mail in Kenntnis gesetzt zu werden, insbesondere, da es sich um Fehler handelt, die eigentlich bei WordPress gar nicht entstehen können.
Ansonsten gibt es einige libertäre Wortmeldungen - teils witzig, teils beleidigend, vor allem aber informativ - beim Freiheitsforum.
Comment von Karsten — 6. 4. 2006 @ 9:52
Demokratie verstößt gegen die Menschenrechte? Wenn wir mal für eine gedankliche Sekunde annehmen, dass eine staatsfreie Gesellschaft in Europa definitiv nicht möglich wird, dann finde ich den Gedanken doch recht sympathisch, dass der Staat demokratisch verantwortet wird.
Und ich halte Demokratie für ein Menschenrecht. Im Übrigen ist ein Link eine Art Leseempfehlung. Ich kann sehr gut damit leben, dass ich die Meinung derjenigen nicht immer teile, die ich via Link für lesenswert halte, aber wenn sich dort z.B. ein antidemokratischer Blog befindet oder ein antiliberaler Hassblog, dann wird der selbstverständlich nicht verlinkt.
Sollte sich dennoch mal ein lesenswerter Artikel finden, dann gibt es den Link halt nur dafür, aber schwerlich kommt auf meine Blogroll etwas, was ich nicht für empfehenswert halte.
Also nochmal kurz:
Blogs auf Blogroll: “empfehlenswert”
Antidemokraten: “nicht empfehlenswert”
So schwer ist das doch nicht.
Comment von Dr. Dean — 13. 4. 2006 @ 19:02
@Dr. Dean:
Genau.
Comment von Karsten — 13. 4. 2006 @ 19:34
Dürotin ?
wovon träumt der Mensch ?
Traumtänzer, Selbstdarstellung ?
Kann oder will er etwas ändern ?
Nein !
Warum ?
Mit blah, blah kommt man nicht weiter !
Mit grundehrlicher Politik und den entsprechenden
Gefolgsleuten (die gibt´s allerdings nicht, weil wir zu schwach sind! Bzw. der Mensch nur auf seinen Vorteil bedacht ist (Profitgier, Lobby,Vetternwirtschaft:Richter:Politiker:Banker:Konzerne) !
So und nun mein lieber Herr Dürotin, wie wollen Sie das ändern ?
Aussenpolitik ist null gefragt, beweisen Sie Rückgrat und gehen gegen die Lobby an !
Aber ich denke mal, so haben Sie sich Ihre politische Karriere nicht vorgestellt, denn so hat man in Deutschland keine Chance (Ehrlichkeit) !
Ich bin dabei “against all odds” , denn ich habe Rückgrat !
Wenn Sie solche einfachen Dinge nicht beherzigen, sollten Sie Ihre Kommentare unterlassen!
Wie gesagt: INNENPOLITIK und kein blah, bla !
MfG
Kocki
Comment von BK — 21. 7. 2006 @ 22:56
Herr Kockmann (wer den Herrn nicht gewähren will, sollte sich auf den Vornamen verlegen, sonst wird es unhöflich), mit ihren arrogant-belehrenden Anmerkungen wurde ich jetzt schon mehrfach erfreut, und ich bin ganz ehrlich: die nerven unheimlich. Wenn sie nichts zum Thema beitragen wollen oder können, dann verschwinden sie doch einfach aus meinem virtuellen Wohnzimmer. Mir hier zu sagen, ich sollte “meine Kommentare unterlassen”, ist einfach nur unhöflich und eine Frechheit.
So, und wenn Sie mir nun stattdesssen ein wenig berichten, welche ernsthaften politischen Aktivitäten Sie derzeit verbreiten, kommt vielleicht sogar ein Gespräch zustande. Erneute Attacken finden aber ganz sicher ihren Weg richtung /dev/null.
Comment von Karsten Dürotin — 23. 7. 2006 @ 16:12
Es ist interessant wie einseitig und oberflächlich über Demokratie gesprochen wird. Es ist schockierend, wie hier das System der Demokratie als die einzig!!! richtige Staatsform angenommen wird (Indoktrination läßt grüßen). Die westliche Zivilisation, die sich so sehr mit diesem Wort schmückt, hat es fertig gebracht ein Finanzsystem (Banken) aufzubauen, was zur vollständigen Abhängigkeit der sogenannten Dritten-Welt- Länder geführt hat; erst Kolonialstaaten gründen, also >gewaltsames
Comment von André S. — 18. 9. 2006 @ 15:42