Nazis marschieren gegen Friedman
Durch bloggnjus wurde ich auf eine Veranstaltung in meiner Heimatstadt Hamm aufmerksam, bei der Michel Friedman unter dem Thema “Freiheit ist mehr als ein Wort” einen Vortrag halten wird. Bloggnjus nützt die Gelegenheit, um schnell noch einmal die üblichen Attacken gegen Friedman loszulassen - es ist leicht, den Journalisten unter der Gürtellinie zu erwischen, zu leicht eigentlich schon; das war ja auch hier bei uns schon zu sehen. Der Blogger schließt mit den Worten:
“Bezeichnend auch das man nur unter Vorlage des Personalausweises zur Veranstaltung zugelassen wird. Seltsame Sache diese Freiheit.”
Warum das so ist, lässt sich leicht erklären, Herr Bloggnjus. Es hat etwas mit den erklärten Feinden der Freiheit zu tun, die einen wie Friedman eigentlich lieber tot sehen würden. In Hamm gibt es nämlich eine kleine, aber sehr aktive Gruppe von Neonazis, die immer wieder durch Aufmärsche und genehmigte wie ungenehmigte Aktionen auffällt. Sie integriert sich mehr und mehr in die landesweit aktiven Kreise, ihr Anführer wird auch gern als Redner bei Kundgebungen in anderen Städten eingeladen. Und diese Herrschaften haben eben eine Demonstration gegen Friedman angekündigt.
Wer möchte, findet die entsprechenden Informationen mit Googles Hilfe leicht bei den “Nationalen Sozialisten” selbst. Auch Indymedia hat das Thema natürlich schon aufgegriffen, denn wie immer, so bereitet die Antifa auch diesmal wieder eigene Aktionen vor. Auf jeden Fall aber erklärt sich so die Feststellung der Personalien, bevor man in die Räumlichkeiten des Veranstalters eingelassen wird; möglichen Ruhestörern oder gar Gewalttätern wird so deutlich gemacht, dass sie nicht unerkannt davonkommen werden. Nicht ganz unvernünftig, oder?
Nachtrag: Auch Lizas Welt erwähnt die angekündigten Demonstrationen der “Kameradschaft Hamm”. Wer möchte, kann dort auch die Webadressen der nationalen Herrschaften finden.










Bloggnjus antwortet mit dem Vorwurf, wir würden Werbung für den Naziaufmarsch machen. Mein Kommentar bei ihm:
Den Vorwurf der Werbung für den Naziaufmarsch weise ich entschieden zurück - ansonsten könnte man in gleicher Weise jedem, der über eine angekündigte Aktion der Neonazis berichtet, Werbung für diese vorwerfen. Es ist ja nicht so, als hätte ich Treffpunkt und Uhrzeit für interessierte Nazis bereitgehalten, einen Link zu weiteren Informationen gab es auch nicht. Also etwas vorsichtig mit den Vorwürfen, wenn man sie im Zweifelsfall nicht halten kann.
Wenn man gesteigerte Sicherheitsmaßnahmen erwähnt, nicht aber den Grund für diese, dann macht man sich schon der Auslassung entscheidender Informationen schuldig. Und mit etwas Recherche hättest du auch von allein feststellen können, dass die rechtsextremen Kreise in Hamm mittlerweile mit schöner Regelmäßigkeit die ganze Stadt in Aufruhr versetzen - und die Redebeiträge der entsprechenden Akteure an Deutlichkeit teilweise nicht zu wünschen übrig lassen: Ihnen geht es im Zweifelsfalle nicht allein darum, Michel Friedman zu “belästigen” und zu “kritisieren”.
Die “jede Menge Leute”, denen die Freiheit weggenommen wird, sind übrigens nur die Besucher einer Veranstaltung auf privatem Gelände, die ihre Personalausweise einreichen müssen. Draußen wird allen - wie üblich - Rede- und Versammlungsfreiheit gewährt werden. Wie es in diesem Land recht und üblich ist.
Comment von Karsten — 3. 4. 2006 @ 0:13
Die Demonstration war übrigens - so weit das zu erkennen war - relativ klein. Die Hammer Neonazis fallen durch Aktivität, aber auch durch Aktionismus auf. Was uns ja nicht unrecht sein muss. Trotzdem habe ich den ganzen Tag Busse der Bereitschaftspolizei gesehen - man ist dort eben vorsichtig.
Die Rede von Michel Friedman habe ich mir leider auch nicht angehört; 15 Euro Eintritt und die abgelegene Lage waren dabei aber ein stärkeres Argument als die Abgabe meiner Personalien.
Comment von Karsten — 3. 4. 2006 @ 23:28