2. 4. 2006

Ökologische Panikmache

Der deutsche Wald stirbt nicht - so sieht es jedenfalls der freie Wissenschaftsjournalist Heinz Horeis in einem Artikel bei NOVO, auf den ich über Tomislav vom Ökologismus-Blog aufmerksam wurde. Ausführlich beschäftigt dieser sich mit der Geschichte des so genannten “Waldsterbens”, analysiert den Umgang von Politik und Wissenschaft mit einer zu erheblichen Teilen gesteuerten und instrumentalisierten Kampagne. “Beim Waldsterben haben alle schlecht abgeschnitten – Wissenschaftler ebenso wie Politiker, Medien und Umweltverbände“, zu diesem Schluss kommt Horeis angesichts heutiger Daten und Beobachtungen sowie alternativer Meinungen kritischer Forstwissenschaftler.

Sehr wundern musste man sich über die Erkenntnis nicht, denn wie auch Horeis anmerkt, hat man als Durchschnittsbürger vom angeblich massenhaft sterbenden deutschen Wald nie viel gesehen. Außerdem ist das Thema seit einiger Zeit offenbar verbrannt, das öffentliche Interesse mangels persönlicher Erfahrungen immer mehr geschrumpft. Populärer ist da längst die globale Erwärmung, mit der sich jede Art von Naturkatastrophe in Verbindung bringen lässt - das Waldsterben war einfach eine viel zu konkrete Gefahr mit einer zu einfachen Kausalität, um als Daueraufreger dienen zu können.

Äußerst lesenswert ist der NOVO-Artikel dennoch, weil er die üblichen Mechanismen ökologischer Panikmache beleuchtet, wie man sie eben auch bei der Erderwärmung, der Gentechnik und dem neuesten Thema Elektrosmog beobachten kann. Eine These ohne wissenschaftliche Akzeptanz wird durch Vergabe öffentlicher Forschungsgelder und eine intensive Medienarbeit in den Vordergrund geschoben, bis andere Meinungen kaum noch gehört werden bzw. oft pseudomoralisch diskreditiert werden können. Belege sind meist zweitrangig, die schaurigste Theorie macht oft das Rennen; verängstigte Menschen erneuern den Zyklus durch weitere Medienaufmerksamkeit und zusätzliche Forschungsgelder.

Das Schlimmste daran ist, dass so jede vernünftige Diskussion im Keim erstickt wird. Mit den tatsächlichen Vorteilen und Risiken einer neuen Technologie einerseits oder Umweltauflage andererseits kann man sich kaum auseinandersetzen, weil zwischen der ökologischen Panik und ihren Gegnern oft kein Raum für Kompromisse bleibt. Es steht zu hoffen, dass dieser mit dem Absturz der Grünen in der Politik und der sinkenden Aufmerksamkeit für Umweltthemen in der Öffentlichkeit nun wieder eröffnet werden kann.

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