7. 4. 2006

Werbung für Killerspiele?

Killerspiele müssen verboten werden, und zwar aus Gründen des Jugendschutzes, da sind sich die meisten Christ- und Sozialdemokraten vollkommen einig. Natürlich hat es nichts mit Propaganda zu tun, erst recht nichts mit einem Versuch, auf sich aufmerksam zu machen, zur Not auch mit einem völlig belanglosen und noch dazu unreflektierten Thema. Nein, es geht wirklich nur um den Schutz der Jugendlichen vor einer großen Gefahr für ihre Entwicklung.

Denn wie uns das “Leitmedium” mitzuteilen weiß, sind diese Spiele immer wieder für Gewalttaten und Massaker verantwortlich zu machen. Darum würde die BILD auch nie auf die Idee kommen, als redaktionellen Inhalt getarnte Werbung für ein indiziertes Spiel zu machen. Niemals. Im Leben nicht. Oder vielleicht doch?

Ganz abgesehen von der Unglaubwürdigkeit, die die Zeitung hier wieder einmal präsentiert, bleibt auch noch die Frage, inwieweit eigentlich das Werbeverbot für jugendgefährdende Computerspiele unterlaufen werden darf, indem man diese einfach als Bericht tarnt. Und die, welche Anzeigen für jugendfreiere Produkte Electronic Arts wohl dieser Tage bei der BILD wohl so schaltet.

3 Kommentare »

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  1. Tja, Killerspiele und ihre Folgen, ein Thema, das uns noch länger beschäftigen wird.
    Als Kinder haben wir Cowboy und Indianer gespielt. Ich war immer in der Gruppe der vermeintlich schwächeren Indianer, weil meine Eltern mir keine Pistole kaufen wollten. Also blieb mir nichts übrig, als mir einen Bogen und Pfeile dazu selber zu basteln. War ganz einfach.
    Im Spiel dann war ich im Vorteil: Ob mich jemand mit seiner Zündhütchenpistole getroffen hat, war nicht nachvollziehbar, die Erbsenpistolen schossen nur 5m weit.
    Aber meine Pfeile trafen auf ca 25 m. Bis zu dem Tag, wo ich einem Spielkameraden fast ein Auge ausgeschossen hätte. Seitdem sind Gewalt und Spiele mit Waffen ein Tabu für mich. Abgesehen von einer kurzen Phase mit dem Strategiespiel Age of Mythologie. Ich würde meinen Kindern alles mögliche an Spielen beibringen, aber nichts mit Waffen oder Killerspielen am PC.
    Besser wäre auf jeden Fall ein Kampfsportkurs. Austoben lassen, Selbstverteidigung lernen, aber auch Respekt vor dem Gegner und das Vermeiden von Konflikten wurde mir beim Taekwon-Do beigebracht.
    Das erscheint mir sinnvoller.

    Comment von Klaus Lenz — 8. 4. 2006 @ 8:50

  2. @Klaus:
    Du brauchst deinen Kindern auch gar nichts davon “beizubringen”, denn auf diese Spiele kommen sie - allein schon nach Betrachtung der Nachrichten - schon von ganz allein; und das Angebot an gewalthaltigen Computerspielen ist reichhaltiger, als man es überblicken kann.

    Fasziniert bin ich aber nach wie vor von der Auffassung, die auch du hier präsentierst: Reale Gewalt (und das ist Kampfsport nun einmal, da kannst du mir sagen, was du willst) ist gut und reagiert ab, simulierte Gewalt ist schlecht und erhöht das Gewaltpotential. Dialektische Meisterleistung.

    Comment von Karsten — 8. 4. 2006 @ 9:07

  3. Hola Karsten,
    Du redest selber von Kampfsport. Und nichts anderes ist das: ein Sport. Man misst sich mit anderen. Der eine wirft lieber Speere oder schleudert Stahlkugeln durch die Lüfte, der andere hält sich mit Judo oder Karate fit…
    De facto hört und liest man aber sehr wenig darüber, dass ausgebildete Kampfsportler ihre Kenntnisse missbrauchen.
    Ich denke, das liegt daran, dass nebenbei auch eine Philosophie vermittelt wird: Nicht alles, was man gelernt hat, muss man auch unbedingt anwenden.
    Nachdem ich meinen ersten tödlichen Schlag gelernt habe, hat mir mein Trainer eingeschärft, dass ich genau diesen Schlag eigentlich nie bräuchte, und mir anschliessend eine Serie von wirkungsvollen Befreiungs- und Haltegrigffen beigebracht. Mit denen man diesen tödlichen Schlag auch kontern kann.
    Ich habe gelernt, dass es nicht nötig ist, (im Verteidigungsfall) einen Gegner zu töten, wenn man ihn einfach kampfunfähig machen kann. Und es noch besser wäre, jedem ernsthaften Konflikt mit Aggressionen und Gewalt einfach ganz aus dem Wege zu gehen.
    Vermittelt dies auch ein Ballerspiel?
    Einschränkend könnte man noch hinzufügen, dass ich von Natur aus nie aggressiv war, sondern Wettbewerbe “Höher, schneller, weiter, stärker” eigentlich immer gemieden habe.

    Comment von Klaus Lenz — 8. 4. 2006 @ 12:32

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