10. 4. 2006

Platzeck tritt zurück

Allzu lange hat er es ja nicht ausgehalten im “schönsten Amt neben Papst”, wie sein Amtsvorgänger Franz Müntefering es formulierte: Matthias Platzeck ist als Vorsitzender der SPD zurückgetreten. Als sein Nachfolger wird Kurt Beck gehandelt, was für Anhänger einer sozialliberalen Politik sehr erfreulich sein dürfte.

Gesundheitliche Gründe sind der offizielle Grund für Platzecks Rücktritt - vor kurzem litt er noch an einer schweren Grippe, vor wenigen Tagen hat er einen Hörsturz erlitten, der ihn auch von der Teilnahme an wichtigen Spitzengesprächen der Großen Koalition abhielt. Ob es aber wirklich allein seine Gesundheit ist, die hier verantwortlich gemacht werden kann, daran darf man seine Zweifel haben. In einem kleinen Satz orakelt auch SpOn: “Ein Hörsturz gilt in der Medizin als typische Stressfolge und tritt häufiger bei Politikern und Managern auf”. Offensichtlich hat Platzeck augenblicklich eine Menge Stress, was auch mit der schwierigen Situation in der eigenen Partei zu tun haben dürfte.

Und mit Stress kann der “nette Matthias”, wie ihn Parteifreunde nennen, wohl nicht so gut umgehen - sein Körper verweigert sich, fordert eine Auszeit. Psychosomatik, kann man durchaus vermuten. Kurt Beck, der nun kommissarisch den Parteivorsitz führt, bis es zu einer Neuwahl kommt, ist da ganz anders gestrickt: Er ist ein erfahrener Kämpe, der seit vielen Jahren Ministerpräsident ist und sich auch mit Grabenkämpfen auskennt. Wie Platzeck, so ist auch Beck aber eher ein Versöhner ist als ein Despot, was beide angenehm vom Vizekanzler Müntefering abhebt. Dessen Versuche, die Partei zu seiner persönlichen Machtbasis umzustricken, wird ihm noch heute von vielen Sozialdemokraten übel genommen.

Ob Kurt Beck aber das Zeug dazu hat, die Sozialdemokraten aus dem Tief zu holen, in dem sie sich augenblicklich befinden, ist fraglich. Es ist ja auch eine übermenschliche Aufgabe, an der Müntefering und Platzeck auf sehr unterschiedliche Art und Weise gescheitert sind. Becks größter Vorteil dürfte seine solide Machtbasis sein - als Ministerpräsident kann er nach den Landtagswahlen mit absoluter Mehrheit regieren und genießt große Beliebtheit in der Bevölkerung, auch über Rheinland-Pfalz hinaus. Dass er für eine SPD steht, die sich nun auch wieder für Koalitionen mit der FDP öffnen könnte, ist ein zusätzlicher Vorteil, denn seine Partei muss raus aus der Sackgasse mit den sterbenden Bündnisgrünen. Insgesamt macht der neue Vorsitzende doch Hoffnung, dass die “Alte Tante” SPD sich von den Affären und Allüren der vergangenen Jahre wieder erholt und neu positionieren wird.

Matthias Platzeck hingegen kann man zu diesem Zeitpunkt nur gute Erholung und eine baldige Genesung wünschen. Es steht zu hoffen, dass er seinen Brandenburgern bald wieder als gesundeter Landesvater zur Verfügung steht.

Nachtrag: Gunnar Schupelius äußert sich bei Libertas Cara noch deutlicher - er sieht Platzecks Rücktritt weniger als gesundheitlich bedingt, sondern mehr als Folge parteiinterner Intrigen.

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