Wer nicht arbeitet, soll auch essen
“Zwischen 1968 und 1980 wurden in den USA im Rahmen des “War on Poverty”, des Kampfs gegen die Armut, mehrere Großexperimente mit einer “Negativen Einkommenssteuer” durchgeführt. Die Ergebnisse überraschten: Es war nämlich keineswegs der Fall, dass sich die Grundeinkommensberechtigten auf die faule Haut legten. Mit Ausnahme vor allem allein erziehender Mütter mit mehreren kleinen Kindern erhöhte sich sogar die Arbeitsmarktbeteiligung, zumindest sank sie nicht. Der Grund war einfach einzusehen: anders als bei der Sozialhilfe lohnte sich jedes zuverdiente Einkommen, die so genannte “Armutsfalle” wurde ausgehebelt.”
Aus: “Wer nicht arbeitet, soll auch essen”, Michael Opielka, Frankfurter Rundschau vom 8. März 2005
Kleine Anmerkung am Rande: Dass die Amerikaner eine etwas andere Haltung zum Krieg haben, als das hierzulande üblich ist, sieht man doch immer wieder. Ob nun “War on Terror”, “War on Drugs” oder hier der “War on Poverty” - auf der anderen Seite des Atlantiks ist man mit der Bezeichnung “Krieg” recht flott bei der Hand, wenn es um intensive, gesamtgesellschaftliche Anstrengungen geht.
Davon abgesehen, ist der verlinkte Zeitungsartikel ein weiteres recht lesenswertes Plädoyer für eine Neuorganisation der sozialen Sicherung entsprechend der Konzepte der Liberalen. Und auch das angesprochene Problem der allein erziehenden Mütter, die sich dank Grundeinkommen dem Arbeitsmarkt entziehen, ist bei näherer Betrachtung gar keins. Denn es ist ja nicht so, als liege eine Mutter von drei Kindern auf der faulen Haut - wer selbst Kinder hat oder gelegentlich welche betreut, weiß, was ich meine. Man kann sicher Kindergeld kassieren und versaufen, ohne sich um die Kinder einen Dreck zu kümmern - die Regel ist das aber nicht.
Vor allem, wenn die augenblicklichen Gedanken über eine Art “Elternführerschein” (zumindest auf freiwilliger Basis) konkreter werden sollten, wird es auch Zeit, die Arbeit als Hausfrau und Mutter auch als einen Beruf anzuerkennen - dessen Bezahlung aber ohne die Negative Einkommensteuer nur sehr schwer zu realisieren wäre.










Die Mütter leisten eigentlich sogar eine gesellschaftlich positive Arbeit, indem sie für Ihre Kinder da sind statt ständig arbeiten zu müssen. Gerade für Kinder ohne präsente Väter eine deutliche Besserung der Lebensqualität.
Comment von Paul — 10. 4. 2006 @ 18:27
Manche Leute meinen wohl, es wäre besser, wenn eine Mutter generell arbeiten geht und die Aufsicht (und Erziehung) eines Kindes einer angeheuerten Ersatzmutter überlässt. Mir und meinem Bruder hat es jedenfalls auch nicht geschadet, dass unsere Mutter “Nurhausfrau” war und somit jederzeit für uns da war.
Das ist bei der heutigen Wirtschaftspolitik wohl kaum noch möglich, dass ein Vollverdiener in der Lage ist, eine komplette Familie zu ernähren.
Ich frage mich nur, wie es dazu kommen konnte, dass die Politik in eine solche “soziale” Richtung gesteuert wurde…
Das kann ich jetzt zwar nicht belegen, aber ich würde mal davon ausgehen: wenn Das Einkommen eines Vaters ausreichen würde, dass eine Mutter sich nur um die Familie und die Kinder kümmern könnte, hätten wir vermutlich auch deutlich weniger Arbeitslose.
Und, bevor die Feministen aufschreien: Meine Frau denkt genau so, und würde sich nicht unterdrückt fühlen, wenn ihr aufgrund von Kindererziehung eine berufliche Karriere entgehen würde. Nur, leider, mein Einkommen reicht nicht ganz. Also geht sie doch mit arbeiten.
Comment von Klaus Lenz — 11. 4. 2006 @ 6:05
Das ist doch ganz einfach - wenn sich alle Mitglieder einer Gesellschaft um eine Erwerbsarbeit bemühen und ihre Arbeitskraft dem Markt zur Verfügung stellen, wird der Wert dieser Arbeitskraft bei gleichbleibendem Bedarf entsprechend sinken. Bis dann schließlich die Arbeit eines Einzelnen eben nicht mehr ausreichend werthaltig ist, um mehrere Personen davon zu ernähren.
Es sind nicht allein diejenigen das Problem, die eine Ausweitung der Beschäftigung auf vormals erwerbslose Frauen gefordert haben, die hier die Schwierigkeiten verursachen. Zum Problem wird diese Forderung erst dann, wenn sie sich mit der Wachstumsfeindlichkeit verknüpft, die aber leider in der gleichen politischen Richtung bestimmend ist.
Comment von Karsten — 11. 4. 2006 @ 12:26