27. 4. 2006

Sind Sie ein Libertärer Kommunist? Oder ein Autoritärer Kapitalist?

Abgelegt unter Karsten Dürotin, Liberales

Da steht also noch jemand mehr auf das politische Koordinatensystem als auf eine platte rechts-links-Einteilung. Der Titel des Beitrags von Martin Marheinecke ist “lechts und rinks” - wie originell. Der Text fasst zunächst das zweidimensionale Koordinatensystem und einen recht gelungenen Kurztest dazu zusammen; ich erinnere mich noch, wie wir bei Statler und Waldorf darüber diskutiert haben - der dort verwendete Test stufte mich als “Strong Democrat” ein, und damit fühlte ich mich gar nicht so unwohl.

Doch zuerst begnete mir der Begriff vom politischen “oben und unten”, als ich mich mit Emma Bonino beschäftigte, die jetzt mit ihrer radikalliberalen Bewegung als Teil der Koalitionsregierung wieder ins italienische Parlament eingezogen ist. Von ihr soll ein Spruch stammen, der sich auch auf das 2D-Koordinatensystem bezieht: “Wir sind nicht rechts, wir sind nicht links, wir sind oben!” (Achtung: Für sie sind Libertäre “Oben” und Autoritäre “Unten”). Und tatsächlich nimmt ihre Bewegung auch eine sehr ausgeglichene Position in der Wirtschaftspolitik ein und kämpft hauptsächlich für ein freieres und säkulareres Italien. Die Radicali fallen zwar aus der gewöhnlichen Politik heraus, aber sie sind definitiv weder rechts- noch linksextrem.

Und auch ich habe mich schon mehrfach gefragt, ob man dieses zwei- nicht sogar durch ein dreidimensionales System ersetzen sollte, ebenso wie Martin es vorschlägt. Sein Vorschlag für die dritte Achse wäre “Gleichheit vs. Ungleichheit”, womit ich nicht ganz einverstanden bin. Ich habe bisher die Achse “Wachstum vs. Konsolidierung” vorgeschlagen - “Grenzen des Wachstums” gegen “Fortschritt und Technik” gewissermaßen. Braucht es also vielleicht 4 Achsen? Kann man unsere beiden Gedanken zusammenfassen? Oder sind beide Kategorien vielleicht überflüssig, und man belässt es besser beim 2D-System? Gedanken dazu sind willkommen.

Nachtrag: Was ist eigentlich mit “Falke - Taube”? Mögliche Oberkategorie “Risiko” gegen “Sicherheit”? Ein spannendes Thema…

6 Kommentare »

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  1. Oben - Unten -> Gesellschaftliche Freiheit vs. Unfreiheit
    Links - Rechts -> Wirtschaftliche Unfreiheit vs. Wirtschaftliche Freiheit
    Deine letzten beiden Dimensionen wirken direkt auf die Links-Rechts-Achse, sind also überflüssig, imho

    Comment von jo@chim — 27. 4. 2006 @ 23:47

  2. Ja, zu genau diesem Schluss bin ich auch bisher immer gekommen. Wollte das nur mal zur Diskussion stellen, wenn ich auch anderswo was darüber lese.

    Comment von Karsten — 27. 4. 2006 @ 23:55

  3. Karsten, es gibt wahrscheinlich nur sehr wenige Menschen, die mit einer derartigen Präzisierung, besser gesagt Einengung ihres politischen Standpunktes einverstanden wären: Damit wären wohl nur absolut linientreue Parteigänger zufrieden.

    Um ein solches Koordinatensystem auf eine sehr grosse Zahl von Bürgern anzulegen, müsste es also eine gewisse Unschärfe behalten.

    Und sollte man nicht auch die Zeitachse in Betracht ziehen, entlang derer sich die Standpunkte irgendwo zwischen Erfahrung und Erwartung ansiedeln?

    Schluss: Eine solche Untersuchung ist wohl nur für Parteistrategen und Werbeagenturen nützlich, aber kaum für den einzelnen Bürger.

    Comment von Olaf Petersen — 28. 4. 2006 @ 6:49

  4. @Olaf:
    Redest du von einem System mit 3 und mehr Achsen, oder schon über das zweidimensionale Koordinatensystem?

    Comment von Karsten — 28. 4. 2006 @ 7:10

  5. Eins vorweg: den schrecklich “originellen” Titel habe ich genommen, weil mir partout nichts Kurzes und Treffendes einfallen wollte.
    @Olaf: zumindest mir geht mehr darum, das primitive System der “Gesäßgeographie” und des “Lagerdenkens” infrage zu stellen, als ein “neues System” zu etablieren. Je nach konkreter Fragestellung sind unterschiedliche politische Koordinatensysteme zweckmaßig, das von mir skizzierte 3-D-System stellt z. B. die mir persönlich wichtigen Werte “Freiheit” und “Gleichheit” in den Vordergrund.

    Die Achse “Wachstum vs. Konsolidierung” markiert meines Erachtens tatsächlich eine der großen “politischen Bruchlinien” - die übrigens quer durch die politischen Parteien und herkömmlichen “Lager” und “Flügel” verläuft.
    Wobei ich weniger Wert auf den klassischen Wachstumsbegriff, als den Unterschied zwischen einem “statischen Weltbild” und einem “dynamischen Weltbild” legen würde. (Überraschend viele “Revolutionäre” sind übrigens “Statiker”, die meisten “Utopisten” sowieso.)

    Comment von MartinM — 28. 4. 2006 @ 8:16

  6. Liberal II

    Mal wieder ein Politiktest: Ich hab mich beim Political Compass gerade noch in das Feld “Right and Libertarian” retten können. Damit bin ich gesellschaftlich liberaler als die FDP (und auf einer Höhe mit der PDS und den Grünen), setze mi…

    Trackback von Libertas Cara — 28. 4. 2006 @ 13:45

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