Fukuyama vs. Huntington
Für alle Freunde längerer Blogtexte kann ich “Hegels Vollstrecker” bei Apocalypso nur empfehlen. Alan Posener gibt einige Gedanken zur geschichtsphilosophischen Debatte zwischen den Anhängern Francis Fukuyamas und jenen, die eher Samuel Huntington zuneigen, zum Besten. Er führt Fukuyamas “Ende der Geschichte” auf Hegel und Schiller zurück - dieser stelle die moderne Variante des Historizismus dar. Huntington hingegen vertritt mit dem “Kampf der Kulturen” die klassische konservative Interpretation der Geschichtsphilosophie; Posener vergleicht das Denken der deutschen Huntington-Anhänger mit der Stimmung während der napoleonischen Besatzung im frühen 19. Jahrhundert.
Zwar bin ich von seiner Argumentation für ein teleologisches Geschichtsverständnis nicht völlig überzeugt, sie liefert aber durchaus wertvolle und bedenkenswerte Hinweise. Gut lesbar!










Als Deutsche sollten wir von Geschichtsdeterminismus gründlich die Nase voll haben, ob nun von marxistischer Seite, oder von Spengler, Sombart oder irgendwelchen Wilheministen. Insofern fand ich Huntington schon immer uninteressant. Fukayama ist intererssant wegen seinem Wandel (Wandel ist ja oft interssanter als Statik), und wegen der Argumente, die er anführt.
Das das dann von ehemaligen Neocon-Bündnisgenossen abgewehrt wird: Wen überrascht das? Ich bin mir ohnehin nicht sicher, ob diese im Wesentlichen amerikanische Debatte so dermaßen der Knüller ist.
Comment von Dr. Dean — 7. 5. 2006 @ 22:44
Hm. Nach Alan Poseners Verständnis und Argumentation ist es aber eher Fukuyama, der ein deterministisches Weltbild hat; er vertritt den Glauben an ein “Ziel der Geschichte”, während Huntington dies nicht tut.
Ich habe den “Kampf der Kulturen” nicht gelesen, aber nach allem, was ich darüber weiß, sind beide Bücher und Autoren historizistisch geprägt. Der eine predigt den Frieden als Ziel, der andere den Krieg als Weg.
Comment von Karsten — 8. 5. 2006 @ 8:48
Hegel zwingt immer, …
… zur Vereinfachung - trotz der Komplexität seines Systems. Heutiger Beleg für den Hegelianismus als großem Vereinfacher: Alan Posener (via Liberale Stimme), eigentlich ja origineller und wendiger Kopf, immer für gute Pointen gut. Daß jedoch jeg…
Trackback von Metalust & Subdiskurse — 8. 5. 2006 @ 9:26
Ich habe Huntingtons “Kampf der Kulturen” gelesen (und fand es, nebenbei gesagt, wenig anregend und nicht sehr überzeugend) - er “predigt” nicht den Krieg als Weg, er sieht ihn als schwer zu vermeidende Folge der von ihm konstatierten kulturellen Antagonismen.
Comment von Boche — 8. 5. 2006 @ 13:33
Konstatierte Unvermeidbarkeiten erzeugen bei mir immer das Gefühl einer Predigt. Wo es keine Alternativen mehr geben darf, wo ein fester Weg vorgezeichnet wird, da wird mir unwohl.
Comment von Karsten — 9. 5. 2006 @ 14:10
“Wo es keine Alternativen mehr geben darf, wo ein fester Weg vorgezeichnet wird, da wird mir unwohl.”
Na ja. Huntington macht ja auch nichts anderes, als eine Hypothese aufzustellen. Das ist in der Wissenschaft eigentlich üblich. Er nimmt die Gegebenheiten und folgert daraus, dass dies und jenes passiert, weil dem Geschehen seiner Ansicht nach diese und jene Logik zu Grunde liegt.
Ich finde das nicht anrüchig und Unwohlsein sollte das auch nicht verursachen müssen.
Ob man die Hypthese für schlüssig hält, ist ja eine andere Frage.
Comment von Boche — 9. 5. 2006 @ 14:21
Anrüchig? Nein, wohl nicht. Das mit der wissenschaftlichen Methodik verstehe ich - aber ich glaube einfach nicht daran, dass der Lauf der Geschichte so einfach prognostizierbar ist. Davon abgesehen gefällt mir die Prognose auch nicht. *räusper*
Comment von Karsten — 10. 5. 2006 @ 8:41
Bin ganz deiner Meinung.
Comment von Boche — 10. 5. 2006 @ 10:36