Sommerloch
Jedes Jahr das gleiche Spiel - das Sommerloch naht, und schon gelangt die Diskussion um einheitliche Schuluniformen wieder ins Licht der Öffentlichkeit. In diesem Jahr war es Brigitte Zypries, die die übliche Auseinandersetzung mit den üblichen Argumenten angeworfen hat; und wie immer hat sich praktisch die gesamte politische Landschaft (ebenfalls mit den üblichen Argumenten) eingebracht. Gut, die beiden Bonner Mädchen, die vollverschleiert zur Schule kommen wollten, gaben etwas neue Würze hinzu, doch auch diese kann eine uralte Suppe kaum bekömmlicher machen. Vor allem deswegen nicht, weil die Schulverwaltung in Bonn gezeigt hat, dass man diesem Ansinnen auch ohne Schuluniformen und ohne neue Gesetze Herr werden kann - einfach nur durch den Verweis auf praktische, kommunikative Gründe, die gegen eine vollständige Verschleierung sprechen.
Der Abschluss der Diskussion lief dann auch wie erwartet. Edmund Stoiber fasste die Haltung der Union so zusammen: Man sein zwar sehr offen für die Einführung von Schuluniformen, eine gesetzliche Regelung aber lehne man ab. Warum sich dann die Politik lang und breit mit dem Thema befassen sollte, bleibt aber im Unklaren - sinnvoll angesiedelt ist die Diskussion bei den einzelnen Schulen, mit Schülern, Lehrern und Eltern. Denn auch heute ist es ja ohne Schwierigkeiten möglich, eine Schuluniform einzuführen, wenn die Beteiligten das möchten, und es wird auch an einer ganzen Reihe von Schulen bereits praktiziert. Ganz ohne die Politik, auf rein freiwilliger Basis.
Fürs Protokoll: Ich bin gegen (verpflichtende) Schuluniformen, weil ich jegliche Art von Zwangsuniformierung ablehne. Den Gedanken, Schulkleidung zur Verfügung zu stellen, halte ich hingegen gar nicht für so schlecht - auch an Universitäten ist es ja längst üblich geworden, die eigene Identifikation mit der Hochschule durch Kleidung mit Uni-Logo auszudrücken. Warum also nicht auch an der Schule? Nur den Glauben, man könne das Problem der Statuskämpfe von Jugendlichen (Stichwort “Markenklamotten”) aus der Welt schaffen, den halte ich für naiv. Erstens suchen sich die Kids dann andere Statussymbole (oder fallen wieder über die Dicken her), zweitens tragen sie nachmittags immer noch Markenkleidung (und haben das morgens in der Schule wohl nicht wieder vergessen), drittens wird das Leben für diejenigen, die an ihrer Schuluniform als Haupt- oder Sonderschüler zu indentifizieren sind, sicher nicht leichter.
Weiteres Lesefutter bieten Volker Schmidt und FreiRaum beim FR-Blog.










Wenn es dezentral und demokratisch passiert, dann kann eine Schule oder ein Chor gerne eine Uniform beschließen.
Aber Achtung: Hier werden Rechte von Individuen berührt - die sind nicht so ohne Weiteres durch demokratische Abstimmungen disponibel. Eine Schule ist kein Chor, nicht so einfach für das Individuuem wechselbar, demnach lastet der auf Basis des Uniformbeschlusses wirkende Zwang auf das Individuum stärker.
Ich gebe auch zu bedenken:
Aus gesamtgesellschaftlichen und liberalen Interesse heraus sollten wir eher für Individualität eintreten und nicht für Uniformierung.
Schüler sollen lernen, mit ihrer Individualtät umzugehen. Wenn man schon Schuluniformen beschließt, dann sollte man daher m.E. immer mehrere uniformfreie Tage pro Woche mitbeschließen. Oder, wenn man der “gemeinsamen Identität” wegen schon unbedingt etwas Gemeinsames wünscht, dann uniformiert man nicht alles !!), sondern z.B. nur das Hemd, oder alternativ nur Hose/Rock. Das sollte für die angesprochenen Zwecke ausreichen - und zugleich Raum für Individualität belassen.
Zu einer freien Gesellschaft gehört nämlich auch individuelle Kleidung.
Es gibt noch einen weiteren Grund, der mir durch den Kopf geht, nämlich spezifisch deutsche Erfahrungen mit Uniformlierungen. Die uniformierten Studentenschaften stellen z.B. in Bezug auf die Universitäten eine sehr böse Geschichte dar.
Überhaupt ist es für eine Gesellschaft aus Sicht eines Liberalen immer ein schlechtes Zeichen, wenn sich Uniformierungen ausbreiten.
Wo der Raum für das Individuum verringert wird, dort vermindert sich die Freiheit.
Comment von Dr. Dean — 11. 5. 2006 @ 18:03