Juden unerwünscht?
Aus der FDP hört man ja immer mal wieder Zitate in Bezug auf Ausländer und Andersgläubige, die nachdenklich stimmen. Dass aber der gesamte Vorstand eines Ortsverbandes in Berlin sich eines recht aktiven Antisemitismus schuldig macht, wie ein Artikel auf der Website der Synagoge Reinickendorf berichtet, wäre bisher ein einzigartiger Fall. Da ich nicht mehr in der FDP bin und auch nicht in Berlin lebe, kann ich diese Vorwürfe nicht beurteilen - vielleicht weiß der eine oder andere Leser da mehr zu berichten und/oder klarzustellen?
Ich stimme aber Phillip Rütz (Initiative “Starke FDP”) zu, der im dortigen Kommentarbereich darauf hinweist, dass die FDP als Ganzes sicherlich keine antisemitische Partei ist. Das lässt sich auch durch Zitate aus dem (durchaus recht schrägen) FDP-Forum nicht belegen. Trotzdem tut Wachsamkeit not.










Oje, die Reinickendorfer FDP!
Grundsätzlich muss man aber zunächst sagen, dass die aktive Mitarbeit in Parteien oftmals zu Reibereien führt, welche hinterher dann - aus Betroffenenperspektive - auf sehr spezifische Weise gewertet werden.
Wer z.B. in einem typisch hinterwäldlerischen SPD-Ortsverein aktiv ist (teils sichtbar auch am Personal von SPD-”Infoständen”) wird oftmals sicherlich auf die parteitypischen Beamten stoßen.
Die - zwangsläufige - frustrierende Erfahrung des Neulings kann dann lauten: “Sie mögen keine aktiven Unternehmer” oder “Sie mögen keine aktiven Frauen” oder “Sie mögen keine jungen Studenten” usw. usf.
Wenn beste Absichten auf eine Partei stoßen, dann endt das oftmals übel.
Und dass es in der FDP, höchst vereinzelt, auch antisemitische Spinner gibt: Tja, das ist nun einmal so. Wie gesagt: Und höchst selten.
Dereinst die olle Möllemaus
sprang eifrig aus nem Flugzeug raus.
Man kann sich auch einen anderen Reim machen, aber man muss konstatieren, dass dass der Schwung des Neulings, der Beharrungswillen des “Estabslishments”, schwere Berühungsängste auf beiden Seiten, womöglich auc das Nahost-Thema für Missverständnisse und vermuteten Antisemitismus breiten Raum geben.
Wenn dann noch ein einzelner richtiger Antisemit in dem Reinickendorfer Haufen unterwegs ist, dann fürht das nicht nur einen unguten Eindruck, sondern womöglich sogar dazu, dss viele oder sogar alle Schwierigkeiten auf “Antisemitismus” zurückgeführt werden.
Menschlich verständlich. Im Übrigen will ich nicht ausschließen, dass es in der FDP eine Vielzahl von Ausländer- und Migrantenfeinden gibt, so, wie das auch z.B. in der CDU oder SPD der Fall ist.
Meistens ist das anders, aber in Reinickendorf…
Comment von Dr. Dean — 16. 5. 2006 @ 15:10
Nein, die FDP ist keine antisemitische Partei. Was sie allerdings schon seit langem - spätestens seit dem “Umfall” anno 1982 - auszeichnet, ist ein oft karrikierter Opportunismus. Opportunismus schlägt in der Politik schnell mal in hemmungslosen Populismus um, vor allem, wenn man jeder Wählerstimme braucht (und das braucht die FDP eigentlich immer).
Wohin diese Haltung führen kann, führte Jürgen W. Möllemann exemplarisch vor. Und der Reinickendorfer Ortsverein weiter ….
Comment von MartinM — 16. 5. 2006 @ 21:28
Möllemanns Wortwahl und - damit verbunden - sein Projekt einer “liberalen Volkspartei” war kein Zufall. Bei antisemitischen Ausfällen spitzt der Kleinbürger immer angenehm erregt die Lauscher. Schon nach dem zweiten Weltkrieg unter Erich Mende war die Partei ein rechtsnationales Sammelbecken gescheiterter toitscher Recken.
Andererseits war auch Ignaz Bubis, wenn ich mich recht entsinne, als Vorsitzender des Zentralrats der Juden ein veritables FDP-Mitglied.
Fazit: Diese rechte Tradition ist latent vorhanden, Geldhaben schützt vor Antisemitismus nicht, es ist aber heute und zur Zeit keine dominante Strömung mehr.
Comment von Chat Atkins — 17. 5. 2006 @ 17:25