16. 5. 2006

Grüße nach Düsseldorf

In diesen Minuten findet eine studentische Kundgebung vor dem Landtag statt, mit der gegen die Einführung von Studiengebühren in NRW demonstriert wird. Eigentlich wollte ich auch dort sein, aber nachdem mir gestern zwei Weisheitszähne gezogen wurden und die Wunde immer noch etwas blutet, habe ich auf diese Anstrengung lieber verzichtet. Was ich dort gern sagen wollte, schreibe ich daher hier.

Noch vor drei oder vier Jahren hätte ich jeden Gedanken an Studiengebühren für Unsinn gehalten, für eine Frechheit und für eine große Ungerechtigkeit. Doch dann habe ich eine Argumentation pro Gebühren gehört, die ich für mich bis heute nicht wiederlegen konnte, auch wenn ich mich nach wie vor unwohl dabei fühle:

Warum sollte eine Krankenschwester mit ihren Steuergeldern die Ausbildung ihres zukünftigen Chefarztes mitfinanzieren? Warum sollte dieser auf Kosten aller ein Studium absolvieren können, das ihm später erhebliche finanzielle Vorteile bietet?

Denkt man über dieses Thema nach, sind Studiengebühren möglicherweise doch eine moralisch richtige Entscheidung. Gegenargumente lassen sich leicht finden - manch einer studiert vielleicht nicht gerade Medizin, sondern Skandinavistik, und hat damit keine so großen finanziellen Vorteile. Ein anderer schließt sein Medizinstudium zwar ab, es gelingt ihm aber niemals, eine hochbezahlte Stelle zu finden. Von der Tatsache abgesehen, dass die Gebühren bereits im Voraus finanzschwache Studenten stärker abschrecken als jene aus finanzstarkem Milieu, sind dies die besten Argumente gegen Studiengebühren.

Und an dieser Stelle kommt wieder einmal das Konzept der “Nachgelagerten Studiengebühren” ins Spiel, wie es hier ja auch schon von Eric Salbert dargelegt wurde. Diese belasten gezielt diejenigen, die von ihrem Studium in erheblichem Maße finanziell profitieren, bauen aber keine Schwelle für finanzschwächere Studenten auf. In den meisten Ländern gibt es ein solches System auf Freiwilligkeit - die Alumnis amerikanischer Universitäten haben eine moralische Verpflichtung, bei großem beruflichem und finanziellem Erfolg ihren Universitäten Wohltaten zukommen zu lassen. Ein solches freiwilliges System wäre sicher zu bevorzugen - aber auch als staatliches Gebührensystem wäre es gut zu rechtfertigen und würde sicher breite Akzeptanz finden.

Im Gegensatz zum derzeitigen System, das die soziale Auswahl an Universitäten erhöht und dafür sorgt, dass Studenten aus kleinen Verhältnissen zukünftig schon mit einem erheblichen Schuldenberg in das Berufsleben starten. Vom Einzelfall abgesehen, führen die vorgelagerten Studiengebühren auch zu einer schlechteren Ausnutzung des gesellschaftlichen Potenzials - viele, die eigentlich sehr gut für ein Studium geeignet sind, werden nun abgeschreckt werden und für einen akademischen Abschluss verloren gehen. Selektiert nicht auf der Basis der Leistungsfähigkeit, sondern auf der des finanziellen Hintergrundes. Das ist nicht nur moralisch falsch, sondern auch dumm.

13 Kommentare »

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  1. Habe auch keine richtige Antwort auf die Frage, eigentlich noch mehr Fragen. Was ist dann, wenn man für eine Studiengebühr ist, mit einer Lehrstellengebühr? Sollte dieses Regularium nicht für alle eingeführt werden? Letztlich ist ein Studium eine Berufsausbildung, wie eine Lehre auch, dann sollte man dafür auch Gebühren erheben, gleiche Pflichten für alle, oder aber es lassen!

    Comment von nickpol — 16. 5. 2006 @ 12:18

  2. Die Lehrstellen werden überwiegend nicht vom Staat auf Kosten der Steuerzahler bereitgestellt, sondern von Privatunternehmen. Und es besteht ja eine unmittelbare Gegenleistung - der Auszubildende arbeitet für seinen Lehrherren, während der Student ausschließlich studiert. Allenfalls würde es Sinn machen, Gebühren für die Berufsschule zu erheben…

    Comment von Karsten — 16. 5. 2006 @ 12:26

  3. Ein Gebührensystem welcher Art würde auch die “Mal schauen was ich studiere”-Studenten abschrecken. Es gibt genug junge Mensche, die nicht wissen was sie machen sollen und erstmal was studieren.

    Gebühren zwingen dazu sich besser mit dem Studium auseinanderzusetzen und die Beratungsangebote zu nutzen. Unis würden Studenten vielleicht besser auswählen um einen Erfolg sicherzustellen. Denn nur erfolgreiche Studenten bringen nachher Gelder ein.

    Ich finde so ein nachgelagertes System gar nicht mal schlecht. Es führt zu einem wirtschaftlicherem Umgang mit der Ressource Bildung.

    Comment von Paul — 16. 5. 2006 @ 13:12

  4. Noch absurder wird der Protest durch andere Fakten. So heißt es immer, die Kinderchen aus sozial schwachen Familien würden mit Gebühren vom Studium ausgeschlossen. Das Gegenteil ist richtig: Die Zahl der Studenten aus Arbeiterfamilien sinkt und sinkt und sinkt. Und zwar jetzt - wo noch keine Studiengebühren existieren. Die Freiheit von Studiengebühren ist also nichts weiter als ein Förderprogramm für den Nachwuchs unserer derzeitigen Funktionseliten. Vor allem dann, wenn man das geplante Darlehenssystem mit Stipendien für Kinder aus benachteiligten Familien koppeln würde.

    MfG

    Comment von Chat Atkins — 16. 5. 2006 @ 13:26

  5. Dass die Zahl der Studienabsolventen aus sozial schwachen Schichten *trotz* des gebührenfreien Studiums sinkt, ist kein Beleg dafür, dass sie mit der Einführung von Studiengebühren steigen würde. Eigentlich zeigst du nicht mal eine logische Begründung für diese Theorie auf. “Das Gegenteil ist richtig” ist nur eine dahingeworfene Behauptung ohne jegliche faktische oder logische Untermauerung - die Gründe für mangelnden Bildungserfolg unterer Schichten müssten allerdings tatsächlich erkundet werden.

    Und Stipendien sind leider nicht vorgesehen.

    Comment von Karsten — 16. 5. 2006 @ 13:33

  6. Ich halte Studiengebühren, egal mit welchem Modell, erstens für Etatismus (also: eine bürokratische Aufblähung), zweitens für einen Bruch des Gesellschaftsvertrags.

    Genauso gut könnte man “Gymnasialgebühren” (natürlich: nachgelagert!) fordern, oder Berufsschulgebühren (z.B. nur 1.500 Euro pro Semester!).Warum soll die Putzfrau den Wohlstand der privilegierten Bildungskonsumenten finanzieren?

    Andererseits: Studiengebühren führen dazu, dass die “Erfolgreichen und Leistungsbereiten” bevorzugt sich für das Studium entscheiden.

    Habe ich mal gehört..

    …wirklich!

    Der Name des “Bildungsforschers” ist mir entfallen, aber er meinte zu mir im Gespräch, dass er kein Problem habe, seinen beiden Kindern die Studiengebühren zu finanzieren.

    Das hat mich überzeugt.

    Während die soziale Wirkung in der Praxis also völlig klar ist (und theoretisch schön geredet werden kann - was für ein Spaß!), ist mir unklar, warum jeder Studiengang die gleiche Gebühr haben soll.

    Außerdem: Wenn schon Gebühren, dann richtig! So, wie es der “Botschafter” der INSM fordert, mehrere tausend Euro pro Semester.

    Keine Widerrede!

    Ein Viertel schwanger geht ja auch nicht. Sinnlos. Will man finanziellen Engpass an den Universitäten überwinden, muss man einfach gründlicher hinlangen.

    Und solange diese Hayek-Ideologie herrscht, wird man nicht etwa gucken, dass man Studiengänge sinnvoll reformiert dn für Bildung der notwendige Betrag zur Verfügung gestellt wird, sondern wir marschieren in den Klassenkampf von oben.

    Wir sind bereits mitten dabei.

    Comment von Dr. Dean — 16. 5. 2006 @ 15:28

  7. Nochmals zurück zur oft bemühten Krankenschwester (ich persönlich kämpfe mit den Tränen der Rührung, dass mal wieder an die Krankenschwestern gedacht wird):

    Die Kinder der Krankenschwester werden voraussichtlich nicht studieren!!, auch (!) dank angeblich gerechter Studiengebühren.

    Supersache, das. Soziale Unterschichten meiden nämlich finanzielle Risiken und Verschuldung stärker (warum, ist mir allerdings total unklar), als es Bildungsforscher prognostizieren. Auch könnte man behaupten, dass die Förderantrags- und Überprüfungsbürokratie nicht nur langfristig teuer ist, und einen Teil der Gebhreneinnahmen auffrisst, sondern auch voraussichtlich lästig für diejenigen, welche studieren wollen.

    NIcht aber für Kinder aus wirklich gutem Elternhaus. Denen kann das herzlich egal sein. Damit sie unter sich bleiben, sind Studiengebühren geradezu ideal. Und wirken!

    Miegel, Sinn, Peffekoven und der ganzen (von Staatgeldern finanzierten) Ideologie-Brigade der deutschen Wirtschaftswissenschaft kann die Krankenschwester dafür danken. Auch dafür, dass sie als Beispiel herhalten darf, um sich von ebenjenen Klassenkämpfern an anderer Stelle bitteschön ihre “zu hohen” Löhne vorhalten zu lassen.

    Wegen 18 Minuten streiken? Pfft! Die spinnt doch, die Krankenschwester, oder?

    Comment von Dr. Dean — 16. 5. 2006 @ 15:37

  8. Nunja, meiner Meinung nach zeigt das Beispiel von den in nur geringer Zahl studierenden Arbeiterkindern ein ganz anderes Problem auf - nämlich das der Bildungsferne einiger sozialer Schichten in diesem Land, und der frühen Selektion, im Alter von 10 (zehn!) Jahren.

    Es mag zwar sein, dass der Bildungsweg in gewisser Weise durchlässig ist, dass man also innerhalb der Schulformen aufsteigen und letztendlich sogar studieren kann (habe ich genau so gemacht, ebenso wie mein Freund), aber dies ist er in viel zu geringer Weise. Praktisch erlebt habe ich in meiner Schulzeit eher das Gegenteil, also dass Leute vom Gymnasium über unsere Real- auf die Haupt- oder Gesamtschule “durchgereicht” wurden.

    Zum Thema Studiengebühren (ich musste als einer der letzten Studenten keine zahlen) geht es mir genauso wie Karsten. Früher war ich auch total dagegen, aber heute sind Studiengebühren, meiner Meinung nach, an sich nicht falsch. Wer eine gute Ausbildung bekommen hat UND gut verdient, kann auch - im Nachhinein - seinem Campus über Alumni-Programme etwas zurück geben. Ich bin bereit.

    Ebenso halte ich es aber für falsch, durch - vorgelagerte - Studiengebühren von vornherein eine “Selektion” herbeizuführen, die bewirkt, dass sich Studenten aus einem armen Elternhaus einer Art “existenziellem russischen Roulette” stellen müssen. Das kann sich unser Land im Übrigen auch gar nicht leisten: spätestens in 20 Jahren wird hier ein gravierender Fachkräftemangel herrschen, und dann heult man, dass man das Potenzial einer ganzen Generation so unzureichend genutzt hat…

    Comment von Biènne Majá — 16. 5. 2006 @ 17:17

  9. Gerade in unsicheren Zeiten wächst in Arbeiterhaushalten die Aversion gegen “die Studierten”, die “uns” das alles eingebrockt haben. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

    Studiengebühren - verbunden mit einem erst im Erfolgsfall ( = späteres Anstellungsverhältnis) rückzahlbaren Darlehen, unabhängig vom Elterneinkommen - würden aber gerade Arbeiterkindern die Gelegenheit geben, sich selbstbestimmt für ein Studium zu entscheiden und dem Familiendruck, “lieber etwas Vernünftiges” zu lernen, zu widerstehen. Heute ist es doch oft gerade das “Sich-Ausziehen-Müssen” der Eltern beim BaföG-Antrag, das vielfach ein Studium verhindert. Dort sind die Fördergrenzen bisher so bemessen, dass auch mancher Arbeiter für Sohnemann oder Töchterchen studienfalls zahlen müsste. Dann soll der Junge eben doch lieber Tischler lernen.

    Ganz abgesehen davon - ob Tischler, Bankkauffrau oder studierter BWLer - zum “Prekariat” gehört man in der schönen neuen Arbeitswelt später so oder so. Man ist als “Studierter” nur nicht mehr ganz so doof …

    Wenn sozial indizierte Stipendien “bisher” nicht vorgesehen sind, dann wäre es vielleicht richtig, sie zu fordern, statt in einem ebenso konservativen wie unfruchtbaren generellen Widerstand und politisch in impotenter Duldungsstarre dem unweigerlich Kommenden gegenüber zu verharren

    MfG

    Comment von Chat Atkins — 16. 5. 2006 @ 18:45

  10. @Chat Atkins
    Du meinst also, weil schon bislang die Last der Studienfinanzeirung einfachere Arbeiter- und Angestelltenfamilien davon abhält, die Kinder studieren zu lassen, soll man einfach Studiengebühren

    zusätzlich

    einführen? Und dann ein superduper höchstbürokratisches Modell ausdenken, welches genau prüft und wiegt, wer wann wievel unter welchen Bedingungen mit welchen Nachweisen und mit welcher Studiendauer und welcher Fächerwahl

    a) studieren darf
    b) rürckbezahlen darf.

    ???

    Okay: Das ist Fortschritt.

    “Konservatismus” sieht im Vergleich zur Bürokratie, die Du vorschlägst, schon ziemlich alt aus. Wo kämen wir hin, wenn ein vernüftiges Bildungwesen einfach zu den Staatsaufgaben gerechnet würde?

    Wohin mit den Beamten, welche Anträge prüfen?

    Wohin mit den dann arbeitslosen Bänkern, welche Biildungs-Kredite (sehr fortschrittlich !!) bewilligen?

    Wohin mit den Beamten, welche Missbrauchsformen bei den Bildungskrediten bekämpfen und z.B. Leistungsnachweise nebst Bedürfigkeitsnachweise verlangen, und jedes Jahr erneut vorlegen lassen, in alle Ewigkeit bis zur Rückzahlung, dafür, dass dem fortschritllichen und höchst modernen Bildungskredit eine staatliche Bürgschaft beigesellt wird? Wohin mit all den Leuten?

    Und wo bleibt der Spaß der betroffenen Studenten und ihrer Familien, welche mit dem bürokratischen Hürdenlauf zu tun bekommen?

    Tjä.

    Und wenn wir dann zusätzlich Stipendien (etwa 5% mehr als bisher, vermute ich - und auch hier mit toller Überprüfungsbürokratie) bewilligen, dann geht allerdings wiederum der Vorteil flöten…

    (nämlich: a) Studiengebühren kassieren b) Studiengebühren PLUS Lebenshaltung via Stipendium finanzieren und c) (nachgelagert!) Ein ganzes Leben lang prüfen, inwieweit der BEGÜNSTIGTE etwas zurückzuhahlen hat, und wieviel genau)

    Okay, für die beteiligten Banken ist das super.

    Und für die unzähligen Beamten auch okay. Sicherer Job und so. Eigentlich wären ein paar Lehrer- und Hochschullehre stellen sinnvoller als Heerscharen von Beamten zur Überprüfung von Bewilligungen und Überprüfung, ob den Vorschriften zur ordnungsgemäßen Durchführung eines Studiums genügt wird (usw. usf.)

    …wo liegt jetzt abgesehen vom gigantischen Bürokrati-Beschäftigungsprogramm und gesicherten Kreditgeschäften der Banken der konkrete Vorteil für die Gesellschaft?

    Comment von Dr. Dean — 16. 5. 2006 @ 19:42

  11. Darin, dass mehr Menschen effektiver studieren werden. Dass auch wieder mehr Arbeiterkinder studieren werden. Dass die Universitäten größeren finanziellen Handlungsspielraum haben. Und in noch einigem mehr.

    Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass jemand, der nach dem Studium überdurchschnittlich verdienen wird, das wieder zurückzahlt, was ihm diesen überdurchschnittlichen Verdienst erst ermöglich hat. Mit Steuergeldern - wie heute - vor allem Zahnarztsöhnchen, Rechtsanwaltstöchterchen oder Studienratskindern die akademische Ausbildung zu finanzieren - davon halte ich jedenfalls überhaupt nichts. Von mir aus kann man auch jedem armen Arbeiter- oder Migrantenkind, das studieren will, die Studiengebühren komplett, aber dafür individuell erlassen. Das wäre wirklich sozial. Bloß die folgenden Klagen der zurückgesetzten Bourgeois-Eltern wegen negativer Diskriminierung, die kann ich mir schon vorstellen. Denn wesentlich Gleiches muss wesentlich gleich behandelt werden - das ist unser oberster Rechtsgrundsatz.

    Ob das alles unbedingt über private Banken gelöst werden muss - oder nicht besser über eine staatliche Kreditbank? Ja, Herrgott - wir haben halt immer eine starke CDU, die dort mitmischen wird. Die sind halt immer mehr fürs Private. Das ist leider so, die Leute wählen unverdrossen Koch und Stoiber. Idealitäten darf man daher in der Politik nicht erwarten, nur Realitäten. Und Menschenwerk.

    Klar ist jedenfalls, dass Studiengebühren kommen werden - und dass wir sie dann am besten in dieser pragmatischen Erkenntnis von vornherein so ausgestalten, dass sie die beste Wirkung erzielen, auch und obwohl die CDU darüber mitbestimmen darf. Wer glaubt, dass er Studiengebühren noch verhindern kann, der ist in meinen Augen ein Phantast. Gestern war gestern.

    MfG

    Dr. Dean schrieb: “Worin liegt der konkrete Vorteil für die Gesellschaft?”

    Apropos, welche Bürokratie? Leistungsnachweise, bürokratische Kontrollen und anderen Tüddelüt fordert und fördert doch wohl eher das bestehende BaföG-System. Und wer ist eigentlich “die Gesellschaft”, von der Sie reden? Bloß so ein akademisches Abstraktum? Oder eher jene Gemeinschaft der Steuerzahler, die gefälligst weiterhin ein leistungsarmes und unbegrenztes Umsonststudium bezahlen soll? Mit scheint, Sie lehnen etwas nur darum ab, weil Beamte und/oder Banken daran beteiligt sein könnten.

    Comment von Chat Atkins — 16. 5. 2006 @ 20:21

  12. @Chat Atkins
    Dass Menschen effizienter studieren, wenn man Studiengebühren draufsattelt, halte ich für einen Mythos. Kein Mythos ist aber, dass ein progressives Steuersystem eben das Gerechtigkeitsproblem auffängt, was angeblich für die Errichtung einer nach- und vorgelagerten Bürokratur namens “Studiengebühren” spricht.

    Es ist sogar höchst merkwürdig:

    Die gleichen Liberalen, welche einen progressiven Steuerverlauf als bösartigen und bekämpfenswerten Verstoß gegen Wasauchimmer empfinden, jubeln über eine nachgelagerte, “sozial gerechte” Gebühren und darüber, dass man endlich Heerscharen von prüfenden Beamten und Bänkern (für “Bildungskredite”) beschäftigen kann.

    Sehr seltsam, oder?

    Und die Frage ist noch nicht beantwortet: Warum keine Gymnasialgebühren? Ein Gymnasiumsplatz kostet dem Steuerzahler pro Jahr mindestens 5.000,- Euro. Zum Vergleich: Ein BWL-Studienplatz kostet nur ca. 1.800,- Euro pro Jahr. Der Gymnasiumsplatz muss also wegen der Gerechtigkeit eher etwas teurrer sein, oder?

    Warum sollte das die Putzfrau anderen Leuten ihre Privilegien mit ihren Steuern finanzieren?

    Gleiche Argumentation.

    Wir benötigten demnach hohe Gymnasialgebühren (mindestens 500,- Euro pro Halbjahr) und eine Bürokratie, welche alles Mögliche prüft und kontrolliert. Und dann benötigen wir Gymnasialkredite. Und Bürgschaften. Usw. usf.

    Warum denn nicht?

    Ich persönlich halte Steuerprogression für die weitaus bessere Idee. Aber gut, damit stehe ich völlig allein. Vermutlich ist meine Idee absurd.

    Bestimmt kann das z.B. der Wissenschaftler Herr “Statler” erklären, warum Studiengebühren (nebst allem, was dran hängt) total super sind, Steuerprogression hingegen Teufelswerk, und zu Gymnasialgebühren (plus: Gynmasialkrediten) fällt ihm bestimmt auch etwas tolles ein.

    Verteidigen Sie bitte verteidigen die bizarre Ideenwelt des “prowestlichen” Kollektivs!

    Für Studiengebühren! Für die Freiheit!

    P.S.
    Sorry, aber: Ich könnte garnicht so viel essen, wie ich über den angeblich “effizienten” Gängelungsetatismus der Rechtsliberalen kotzen möchte, ob nun im Fall Studiengebühren oder woanders.

    Comment von Dr. Dean — 18. 5. 2006 @ 14:22

  13. Unis (und auch andere Schulen) sollten lieber gleich in das Eigentum der Mitarbeiter überführt werden.

    Das hat gleich mehrere positive Effekte:
    - diese Institutionen werden unabhängig
    - die Mitarbeiter können selbst festlegen, ob, wieviel und zu welchen Bedingungen sie welche Dienstleistungen anbieten
    - nicht funktionierende Ideen werden aussortiert und blockieren nicht das ganze System
    - neue Ideen können ausprobiert werden
    - Steuergeldverschwendung wird (zumindest in diesem Bereich) gestoppt (getreu dem Motto: all government spending is bad spending)

    Für die ersten 10 Schuljahre ist Heimunterricht und selbständiges Lernen eh besser als Schule.

    Comment von Wuff — 17. 6. 2006 @ 17:02

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