8. 6. 2006

Ganz toll, Kurt Beck

Über etliche Jahre hinweg versagt unsere politische Klasse dabei, ordentliche Gesetze zu machen. Die staatlichen Regeln sind unübersichtlich und chaotisch, erzeugen einen gigantischen Verwaltungsaufwand und sind so schlecht formuliert und durchdacht, dass sie die eigentlichen Adressaten niemals erreichen. Wer solche Gesetze verfasst und absegnet, nur um nachher andere zu beschuldigen, wenn sie nicht funktionieren, der hat seine Position in der politischen Führung dieses Landes nicht verdient. Herr Beck konnte sich nicht vorstellen, dass die Menschen alles mögliche tun würden, um möglichst viel aus den staatlichen Töpfen zu erhalten? Traurig, denn Wissen um die menschliche Natur sollte nun doch dazu gehören, wenn man Ministerpräsident und SPD-Vorsitzender ist. Er sollte es doch wissen, aus seinen zahlreichen Besuchen auf Volksfesten bei der Basis: Wo das Freibier ist, da bilden sich die größten Schlangen.

Aber wenigstens sieht Beck ein, dass eben seine eigene politische Klasse ihren Anteil daran hat, dass sich heutzutage nun wirklich niemand mehr irgend etwas entgehen lässt. Wo sich Politiker ohne Gegenleistung von Energiekonzernen bezahlen lassen oder in so vielen Aufsichtsräten sind, dass die Zeit gar nicht für alle reicht (geschweige denn für das Bundestagsmandat), und wo weiterhin der Hinweis, das alles sei doch “völlig legal”, reicht, um von der eigenen Partei wieder auf die Wahllisten gesetzt zu werden, da kann man von den Menschen “unten” eben keine andere Moral erwarten.

Nachtrag: Ähnliche Gedanken mit mehr Polemik und etwas anderem Stil findet man bei Sven Scholz und quirinius.

2 Kommentare »

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  1. Stimmt, etwa das Gleiche habe ich heute Morgen auch gedacht, als ich von Beck in den Nachrichten hörte.

    Beck tritt also schon jetzt in die Fußstapfen seines Vor-Vor-Vorgängers - soweit ich mich erinnere, hatte dieser auch einmal genau diese “Mitnahme-Mentalität” angeprangert…

    Comment von Biènne Majá — 8. 6. 2006 @ 11:43

  2. Wenn man von dem Gehalt eines Kurt Beck lebt, kann man seine “Mitnahmementalität” schon mal etwas unterdrücken. Wer im Monat nur mit wenigen hundert Euro auskommen muß, kann sich diesen “Luxus” nicht leisten.

    Außerdem - nicht nur die politische Klasse, auch die Wirtschaftskaste machen uns die “Mitnahmementalität” ja geradezu vor. Jedem das seine und mir das meiste. Wundert es da, wenn auch Arbeitslose so denken?

    Comment von Kay Hanisch — 9. 6. 2006 @ 13:29

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