Sozialschmarotzer
Wenn das, was Report Mainz da recherchiert hat, stimmt, ist mir auch klar, warum die Kosten für Hartz IV so explodieren - aufgrund von Misswirtschaft und annähernder Korruption. Die Sozialschmarotzer, die sich hier am Staat bereichern, sind allerdings nicht arbeitslos, sondern haben eine sehr lukrative Arbeit - die organisierte Abzocke nämlich. Da wird eine junge Frau in eine Arbeitsgelegenheit in einem Kindergarten vermittelt, und ein dubioses Vermittlungsunternehmen kassiert jeden Monat 300 Euro dafür, ohne eine weitere Gegenleistung zu erbringen. Mit der Gesamtsumme aus ALGII, Aufwandsentschädigung (ca. 180 Euro) und dieser Summe hätte man schon eine ordentliche Halbtagsstelle schaffen können; aber für diese ist in den öffentlichen Kassen ja kein Geld mehr vorhanden.
Als im Rahmen der Hartz-Reformen angekündigt wurde, nun auch Privatunternehmen mit der Arbeitsvermittlung zu betrauen, hatte ich ein mulmiges Gefühl. Beruhigt wurde ich nur durch die Modalitäten: Geld sollte ausschließlich für erfolgreiche Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt fließen. Kein Vermittlungserfolg - keine Zahlungen an den privaten Vermittler. Ein gutes Konzept, so dachte ich; denn dann wäre wirklich die Vermittlung der Arbeitslosen das Ziel des Unternehmens, im Gegensatz zur Arbeitsagentur, die ihren Status und ihre Macht vor allem dadurch erhöht, dass sie für möglichst viele Arbeitslose zuständig ist.
So, wie die Sache nun aber mancherorts abzulaufen scheint, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Wenn ein Privatunternehmen jeden Monat eine feste Summe für jeden erhält, den es in seine Vermittlungskartei einträgt, so ist auch hier das Interesse an einer Vermittlung nicht vorhanden - im Gegenteil, jede erfolgreiche Arbeitsaufnahme schmälert doch den Umsatz. Das Unternehmen muss also daran interessiert sein, möglichst viele Arbeitslose zu betreuen und nach Möglichkeit keinen von ihnen zu vermitteln.
Natürlich kann man einwenden, dass bei anhaltender Erfolglosigkeit irgendwann auf die Dienste des Vermittlungsunternehmens verzichtet werden wird. Dieser Mechanismus würde aber nur dann von Bedeutung sein, wenn es sich tatsächlich um ein Unternehmen mit dauerhafter Perspektive handeln würde. Wer nur mal schnell eine Vermittlung aufmacht, um für ein, zwei Jahre möglichst viele Fördergelder mitzunehmen, den interessiert die langfristige Perspektive hingegen überhaupt nicht - und dann sind die Anreize zur Abzocke extrem groß und überdecken alles andere.
Arbeitslose in Ein-Euro-Jobs zu bekommen, darf einfach kein Ziel der Arbeitsverwaltung sein. Die Möglichkeiten dazu zu schaffen, war vielleicht noch eine gute Idee; sich aber mit Personal- und Finanzaufwand aktiv darum zu bemühen, ist eine verschwenderische Katastrophe. Diese “Arbeitsgelegenheiten” lösen überhaupt keine Probleme, sondern dienen nur der Schönung von Statistiken und der Befriedigung einer öffentlichen Neiddebatte. Und kosten offenbar auch noch richtig Geld.










Private Arbeitsvermittler kümmern sich lieber um gut qualifizierte Arbeitslose, diese sind dann leichter vermittelbar und für die kann abgesahnt werden. Schlecht qualifizierte werden manchmal gleich wieder weggeschickt.
Comment von Kay Hanisch — 13. 6. 2006 @ 14:49
Besonders die Vermittlung von Niedrigqualifizierten kann so nicht funktionieren. Die Gehälter sind zu niedrig um ordentliche Prämien zu bekommen und einen echten Niedriglohnsektor gibt es gar nicht. Der versteckt sich zwischen Zuverdienst und 1Euro-Job.
Man muß sich auch nur mal die ganzen “Kurse” und “Weiterbildungen” anschauen. Dann sieht man wo das ganze Geld hinwandert.
Comment von Paul — 13. 6. 2006 @ 14:56
Ich kann nicht ganz nachvollziehen wo hier der Skandal sein soll. Diese 300 Euro (und manchmal mehr) bekommen die Träger für ihren Verwaltungsaufwand. In meinem Falle war der Träger die Caritas und die hat mich weitervermittelt an eine Schule um den Hausmeister zu entlasten. Diese Praxis ist seit Anfang an üblich. Aber warum soll es bei gemeinnützigen, karitativen oder kirchlichen Trägern akzeptabel sein und bei privaten Träger wie diese GFFB nicht? Mir war von Anfang an diese Praxis ein Dorn im Auge: ich schufte 100 Stunden im Monat und kriege 150 Euro, der Träger hat höchstens eine Stunde Arbeit pro Nase und bekommt 300 Euro (und mehr). Und Träger wie die Caritas sind auch Profitmaximierer, für Betreueung und Verwaltung der 1-Euro-Jobber wurde eine Praktikantin eingesetzt …
Comment von Klaus — 13. 6. 2006 @ 15:24
Ich habe über dieses Thema schon einmal geschrieben - und ich finde dieses Verhältnis eine wahre Schande, unabhängig davon, welche Organisation die 300 Euro kassiert.
Aus dem Report-Beitrag lässt sich aber nicht so klar entnehmen, dass es sich um einen “Träger” handelt - es wirkt eher wie eine Arbeitsvermittlung. In jedem Fall bereichern sich da die einen an der Not der anderen. So empfinde ich es jedenfalls.
Comment von Karsten Dürotin — 13. 6. 2006 @ 16:17
Eine Darmstädter Arbeitsloseninitiative hatte letztes Jahr ein interessantes Modell - das 1-Euro-Jobs fast kostenneutral durch echte Jobs ersetzt - vorgestellt, das leider unterging, da die Gruppe bis dahin eher durch umstrittene Aktionen auffiel.
http://www.gali-da.de/aktuell/aktuell.htm
(Alternative zu Ein-Euro-Jobs)
Es liest sich zumindest plausibel.
Comment von marcc — 13. 6. 2006 @ 17:28
@marcc:
Liest sich wirklich sehr plausibel. Und es entspricht ja auch dem, was ich so überschlagen habe - mit dem Unterschied, dass Galida gleich eine volle Stelle errechnet, ich aber noch davon träumte, dass die 1300 Euro, die da zusammenkommen, eine Halbtagsstelle seien…
Wenn sich hier jemand besser auskennt, lasse ich mich gern widerlegen. Ich ärgere mich aber vor allem darüber, dass von den 1-Euro-Jobs offenbar kaum Vereine profitieren, sondern mehr kommerzielle Organisationen und Unternehmen.
Comment von Karsten Dürotin — 14. 6. 2006 @ 0:31
Ich sage es ja immer wieder: die Sozialbürokratie und die sogenannten freien Träger (früher: ABM-Träger) haben nicht das geringste Interesse daran, Arbeitslose in Arbeit zu bringen, sondern es geht vor allem darum, Arbeitslose in (ihrer) Abhängigkeit zu halten.
Neu war für mich, dass auch Firmen aus der privaten Wirtschaft Ein-Euro-Jobber vermitteln dürfen. Bisher dachte ich, dass sie sich nur mit der Vermittlung regulärer Jobs befassen dürfen.
Comment von stefanolix — 14. 6. 2006 @ 9:28
Klaus sagt: “ich schufte 100 Stunden im Monat und kriege 150 Euro”. Das stimmt nicht ganz. Er bekommt 150 Euro zur Summe seiner (ihm gesetzlich zustehenden) Leistungen hinzu und liefert in Form seiner Arbeit eine Gegenleistung dafür ab.
Frage: Blickt jemand so weit hinter die Kulissen eines freien Trägers, um zu wissen, welche Ausgaben oder Beiträge von den 300 Euro für einen ALG-II-Jobber bestritten werden müssen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das für den Verwaltungsaufwand bekommen.
Comment von stefanolix — 18. 6. 2006 @ 18:34
@stefanolix:
Ich blicke nicht dahinter, aber Report Mainz schon - folge einfach mal dem Link, dann siehst du, dass eine gewisse Schulung und Beratung erwartet wird. Aber nicht überprüft. Und so lässt sich viel Geld verdienen…
Comment von Karsten Dürotin — 19. 6. 2006 @ 0:38
@Karsten:
Ich denke da zum Beispiel an Abgaben an Versicherungen und Berufsgenossenschaften und an andere Pflichtausgaben des Arbeitgebers, die sonst in den normalen Lohnkosten enthalten sind. Da wäre es interessant, mal den Verteilerschlüssel der 300 Euro zu kennen.
Die Antwort der ” Geschäftsführerin GFFB” macht auch mich keinen wirklich kompetenten Eindruck.
Der Begriff “private” Vermittlungsträger ist auch sehr weit gegriffen. Sogenannte freie Träger sind normalerweise als gemeinnützige Vereine oder als gGmbH organisiert und dürfen jedenfalls keinen Gewinn ausschütten. Dann darf vermutet werden, dass das Geld auch für Zwecke des Trägers verwendet wird.
Wenn natürlich beliebige private Firmen 300 Euro pro Fall bekommen und die Verwendung überhaupt nicht kontrolliert wird, dann ist es ein Fall für den Bundesrechnungshof.
Comment von stefanolix — 19. 6. 2006 @ 6:07