14. 6. 2006

Echte Flitzer sind ganz anders

Natürlich waren auch die Flitzer ein ganz großes Thema unter den Sicherheitsleuten, die sich bei der WM als Ordner verpflichtet haben. Was wir alle aber völlig falsch eingeschätzt haben, war die Motivation dieser Menschen. Es geht das Gerücht, dass für einen dieser Flitzer, der das Spielfeld erreicht, große Summen auf dem Spiel stehen. 150.000 Euro, so sagt man sich, bieten manche Nicht-Sponsoren demjenigen, der mit einer Werbeflagge über das Spielfeld läuft. Klar, ein riesiger Werbeeffekt, der wohl den von manchem Unternehmen, das mit einem Millioneneinsatz zur Finanzierung der WM beiträgt, übertreffen würde. Wer wüsste schon noch, dass Gillette WM-Sponsor ist, wenn ein Flitzer mit einer Wilkinson-Flagge auf Millionen Fernsehbildschirmen erscheinen würde?

Keiner. Also erwarteten wir genau diese Art von Flitzern - bezahlte menschliche Werbeträger mit einem guten Vertrag in der Tasche. Aber ach, wie sehr sind wir doch alle von der Kommerzialisierung der Welt beeinflusst. Denn als die Kollegen in Berlin heute tatsächlich ein wenig versagt und einen Zuschauer aufs Spielfeld gelassen haben, da handelte es sich gar nicht um einen solchen bezahlten Flitzer - sondern nur um einen offenbar recht fanatischen Fan, der einerseits seine Begeisterung für Ivan Klasnic zeigen, andererseits aber auch seine eigenen 30 Sekunden Weltruhm erringen wollte.

Dem Mann ging es nicht um Werbung, nicht um Geld, sondern nur um den Fußball. Einmal einem seiner Helden die Füße küssen - das war sein Wunsch, den er auch erreicht hat. Entsprechend wurde er auch von einem Kroaten und einem Brasilianer zum Spielfeldrand geleitet, wo ihn die Ordner in Empfang nahmen. Der besagte Typ mit der Wilkinson-Flagge wäre sicher anders behandelt worden…

Sicher, die Kollegen in Berlin haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Auch die Brandsätze, die auf der Tribüne entfacht wurden, hätten normalerweise gefunden werden müssen - vor allem, wenn noch nach Spielbeginn vor dem Eingang lange Schlangen waren (was für mich bedeutet, dass man es mit den Durchsuchungen wohl doch recht ernst genommen hat). Trotzdem hat mir gerade dieser Flitzer ein wenig von der Überzeugung zurückgegeben, dass es bei der WM eben doch nicht nur um Sponsoren und Geld geht, sondern um Begeisterung und auch den Fußball. Für den Flitzer auf jeden Fall.

Und wo ich doch über die WM blogge (was ich eigentlich nicht wollte, da ich mich als Mitarbeiter doch zu gewisser Verschwiegenheit verpflichtet fühle): Statler und Waldorf haben einen WM-Tipp unter den Politbloggern (und deren Lesern) gestartet, der von “Geisteswelt” bis “Der Morgen” das gesamte Spektrum anspricht. Ich schneide da noch nicht so toll ab, aber es liegt ja noch einiges vor uns. Mal sehen, wer sich am Ende als unser Fußball-Experte herausstellt. :)

6 Kommentare »

URI-Trackback für diese Seite:

http://liberalestimme.blogsome.com/2006/06/14/echte-flitzer-sind-ganz-anders/trackback/

  1. Wohin muss sich der Flitzer dieses Werbebanner binden?

    Comment von Chat Atkins — 14. 6. 2006 @ 11:32

  2. Wieso, bist du daran interessiert, das Geld einzusammeln? *g*
    Es wird aber auch darüber geredet, dass man den Flitzern Entschädigungszahlungen in sechsstelliger Höhe für jede Sekunde Spielunterbrechung auferlegen kann. Das relativiert sich dann schon…

    Comment von Karsten Dürotin — 14. 6. 2006 @ 15:56

  3. Kleine Anmerkung:

    Ich habe gehört, dass der “Flitzer” zuvor einen Ordner niedergeschlagen (oder laut SpOn “leicht getreten”) haben soll. Wenn das stimmen sollte, wünsche ich dem Kollegen von hier aus eine gute Besserung - und dem Flitzer die Pest an den Hals. Begeisterung zeigen ist toll - Gewalt aber ganz und gar nicht.

    Comment von Karsten Dürotin — 20. 6. 2006 @ 0:38

  4. Nun ja, ich war mal in einen Fall verwickelt, wo ein gewisser J. Kelly einen Ordner geschlagen hat… aber deswegen gleich die Pest an den Hals wünschen?

    Comment von Klaus Lenz — 20. 6. 2006 @ 18:43

  5. Hätte ich sein können, Klaus. Da entwickelt man solche Gefühle…

    Die Geschichte mit Herrn Kelly habe ich von dir schon mal gehört, kann das sein? Sonst höre ich sie mir gern bei nächster Gelegenheit an. :)

    Comment von Karsten Dürotin — 21. 6. 2006 @ 1:26

  6. Tja, ob als Ordner oder als technischer Leiter, bei Veranstaltungen egal ob Fussball oder Rockkonzert, erlebt man im Laufe der Zeit einiges…
    Ich würde mich aber wirklich freuen, wenn Du und Mike mich mal besuchen kommt. Der Weg zum Strand ist hier kürzer als der Weg ins Wasser an sich, bis man endlich mal die Schwimmtiefe erreicht hat…

    Comment von Klaus Lenz — 21. 6. 2006 @ 9:45

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.

Kommentar hinterlassen

Zeilenumbrüche und Absätze automatisch, Email wird niemals angezeigt, HTML erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>