10. 7. 2006

Bundesverdienstkreuz

Die Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an den FIFA-Präsidenten Joseph Blatter ist mehr als umstritten. Politiker von SPD und Grünen protestierten heftig, weil Blatter bisher eher durch einen feudalen Herrschaftsstil, Korruptionsaffären und die immer weiter gehende Kommerzialisierung des Sports aufgefallen ist. Auch viele Blogger trugen ihre teils recht ätzenden Kommentare zum Thema bei - Tenor: Blatter hat das “Verdienstkreuz” nicht “verdient”.

Ob diese persönliche Eignung nun fehlt oder nicht, mag ich so ad hoc nicht beurteilen. Im Falle Jürgen Klinsmanns, der ebenfalls von vielen Bloggern als des Kreuzes unwürdig betrachtet wird, bin ich sogar durchaus der Meinung, dass die Verleihung gerechtfertigt ist. Mir ist vielmehr etwas anderes aufgefallen: Die Begründung für Blatters Kreuz geht glatt an den Voraussetzungen vorbei, die für die Verleihung eigentlich gelten sollten.

Theodor Heuss’ Stiftungserlass verfügte folgendes:

Er wird verliehen für Leistungen, die im Bereich der politischen, der wirtschaftlich-sozialen und der geistigen Arbeit dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienten, und soll eine Auszeichnung all derer bedeuten, deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.

Damit ist die Voraussetzung eindeutig, dass die zu ehrenden Verdienste solche sein müssen, die Deutschland, seinem Aufbau und friedlichen Aufstieg in der Welt dienen. Angela Merkels Begründung für die Verleihung an Blatter lautete jedoch laut Reuters wie folgt:

Blatter werde damit für sein entschiedenes Engagement für die Verbreitung des Fußballs in der ganzen Welt geehrt, sagte die Regierungschefin.

Verdienste, die vielleicht eine Auszeichnung rechtfertigen - aber nicht die mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Und die Organisation der Fußball-WM mit ihren durchaus positiven Folgen für das Ansehen unseres Landes lag nicht in den Händen Blatters, sondern in jenen des Organisationskomittees. Aber Beckenbauer hat das Kreuz ja schon lange.

6 Kommentare »

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  1. Vielleicht hätte man Blatter besser das “Bundesverdiener-Kreuz” verleihen sollen.

    Comment von MartinM — 10. 7. 2006 @ 13:47

  2. Anständige Schweizer nehmen ausländische Orden nict an.

    Comment von marriex — 10. 7. 2006 @ 13:58

  3. Wenn sich der Blatter über den Plunder freut, soll er ihn haben. Oder?

    Comment von Boche — 11. 7. 2006 @ 11:00

  4. Vielleicht ist er alt. Ich erzähl ihn trotzdem mal:

    Einer alten Dame wurde die Handtasche geraubt. Auf dem Polizeirevier angekommen, kann sie in ihrer Aufregung den Täter kaum beschreiben. Alter, Größe, Kleidung, Brille, Bart - sie kann sich nicht erinnern. Schließlich fragt der Beamte verzweifelt: “Trug er denn das Bundesverdienstkreuz?” Die Frau überlegt, verneint dann: Ein Bundesverdienstkreuz habe er nicht getragen. Der Polizist ist erleichtert: “Dann werden wir ihn schnell fassen!”

    Soll einer von Roman Herzogs Lieblingswitzen sein.

    Comment von Joachim — 12. 7. 2006 @ 12:12

  5. ROTFL. Traue ich Roman Herzog zu.

    Comment von Rayson — 13. 7. 2006 @ 0:38

  6. Das Bundesverdientkreuz gibt es seit 51. Jährlich werden zwischen 3 und 4000 Stück davon verliehen. Das wären dann so ca. 190.000, die im Umlauf sind. Spricht für Herzogs Theorie, nicht?

    Comment von apollon — 15. 7. 2006 @ 13:58

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