21. 8. 2006

Eigeninitiative nicht erwünscht

Wer erst einmal arbeitslos ist, für den ist die Motivation sehr gering, sich durch eigene Initiative zumindest teilweise aus seiner Lage zu befreien. Die Alternative lautet Vollverdienst - oder Vollfinanzierung durch den Staat. Etwas dazwischen gibt es eigentlich nicht. So werden im Augenblick von jedem Zuverdienst zwischen 100 und 800 Euro 80%, von darüber hinausgehendem Zuverdienst sogar 90% wieder abgezogen. Im Ergebnis steht also ein (ehrlicher) Arbeitsloser, der geringfügig beschäftigt ist, kaum besser da als sein Gegenpart, der den ganzen Tag nur zuhause auf eine neue Vollzeitstelle wartet. Besser geht es nur denjenigen, die durch Schwarzarbeit Zuverdienste erwirtschaften.

Diese desolate Lage, die zur Demotivierung vieler Arbeitsloser beiträgt, will Vizekanzler Müntefering nun noch intensivieren. Ihm sind diese Zuverdienstgrenzen nämlich noch zu großzügig bemessen. Wenn es also nach unserem Arbeitsminister geht, dann wird schon sehr bald jede Motivation der Arbeitslosen, eine noch so kleine Beschäftigung anzunehmen, dahin sein. Und zwar, weil diese Form des Kombilohns “so nicht geplant gewesen sei”. Was genau daran schädlich ist, war der Reuters-Mitteilung leider nicht zu entnehmen.

Müntefering widerspricht mit dieser Initiative den Forderungen seines Parteichefs Kurt Beck, der derzeit fordert, dass Leistung sich wieder lohnen müsse und der soziale Aufstieg erleichtert werden müsse. Münteferings Absichten hingegen führen zu einer Zementierung sozialer Grenzen - entweder völlig vom Staat abhängig oder ein Job, der alleine den Lebensunterhalt trägt. Zwischenlösungen sind da nicht erwünscht. Insgesamt tendiert der ehemalige SPD-Vorsitzende zu einem dritten Arbeitsmarkt für benachteiligte Arbeitnehmer (Kranke, Behinderte, Drogenabhängige), der vermutlich seinem Ministerium unterstehen würde…

4 Kommentare »

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  1. Das ist ein Balanceakt mit den Zuverdienst. Denn warum Vollzeit für die gleiche Summe arbeiten, wenn man dank Zuverdienst mit einer Halbtagsstelle+Transferleistung auch auskommt.

    Im Grunde subventioniert man so Arbeitsplätze. Wichtig ist es meiner Ansicht nach, daß dem Arbeitgeber weder Vor- noch Nachteile durch Hinzuverdiener entstehen um Mitnahmeeffekte zu vermeiden.

    Aber um ehrlich zu sein. Mit einer echten Steuer- und Arbeitsmarktreform würde sich diese Frage in dem Maße gar nicht stellen.

    Comment von Paul — 21. 8. 2006 @ 14:59

  2. Entmündigt Münte!

    Comment von Quirinus — 22. 8. 2006 @ 2:34

  3. Sind doch nur Feigenblätter für Schwarzarbeit. Man meldet ein geringfügiges Arbeitsverhältnis an, um bei einer Kontrolle sauber dazustehen, gibt als Verdienst aber nur einen Mindestlohn an. Der Rest läuft dann schwarz. So läuft z.B. die Taxibranche. Vielleicht sollte man die Minijobs ganz verbieten - entweder Vollzeit oder Vollschwarz…

    Betr. Münte: Wer hätte gedacht, dass nach fast 10 Jahren sozialdemokratischer Sozialminister sich die Kinderarmut in Deutschland mehr als verdoppeln würde?

    Comment von Olaf Petersen — 22. 8. 2006 @ 10:48

  4. @Olaf:
    Da kenne ich einfach zu viele Gegenbeispiele. Wenn ich im Stadion arbeite, stehe ich oft neben Kollegen, die arbeitslos gemeldet sind und über den FC und Fortuna Köln im Monat ca. 120 Euro dazuverdienen. Mehr Arbeit gibt es da einfach nicht; schließlich gibt es zwischen den zwei Vereinen im Monat nur vier Heimspiele, und für die übrige Arbeit, die die Firma anzubieten hat, braucht man erheblich qualifiziertere Leute.

    Ebenso ist es mit gelegentlichen Jobs als Aushilfsfahrer bei einer Spedition und dem Computerservice, der nicht mal jeden Monat für mich etwas zu tun gibt. Du machst es dir zu einfach, weil du einige Negativbeispiele gesehen hast.

    Comment von Karsten Dürotin — 22. 8. 2006 @ 10:57

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