22. 8. 2006

Falscher Film

Jeder Mensch war bestimmt in einer Situation die verblüffende Ähnlichkeiten mit einem Film hatte - eine Situation die scheinbar vorher bis auf das Kleinste geplant und vorbereitet war.

Da ich mich derzeit in den USA aufhalte, kann ich die aktuellen Geschehnisse in Deutschland meist nur über das Internet verfolgen. Vor allem die Tatsache, dass das Land vor einer Terrorkatastrophe ähnlich den Terroranschlägen in Madrid bewahrt wurde, ist nicht beruhigend. Denn der “Film” spielt weiter. Ehrlich gesagt habe ich auch eine Angst vor diesem Film. Der Grund liegt nicht darin begründet, dass ich mich vor dem Film an sich fürchte. Ich bin vielmehr besorgt über die Folgen des Films. Eine Folge von einem solchen Film wäre sicherlich, dass das Klima zwischen den Religionen und den Anhängern der Religionen sehr stark belastet sein würde.

Sollte ein Terrorakt in Deutschland verübt werden bei denen die Terroristen offensichlicht Muslime zu sein scheinen, so werden die in diesem Land lebenden Muslime unter einem immensen öffentlichen und negativen Druck stehen. Man wird sie mit potenziellen Terroristen und Verrätern gleichsetzen. Und dies wird die Luft in Deutschland vergiften. Es ist dieser Umstand vor dem ich mich fürchte - für etwas verantwortlich gemacht zu werden für das ich nicht verantwortlich bin UND gleichzeitig einer Vorverurteilung einer ganzen Gemeinschaft ausgesetzt zu sein, ohne dass man eine entsprechende Möglichkeit der Verteidigung hätte.

Aus diesem Grund hoffe und bete ich, dass es - wie überall - in Deutschland keinen Terrorakt - von wem auch immer augeübt - geben wird. Wir möchten in Frieden in Deutschland und im Frieden mit der Mehrheitsgesellschaft leben. Die Sprache der Gewalt ist nicht unsere Sprache.

12 Kommentare »

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  1. Yep - es ist die Frage, wie lange die muslimische Gemeinschaft ihren Irrglauben an die Einheit der Umma noch wird bewahren können. Wie lange noch der Mantel über alle Gegensätze gebreitet wird. Djihadisten und Euro-Muslime haben längst nichts mehr miteinander gemein.

    Der große Bruch wird unausweichlich bald kommen. Die Frage stellt sich dann weniger nach dem Kampf zwischen “denen” und “uns” im Westen. Die Frage ist, wie der große Bürgerkrieg zwischen “jenen” und “denen” dort verläuft. In Bagdad ist es ja schon so weit. Das wird ein Konfessionskrieg um Säkularismus und Klerikofaschismus zwischen Retrograden und Avantisten - wie hierzulande zuletzt zu Luthers und Gustav Adolfs Tagen. Am Ende wird der Koran (hoffe ich) nur noch ein Buch unter anderen sein …

    Comment von Chat Atkins — 22. 8. 2006 @ 11:19

  2. Ich für meinen Teil sorge mich weniger um Image-Schäden als vielmehr um potentielle tatsächliche Opfer.

    Und ich könnte mir vorstellen, dass ich mich als Muslim fragen würde, warum zwar nicht alle Muslime Terroristen sind, aber praktisch alle Terroristen, von denen wir hier sprechen, Muslime sind, und zwar - wie man hört - immer sehr strenggläubige.

    Comment von Boche — 22. 8. 2006 @ 11:33

  3. Das Sprachbild vom “Film” riecht mir, nebenbei gesagt, ein wenig nach Verschwörungsglaube.
    Alles geplant, um die Muslime zu diskreditieren? Oder wie soll man das verstehen?

    Comment von Boche — 22. 8. 2006 @ 11:35

  4. @Boche:
    Eine Verschwörung ist so ein Terroranschlag durchaus. Und auch dazu gedacht, um die Stimmung zwischen Muslimen und Christen zu verschlechtern sowie den Haß anzuheizen. Das ist - ich denke, da sind wir uns doch einig - ja durchaus eines der Ziele der Terroristen: Sie wollen auch die friedliebenden und gegen den Terrorismus eingestellten Muslime mit sich in Sippenhaft genommen sehen, um diese in einen Konflikt mit dem Westen zu zwingen. Die Befürchtungen, die Yasar Mert hier äußert, teile ich - denn ein paar Leute zu töten, das ist ja nicht das Ziel der Terroristen; vielmehr setzen sie auf genau jenen Prozess der steigenden Feindseligkeit und Abgrenzung, der uns schließlich in einen globalen Konflikt treiben könnte.

    Comment von Karsten Dürotin — 22. 8. 2006 @ 11:56

  5. terroranschläge werden nur dort ihre saat sähen können, wo sie auf fruchtbaren boden stoßen.

    die grundsätzliche frage dabei lautet dann aber doch, ob unsere gesellschaft die verurteilung einer gesamten religion dann tatsächich aufgrund des anschlags vornimmt, oder ob sie nicht einfach das nach außen kehrt, was man sich schon immer gedacht hat.

    im endeffekt ist es doch egal, ob das durch nen anschlag oder soziale unsicherheiten explodiert. wir steuern in deutschland schon lange auf einen inneren konflikt zu der genau dieses thema haben wird.

    den globalen konflikt haben wir im übrigen bereits.

    Comment von wirtschaftsweiser_ch — 22. 8. 2006 @ 12:37

  6. den globalen konflikt haben wir im übrigen bereits

    Auf niedrigem Niveau, ja. Aber wenn ich sehe, dass der Iran immer weiter auf Konfrontation geht und Nordkorea (das sich mit dem Iran offenbar im lockeren Bündnis befindet) nun von Präventivschlägen spricht - dann erwarte ich schon sehr bald eine neue Qualität dieses Konfliktes.

    Und den inneren Konflikt halte ich nicht für unausweichlich. Wenn er aber durch Dinge wie Terroranschläge vorangetrieben wird, dann wird es immer schwieriger, gegenzusteuern. Für alle Konfliktparteien.

    Comment von Karsten Dürotin — 22. 8. 2006 @ 12:46

  7. @Karsten

    Wenn es in diesem Sinne gemeint ist, könnte ich das tatsächlich verstehen.
    Ich frage mich nur, was die Mehrheit der Muslime, die unser freiheitliches System befürworten, dazu beitragen, die Mörder aus ihren Reihen zu diskreditieren. Vielleicht liegt es ja an einseitiger Berichterstattung, aber wenn ich hier lese, dass als Mittel die Einführung der Scharia gefordert wird, kommen mir Zweifel, ob wir es mit Verbündeten zu tun haben.
    Und warum gab es eigentlich eine internationale Fatwa mit Todesdrohung gegen einen Schriftsteller, der das “Falsche” schrieb, gegen Muslime, die Massenmord begehen oder versuchen, gibt es solche Verurteilungen aber (meines Wissens) nicht.

    Comment von Boche — 22. 8. 2006 @ 12:52

  8. @Boche:

    Das mit der Einführung der Scharia habe ich auch gelesen, völlig unmöglich, da gebe ich dir recht.

    Aber die eine oder andere Fatwa gegen den Terrorismus hat es durchaus schon gegeben. Ich kann dir auch noch mehr zeigen, aber die Auswahl ist wohl ausreichend.

    Comment von Karsten Dürotin — 22. 8. 2006 @ 13:00

  9. @Karsten

    Das mit der Einführung der Scharia habe ich auch gelesen, völlig unmöglich, da gebe ich dir recht.

    Als Reaktion eines muslimischen Verbandes auf muslimischen Terror finde ich das ein wenig mehr als “unmöglich”.

    Die Fatwas, die du aufführst, machen ja Mut. Allerdings frage ich mich, ob die muslimischen Terrorpaten genauso um ihr Leben fürchten müssen, wie damals Rushdie, ob sie auch so in der Gefahr leben, von Muslimen für ihr Tun bestraft zu werden.
    Ich habe da ein wenig meine Zweifel.

    Comment von Boche — 22. 8. 2006 @ 13:18

  10. Heh, ich wusste, dass diese Wortwahl dir missfallen würde. Um genau zu sein, hatte ich sogar zunächst nach einem besseren Wort gesucht… aber “unmöglich” trifft ziemlich genau meine Meinung dazu. Welche Formulierung würdest du denn vorschlagen? :)

    Comment von Karsten Dürotin — 22. 8. 2006 @ 13:44

  11. Ach, lass uns nicht um Worte streiten.

    Comment von Boche — 22. 8. 2006 @ 14:24

  12. @Boche:

    “Und ich könnte mir vorstellen, dass ich mich als Muslim fragen würde, warum zwar nicht alle Muslime Terroristen sind, aber praktisch alle Terroristen, von denen wir hier sprechen, Muslime sind, und zwar - wie man hört - immer sehr strenggläubige.”

    Was erwartetest Du denn da für eine Antwort von Seiten gläubiger oder auch eher säkular orientierter Muslime, da in Deiner Vorstellungswelt?

    Comment von MomoRules — 27. 8. 2006 @ 16:54

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