3. 9. 2006

Ein neuer Gandhi?

Abgelegt unter Personen, Yasar Mert

Kürzlich konnte man in einer türkischsprachigen Zeitung aus Deutschland lesen, dass ein nicht zu unterschätzender Teil der muslimischen Bevölkerung in Deutschland vor der immer weiter um sich greifenden Islamophobie leidet. So weit eigentlich nichts Neues. Das Neue an dem Artikel war die Bemerkung, dass die Intellektuellen (ich nehme aber an auch “Ali-Normal-Muslim) eine andere Gefahr für weitaus größer betrachten: die Geburt eines “neuen Führers”.

In der Tat bietet die aktuelle Stimmungslage sowohl in Deutschland als auch im übrigen West-Europa einen guten “Nährboden” und eine gute Ausgangslage für eine neue und alte Herausforderung an die Demokratie: das Erstärken des populistischen Rechtsradikalismus. Was fehlt ist eine entsprechende Leitfigur bzw. -person. Es scheint keine Person (noch nicht) zu geben, die a la Hitler, Mussolini oder Karadciz Ängste und Sorgen vor einer “fremden” Kultur und Religion mit wirtschaftlichen Problemen (vor allem wegen den Globalisierungseffekten) rhetorisch gut verpackt an die Massen bringen und in politische Erfolge umwandeln kann. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch so bleiben wird.

Angestoßen durch diese Gedankengänge möchte ich einen Blick auf die andere Seite der Medaille werfen: es gibt sowohl unter den sozial benachteiligten Schichten als auch muslimischen Bevölkerungsteilen Deutschlands und Europas keinen “Hoffnungsträger” der/die von einer großen Mehrheit unterstützt wird. Diese Bevölkerungsteile sollten auch sich die Frage stellen warum es keine Martin Luther Kings oder ähnliche Leitfiguren unter ihnen gibt. Meiner Überzeugung nach ist das Potenzial auf jeden Fall vorhanden. Der Grund liegt also nicht hierin begründet. Vielmehr scheint mir die Antwort in dem allgemeinen Fehlen von Führungspersönlichkeiten verborgen zu sein. Schauen wir uns doch die aktuelle Führungsriege an: wo sind die Adenauers, Brandts oder ähnliche der deutschen Politik?

Nichtsdestotrotz sollte gerade die muslimische Gemeinschaft Personen aus ihrer Mitte hervorbringen, die sowohl den Respekt der Mehrheitsgesellschaft haben und auch einen großen Einfluss in der Minderheitsgesellschaft ausüben können. Dies wäre ein großer Beitrag zum Dialog und zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen in diesem Bereich.

4 Kommentare »

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  1. “von einer großen Mehrheit unterstützt wird”
    also von einer grossen Mehrheit wurde auch Hitler nie unterstützt, 1932 erreichte er selbst im zweiten Wahlgang gerade mal 36%, auch die NSDAP bekam im Juli ‘32 nur 33,09 Prozent.
    Trotz Notverordnung und Verhaftung polit. Gegner gelangen auch im März ‘33 nur 40%, eine Mehrheit war also nie für Hitler (geschweige denn eine deutliche Mehrheit).
    Mussolini kam noch viel weniger durch Wahlen an die Macht der marschiert bekanntlich einfach auf Rom. Das Wesensmerkmal des Faschismus besteht eben darin, dass die Minderheit mit Gewalt über die Mehrheit regiert und sich hierbei nicht auf demokratische sondern auf aristokratische (ἀριστεύς = Bester ) Prinzipien beruft.

    Der iranisch. Präsident besitzt da sehr grosse Qualitäten und geniesst vor allem in den bildungsferneren arabischen Schichten sehr hohes Ansehen (die Ungebildeten sind in den meisten arabischen Ländern die grosse Mehrheit), es gibt dadurch Darstellungen von Ahmadinedschad mit Lichtkrone etc. Ahmadinedschad ist einer der wenigen demokratischen Oberhäupter.

    In Deutschland wäre das Vorbild für alle Islamophoben sicher der Herr Bush, der ist zwar bei uns nicht mehrheitsfähig aber auf 30% könnte er es möglicherweise bringen.

    Comment von njus — 3. 9. 2006 @ 22:17

  2. Die Gefahr eines “neuen Führers” besteht. Der aber würde nicht hier im Euroraum auftauchen, sondern in Bagdad, Teheran oder einer anderen schönen Weltgegend jenseits der levantinischen Küste. Das islamofaschistische Grinsepferdchen, dieser Ahmedinedschad, ist es jedoch nicht. So jemand wie dieser Hassan Narhalla wäre schon eher konsensfähig …

    Comment von Chat Atkins — 4. 9. 2006 @ 9:45

  3. Na immerhin hat das “Grinsepferdchen” 62% bei der letzten Wahl erhalten.

    Comment von njus — 4. 9. 2006 @ 12:11

  4. @ njus:

    Natürlich hatte Hitler eine Mehrheit. Zusammen mit der DNVP, einer weiteren dem Faschismus und Militarismus nahestehenden Partei. Und vergessen wir nicht die Unterstützung der Konservativen bei der Beschliessung des Ermächtigungsgesetzes.

    Sollen solche Sätze Satire sein:

    “Ahmadinedschad ist einer der wenigen demokratischen Oberhäupter.”

    Seine Wahl war alles andere als demokratisch. Wer das behauptet macht entweder billige Propaganda für die Mullahs, die wohl Anti-Amerikanisch motiviert ist. Schliesslich wurden zu der Wahl nur Kandidaten zugelassen die vom Wächterrat der Mullahs genehmigt wurden.

    Bei Ahmadinedschad sollte man ernsthaft den Tyrannenmord in Erwägung ziehen.

    Auf einen muslimischen Ghandi darf die Welt wohl ewig warten.

    Comment von Telegehirn — 5. 9. 2006 @ 1:09

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