1. 8. 2006

Gute Nachrichten vom Mobilfunkmarkt

Ich mag E-Plus, weil sie die ersten sind, die tatsächlich Schluss machen mit der ständigen Subventionierung von Handys. Irgendwie habe ich es nie eingesehen, überhöhte Telefonkosten zu bezahlen, damit irgendwelche Kids jedes Jahr ein neues Handy mit sich herumschleppen und Siemens, SonyEricsson, Motorola und Nokia ihren Aktionären wieder von einem wachsenden Markt für Mobiltelefone in Deutschland berichten können. Denn die Preise, die man hierzulande für mobiles Telefonieren bezahlt (hat), haben nur wenig mit den tatsächlichen Kosten des Netzbetreibers zu tun - und dafür sehr viel mit den Kosten für all die Handys, Playstations und Wochenendreisen, die man als Dreingabe bei Abschluss eines Vertrages bekam.

Zu Beginn war das vielleicht sinnvoll, um den Markt überhaupt erst einmal ins Rollen zu bringen - denn wer kein Handy hat und auch keines bezahlen kann, der schließt auch keinen Vertrag mit einem Handy-Provider ab. Doch im Laufe der Zeit wurde dieses System zu einem Anreiz für die Gerätehersteller, auf Produktqualität völlig zu verzichten (wen stört schon, dass das Handy nach spätestens 24 Monaten seinen Geist aufgibt, wenn man zu diesem Zeitpunkt eh ein neues Handy geschenkt bekommt?) und stattdessen das Geld lieber in Werbekampagnen zu verpulvern (wenn alle kostenlosen Schrott anbieten, gewinnt der, der den meisten Radau macht). Sowohl ökologisch wie auch ökonomisch auf Dauer eine sinnlose Entwicklung.

Wie oft haben sich die Netzbetreiber früher schon darauf geeinigt, ab sofort mit dieser unsinnigen Praxis Schluss zu machen? Immer wieder sprach man sich ab, und immer wieder hielt sich keiner daran - wer weiter Handys verschenkt, nimmt den Anderen Marktanteile ab, da war man sich einig. Vor allem, da auch keiner der Netzbetreiber die Gesprächskosten entscheidend senken wollte - den Subventionsabbau wollte man ja eigentlich zur weiteren Steigerung der ohnehin oft utopischen Gewinnspannen nutzen. Und somit blieb alles beim Alten.

Mit der Einführung des BASE-Tarifs hat E-Plus dieses Kartell als erstes Unternehmen der Branche durchbrochen. Die Flatrate hält zwar den Umsatz bei E-Plus konstant, gibt aber die Möglichkeit, fast beliebig zu telefonieren, ohne ständig über die Kosten nachzudenken. Der Haken: Man bekommt eben kein Handy mehr geschenkt. Das gleiche gilt für die Prepaid-Angebote des Unternehmens, die ebenfalls ohne neues Telefon, dafür aber mit günstigen Preisen daherkommen. Und dass ausgerechnet diese Angebote nun für eine sehr positiven Entwicklung des Unternehmensgewinns verantwortlich sind, zeigt, dass die Strategie ankommt und Erfolg hat.

Wie gesagt, ich finde das sehr gut.

Jetzt plötzlich

Nach 23 Jahren als Bundestagsabgeordneter und 10 Jahren parallel als Hauptgeschäftsführer des BDA fällt Reinhard Göhner ganz plötzlich auf, dass diese Doppelbelastung für ihn nicht verkraftbar ist. Jedenfalls nicht über die Legislaturperiode hinaus. Diese Erkenntnis hat - so Göhner - natürlich nichts mit den öffentlichen Angriffen gegen ihn zu tun, sondern sei ihm in dieser Form schon vor der Bundestagswahl 2005 gekommen. Nur diese eine Legislaturperiode wollte er sie noch durchstehen. Ahso.

Eigentlich scheint es mir eher, als könne da jemand einer anderen Belastung - nämlich dem öffentlichen Druck wegen seiner Doppelfunktion - nicht mehr standhalten, wollte sich aber ohne Gesichtsverlust aus der ganzen Sache retten. Einfach zu sagen: “Die Mehrheit meiner Mitmenschen hat offenbar ein Problem mit meiner Doppelfunktion, daher beende ich diese jetzt, auch, wenn ich persönlich anderer Meinung bin”, kam da nicht in Frage. Allein schon wegen möglicher Nachfolger in eben dieser Doppelfunktion, die man ja nicht von vornherein belasten will. Das hatt Norbert Röttgen ja schon hinreichend getan.

Kurz gesagt: Göhner will Druck ablassen und sich Zeit kaufen - denn er kann die Entscheidung am Ende der Legislaturperiode, wenn keiner mehr hinguckt, ja auch wieder umwerfen. Wer weiß, vielleicht fühlt er sich da ja auch schon wieder fitter und bekommt den Eindruck, dass er die Belastung doch noch ein paar Jahre tragen kann?

Und vielleicht ist sie dann ja auch gar nicht mehr so groß. Laut einem Gutachten, das im Auftrage von Norbert Lammert erstellt wurde, handelt es sich beim Bundestagsmandat ja gar nicht um einen Vollzeitjob. “Im Mittelpunkt der Tätigkeit stehen” hat nämlich nichts mit Zeitaufwand und Mühe zu tun, sondern lediglich mit dem Gewissen des Abgeordneten, wo das Mandat im Mittelpunkt stehen muss. Haben wir all die Abgeordneten, die sich selten im Parlament blicken lassen und auch sonst lieber anderen Jobs und ihrer Freizeit nachgehen, am Ende fälschlicherweise angegriffen? Sind zwei bis drei Stunden im Monat für das Mandat durchaus ausreichend? Können wir dann vielleicht auch die Diäten auf eine kleine Aufwandsentschädigung reduzieren? Brauchen die Abgeordneten überhaupt noch ein Büro?

31. 7. 2006

Unser Steuerrecht ist schwachsinnig

Das findet David Groenewold, der diese wenig freundliche Bezeichnung gestern bei Sabine Christiansen aufbrachte - und niemand kam auf die Idee, dem Filmfinanzier zu widersprechen. Aus gutem Grund: Er hat nämlich absolut auf den Punkt gebracht, was sowieso alle denken.

Als ich mich heute mit einigen Leuten hier aus der Gegend über die Sendung unterhielt, kamen zwei Themen auf, die weiter illustrieren, was dieses Steuerrecht so schwachsinnig macht. Dabei geht es nicht nur um unübersichtliche Steuersätze und extrem komplizierte Ausnahmetatbestände, sondern auch um die Art und Weise, wie die Steuern erhoben werden. (more…)

Was man sagen kann (Rebellen ohne Markt)

Diesen Beitrag zum Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel finde ich sehr lesenswert. Don Alphonso, wie man ihn sonst selten erlebt: Ohne seinen extremen Sarkasmus, ohne Kronleuchter und Stuckdecken, ohne hämische Attacken auf Leute, die andere Meinungen haben. Nur Analyse, nachdenklich und ausgewogen.

Karnevalsgastgeber

Die Liberale Stimme freut sich, Gastgeber für den nächsten Karneval der Deutsch-Amerikanischen Beziehungen (Carnival of German-American Relations) sein zu dürfen. Wir teilen uns diese Ehre mit dem US-Gastgeber Dialog International, wo David Vickrey verantwortlich zeichnet.

Die meisten unserer Leser wissen sicherlich, worum es bei dieser Aktion geht und wie sie funktioniert; für die, die noch nie davon gehört haben, folgt eine Erläuterung des Blogkarnevals an sich sowie dieser speziellen Aktion am Ende dieses Beitrages.

Für alle anderen möchte ich kurz anmerken, welche Vorstellungen und Wünsche ich mit unserer Rolle als Gastgeber verknüpfe - mit etwas Glück lässt sich ja das Eine oder Andere davon erreichen. Die bisherigen Carnivals of G-A Relations wurden in doppelter Hinsicht von bestimmten Gruppen von Bloggern dominiert - jedenfalls was die deutsche Seite anging. (more…)

30. 7. 2006

Bütis Welt

Abgelegt unter Karsten Dürotin, Personen

Ich gucke gerade das Sommerinterview mit Reinhard Bütikofer. Ein echtes Erlebnis: Der Mann verkündete nicht nur, dass Kernenergie niemals das Potenzial habe, das Öl als Energieträger abzulösen (regenerative Energiequellen aber schon), sondern auch, dass Rot/Grün nach augenblicklichen Umfragen eine Chance habe, nach den nächsten Wahlen die Regierung zu stellen.

Da frage ich mich doch: Was hat der Mann geraucht? Oder ist es die Hitze?

Wir stellen ein

Die ganze Misere des deutschen Arbeitsmarkt in einem Foto, aufgenommen bei Lekkerland in Frechen:

Na gut, nicht die ganze Misere. Die bekäme man wohl erst, wenn ein Schild “Wir entlassen” daneben stünde. Aber wer würde sich das schon trauen? Gerling? Die Allianz? Wohl kaum.

29. 7. 2006

Discounterdichte

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Anzahl verfügbarer Standorte für Discounter in Deutschland allmählich etwas knapp wird. Mittlerweile hocken die ja schon unmittelbar aufeinander:

Links Aldi, rechts Lidl… da kann man sich ja gar nicht entscheiden. :(

28. 7. 2006

Stöckchen

Ich habe bisher noch nie bei diesen Stöckchen-Spielen mitgemacht. Gut, das mag vor allem daran gelegen haben, dass mir auch noch keiner eines “zugeworfen” hat, hat aber auch damit zu tun, dass es mir wie eine Art Kinderspiel erscheint - vor allem, da die Fragen bei diesen Spielen oft recht oberflächlich sind und sich oft wiederholen. Darum habe ich eine ganze Weile überlegt, ob ich das Stöckchen, das “SoWhy?” mir zugeworfen hat, wirklich auffangen sollte. Immerhin gibt es so viel anderes, was ich hier schreiben will, und nebenbei habe ich auch noch viel zu tun…

Ich habe es aber dann doch getan, unter anderem, weil sich dieses Stöckchen mit einem interessanten blogwisssenschaftlichen Experiment verbindet - nämlich dem Stöckchentracker von DonsTag, der auch der Urheber dieses speziellen Stöckchens ist. Der Tracker macht den Verlauf des Stöckchenspiels sichtbar und erstellt damit eine Ausschnittskarte der deutschen Blogosphäre, die sichtbar macht, wer wo liest und mit wem in Kommunikation steht. Fast schon eine Art soziologisches Experiment, könnte man sagen. Und da ich an so etwas Spaß habe, apportiere ich also hier: (more…)

27. 7. 2006

Leistungsschau

“Wir haben einen Fernsehvertrag über eine Sportveranstaltung, und nicht über eine Pharma-Leistungsschau, abgeschlossen”.

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zu Überlegungen seines Senders, auf die Berichterstattung von der Tour de France zu verzichten.

Ansonsten hat auch Rayson einen Kommentar zur Tour und dem Doping-Fall Landis abgegeben, der sehr amüsant zu lesen ist.

26. 7. 2006

Konsequenzen müssen folgen

Nach dem israelischen Beschuss einer Blauhelmanlage im südlichen Libanon hat UNO-Generalsekretär Kofi Annan schwerste Vorwürfe gegen Israel erhoben: Der Beschuss des Postens sei “offenbar vorsätzlich” erfolgt. Damit ist klar, dass nach der Untersuchung der Angelegenheit durch die internationale Gemeinschaft Konsequenzen folgen müssen. Sollte sich Annans Behauptung bestätigen, müssten ganz selbstverständlich Sanktionen gegen Israel folgen - ein Staat, der absichtlich Anlagen und Truppen der Weltgemeinschaft bombardiert, muss strikt und konsequent zur Rechenschaft gezogen werden.

Lassen sich seine Vorwürfe aber nicht belegen, dann wäre alles andere als ein sofortiger Rücktritt Annans eine Frechheit. Sein einseitiges Verhalten im bisherigen Nahostkonflikt war schon oft Thema, wenn etwa antizionistische Konferenzen von der UNO gesponsert und ausgerichtet wurden - von ihm persönlich geäußerte falsche Anschuldigungen dieser Größenordnung würden ihn als Oberhaupt der UNO untragbar machen.

So oder so, es muss Konsequenzen geben.

Abgeordnetenmandat und Doppelfunktion

Überaus faszinierend, was sich da im Gefolge der gescheiterten Beschäftigung von Norbert Röttgen als Geschäftsführer des BDI so entwickelt. Vornweg gesagt: Ich bin davon überzeugt, dass das Mandat eines Abgeordneten ein Vollzeitjob ist, neben dem es kaum möglich sein darf und kann, noch allzu viele Nebenbeschäftigungen auszuüben. Wenn jemand Erfahrungen aus der Wirtschaft, aus Sozialverbänden, Gewerkschaften oder der Verwaltung mitbringt, ist das wunderbar. Neben dem Mandat aber noch einen zweiten, dritten oder gar vierten Job auszuüben, wie es Oliver Luksic nicht nur akzeptiert, sondern sogar noch fordert, halte ich für einen Betrug am Wähler. Zum einen, weil sich dadurch oftmals tiefgreifende Interessenkonflikte auftun, vor allem aber, weil man das Mandat nicht erhalten hat, um es dann wie ein eher lästiges Hobby zu behandeln: Es ist die primäre Aufgabe des Abgeordneten, und wer das nicht so sehen mag, hat im Parlament nichts zu suchen. Dazu hat die Tagesschau übrigens auch ein gutes Interview mit Ulrich Müller von Lobbycontrol gebracht.

Nun aber zur aktuellen Diskussion über die Doppelfunktion. Dort gibt es nämlich schon dicht unter der Oberfläche einiges, was das leichte Kratzen zu einer lohnenden Angelegenheit macht. (more…)

Der nun wieder…

Abgelegt unter Karsten Dürotin, Humor

Von Jürgen Hass, einem gescheiterten FDP-Kommunalpolitiker vom Niederrhein, hatte ich zum ersten Mal in einer “Express” gelesen, die mir ein Vereinskamerad Anfang Mai zum Lesen überlassen hat. Der gute Mann wohnt in Paraguay, lebt dort von seiner deutschen Rente und hat es sich zum Ziel gemacht, 1000 Kinder aus Ländern der dritten Welt zu adoptieren, damit diese vom deutschen Sozialsystem versorgt werden und hierzulande Einreisberechtigung und die Chance auf eine Ausbildung erhalten. Mit Nächstenliebe hat das aber nur begrenzt zu tun - offenbar ist Hass (ein wahrhaft sprechender Name) vor allem daran gelegen, dem deutschen Staat zu schaden, auf den er, nun ja, großen Hass empfindet. Der frühere Versicherungskaufmann ist wegen Betrugs hierzulande verurteilt worden, fühlt sich aber unschuldig und will nun mit einem Rachefeldzug Vergeltung üben.

Dazu gehört es offenbar auch, Horst Köhler zu verklagen: Vor Gericht wollte er erzwingen, dass der Bundespräsident die Ehrenpatenschaft für jedes achte seiner Kinder übernimmt. Er ist damit allerdings gescheitert, wie N24 berichtet.

Ich habe ja in den letzten Monaten schon öfter gehört, dass die Menschen am Niederrhein oft etwas eigen sein sollen. Aber der Typ schießt wirklich den Vogel ab.

25. 7. 2006

Hass und Kalkül (FR-Blog)

Dieser Artikel beim FR-Blog hat mir sehr gut gefallen - er beschäftigt sich mit den Leserbriefen, die die Frankfurter Rundschau zum Thema ihrer Nahost-Berichterstattung erhalten hat und zeigt auf, wie einseitig die meisten Mitmenschen diesen Konflikt sehen. Bronski weist darauf hin, dass das Thema mehr Differenzierung gebrauchen könnte. Zurecht.

24. 7. 2006

Leck beim Verfassungsschutz

Abgelegt unter Karsten Dürotin, Humor

Wie die Lokalzeit Köln heute berichtete, gab es heute beim Bundesverfassungsschutz in Köln-Chorweiler eine undichte Stelle. Glücklicherweise konnte die angerückte Feuerwehr diese aber schnell identifizieren: Es handelte sich um zwei Putzmittelbehälter, aus denen geringe Mengen Ammoniak entwich. Obwohl dieses in hohen Konzentrationen zu Atemnot und Lungenschädigungen führen kann, waren die Schlapphüte zu keiner Zeit in Gefahr. Wie die Moderatorin anmerkte, ist das auch gut so - denn “Geheimdienstler, die ständig husten, bleiben nicht lange geheim”. Recht hat sie.

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