2. 12. 2005

Pest oder Cholera

HondurasAm 27.11. hatte die Bevölkerung von Honduras die Wahl zwischen den zwei Präsidentschaftskandidaten Manuel Zelaya (53) von der Liberalen Partei (PL) und Porfirio Pepe Lobo (57) von der Nationalen Partei (PN). Auch eine Woche nach der Stimmenabgabe konnte noch nicht eindeutig festgestellt werden, welcher Kandidat, die Wahl gewonnen hat. Doch spielt das überhaupt eine Rolle? Alle Präsidenten in der Geschichte von Honduras waren entweder Mitglieder der Liberalen oder der Nationalen Partei. Inhaltlich haben diese beiden Parteien wenig zu bieten und unterscheiden sich programmatisch kaum. Honduras, war im 20. Jahrhundert der Inbegriff einer sogenannten „Bananenrepublik“ und auch heute noch sind die USA ein bestimmender Faktor in der honduranischen Politik. (more…)

1. 12. 2005

Mach’s nochmal, Omar!

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Omar BongoAls am 27.11.2005 die Präsidentenwahl in Gabun stattfand, rechnete jeder damit daß der Amtsinhaber, nach Fidel Castro immerhin der dienstälteste Präsident der Welt, im Amt bestätigt werden würde. Deswegen war den meisten Zeitungen diese Tatsache nur eine kleine Meldung wert. So etwas ist für die Liberale Stimme natürlich kein Maßstab, sondern ein Grund sich mit dem seit 38 Jahren regierenden Omar Bongo (69) , einen zum Islam konvertierten Krimi-Fan, einmal näher zu beschäftigen.

Nach der Unabhängigkeit Gabuns 1960 stieg Bongo, dessen Vorname damals noch Albert-Bernard lautete, unter dem pro-französischen Präsidenten Leon M´Ba in verschiedenen Ämtern auf. Gabun unterhielt schon damals sehr enge Beziehungen zu Frankreich. 1964 wurde ein marxistischer Putsch des linken Politikers Jean-Hilaire Aubame nur mit Hilfe französischer Fallschirmjäger niedergeschlagen. Als M´Ba, ein glühender Bewunderer Charles de Gaulles´, 1967 starb, hatte es Bongo bereits zu seinem Vizepräsidenten gebracht und übernahm das Präsidentenamt und verkündete ein Jahr später die Errichtung eines Einparteiensystems unter der „Demokratischen Partei Gabuns“ (PDG). (more…)

25. 11. 2005

Herrscher über das Land der Aufrichtigen

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Während die Welt auf die Präsidentenwahl in Liberia schaut, wurde ebenfalls in Westafrika eine weitere Präsidentenwahl - weitgehend unbemerkt von den Massenmedien – durchgeführt. In Burkina Faso siegte ein Mann, der das Präsidentenamt nur innehat, weil er 1987 seinen Amtsvorgänger und einen seiner besten Freunde in einem blutigen Putsch beseitigen ließ. Blaise Compaoré wurde am 13.11.2005 mit 80,3% der Stimmen wiedergewählt. Natürlich erhob die Opposition einen bekannten Einwand - richtig! WAHLBETRUG! (more…)

17. 11. 2005

Alte Suppe aus neuen Dosen?

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Ellen Johnson-SirleafEs waren noch nicht einmal alle Stimmen ausgezählt, da wurde sie schon als Präsidentin gefeiert: Ellen Johnson-Sirleaf, die erste Frau an der Spitze eines afrikanischen Staates und künftige Präsidentin Liberias. Nach der Auszählung von 97% der Stimmen kommt sie auf 59,4%, ihr unterlegener Rivale, der Weltfußballstar George Weah, kam auf etwa 40% der Stimmen. Schon sprechen Mitglieder von Weahs Kongreß für Demokratischen Wandel (CDC) von Wahlbetrug und skandieren Parolen wie „No Weah! No Peace!“ In der Tat hatte sich der ehemalige Stürmer vom AC Mailand und Weltfußballer des Jahres 1995 große Verdienste um die Wiedereingliederung von ehemaligen Kindersoldaten in die Gesellschaft des krisengebeutelten Landes gemacht. Auch flößte sein Reichtum Vertrauen bei der armen Bevölkerung ein. Wer reich sei, so glaubten die meisten, habe es nicht nötig, sich zu weiter zu bereichern. Inzwischen hat Weah, der im ersten Wahlgang mit 28% führte, in einem BBC-Interview Neuwahlen gefordert und erklärt, die Wahlkommission habe Stimmzettel zugunsten von Ellen Johnson-Sirleaf gefälscht. Weah rief die Bevölkerung zur Ruhe auf, nachdem UN-Truppen protestierende Liberianer mit Tränengas auseinander getrieben hatten, kündigte aber eine Wahlanfechtung an. (more…)

15. 11. 2005

“Nino” kehrt zurück

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Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit fand in diesem Sommer wieder ein Machtwechsel in einem der unbedeutendsten afrikanischen Staaten statt. Selbst das Auswärtige Amt der Bundesrepublik hat auf seinen Internetseiten nichts über die Präsidentenwahl vom 1.8.2005 berichtet. Deutschsprachige Quellen findet man im Internet zu diesem Thema schon gar nicht, dabei war die Wahl keine gewöhnliche. Sie brachte den Befreiungskämpfer und langjährigen Autokraten Joao Bernardo Vieira, genannt „Nino“ auf demokratischem Wege zurück ins Amt. (more…)

9. 11. 2005

Nachruf auf einen Tyrannen: Apollo Milton Obote

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Der einstige Präsident von Uganda führte sein Land 1962 als Premierminister in die Unabhängigkeit von Großbritannien. Kurz darauf entmachtete er Staatspräsident Mutesa II., der gleichzeitig König des privilegierten Teilstaates Buganda war. Apollo Milton Obote errichtete ein Einparteiensystem und ließ jede oppositionelle Regung brutal unterdrücken. Sein politischer Ziehsohn Idi Amin vertrieb ihn 1971 von der Macht. Doch der neue Herrscher entpuppte sich als noch brutaler und unberechenbarer als Obote, der nach Tansania geflüchtet war, wo er das Wohlwollen von Präsident Julius Nyere genoß. Als Idi Amin einen Grenzkrieg mit dem viel größeren Tansania provozierte, marschierten tansanische Truppen und Obote-Anhänger 1979 in Uganda ein. Mittels Wahlfälschung und diktatorischer Mittel hielt sich der wirtschaftlich erfolglose Despot von 1979-1985 ein zweites Mal an der Macht. Gegen die Anhänger des heutigen Präsidenten Yoweri Museveni gingen seine Soldaten besonders brutal vor. Nach dem Obote 1985 von Militärs unter Tito Okello gestürzt wurde, ließ er sich für 20 Jahre im Sambia Kenneth Kaundas nieder. Am 10.10.2005 starb er nach mehreren Schlaganfällen in Johannesburg an Nierenversagen.

Apollo Milton Obote gehörte zu der Generation der “Big Men”, die ihre Heimatländer selbst in die Unabhängigkeit geführt haben. Große politische Verdienste um sein Land hat sich dieser Despot aber nicht erworben.

2. 10. 2005

Wo die Unregierbarkeit zu Hause ist

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Kaum hat sich eine „Allparteienregierung“ der wichtigsten Rebellengruppen und der Regierung unter dem Präsidenten Joseph Kabila, der dieses Amt von seinem Vater 2001 geerbt hat, zusammengefunden und es werden positive Nachrichten in Bezug auf die Vorbereitung der Wahlen Ende 2005 vermeldet, da gärt es schon wieder im rebellischen Osten des Landes: der vermutlich von Ruanda finanzierte Tutsi-General Laurent Nkunda, der durch einige besonders grausame Massaker an der Zivilbevölkerung zu traurigem Ruhm kam, ruft zum Marsch auf die Hauptstadt Kinshasa auf, um die seiner Meinung nach „korrupte“ Regierung zu stürzen. Derweil sind Teile der Regierungsarmee im Ostkongo zu den Rebellen übergelaufen, nachdem sie vorsorglich ihre loyalen Kameraden entwaffnet hatten. Andere Teile der Armee ziehen plündernd durch das Land. Auf sie kann die Regierung auch nicht setzen. (more…)

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