25. 9. 2006

Zusammenfassung: Carnival of German-American Relations

So, nun ist er vorbei, der neueste „Carnival of German-American Relations“. Knapp zwei Dutzend Beiträge in deutscher und englischer Sprache sind eingetrudelt; zwar ist die Resonanz damit etwas geringer ausgefallen als bei den letzten Ausgaben des Carnival, in der Gesamtheit können Joerg, David und ich uns aber über ein großes Spektrum von Themen und politischen Ansichten freuen. Leider kann ich meine Zusammenfassung erst heute online stellen – dafür umfasst sie aber alle Beiträge, ob sie nun in deutscher oder englischer Sprache verfasst worden sind.

Was wurde nun geschrieben? (more…)

8. 9. 2006

Neues vom Wüstencowboy

Abgelegt unter Kay Hanisch, Außenpolitik

Das Jahr 2006 ist das Jahr, in dem Tschads Präsident Idriss Déby für Furore sorgt. Nachdem seine Armee im Frühjahr die schon in die Hauptstadt N´Djamena eingedrungenen Rebellen der Vereinigten Front für den Wandel (FUC) zurückschlagen konnten, gewann er kurz darauf die Präsidenwahlen, bei denen er dreien seiner vier Gegenkandidaten den Wahlkampf selbst finanzierte (mehr Kandidaten = sieht nach mehr Demokratie aus).

Vor wenigen Wochen folgte die – zumindest formelle – Versöhnung mit dem Erzfeind Omar al-Bashir, dem Diktator Sudans. Gleichzeitig brach der Tschad die Beziehungen zum langjährigen Verbündeten Taiwan ab und erkannte die VR China als „einziges China“ an. (more…)

Reiseverbot für Kinder?

Wenn es um die Türkei geht, reagieren Bayern schon einmal etwas heftig. Etwa die bayerischen Politiker, die geschlossen gegen einen möglichen EU-Beitritt der Türken kämpfen (und dabei die Mehrheit ihrer Landsleute auf ihrer Seite haben). Aber auch bayrische Amtsrichter, die in Familienstreitigkeiten zu entscheiden haben. So untersagte das Amtsgericht Fürstenfeldbruck einem geschiedenen Vater, seinen Sohn mit in den Türkei-Urlaub zu nehmen. Begründet wird das mit dem Sicherheitsbedürfnis des Kindes, das andere Erwägungen in der Bedeutung übersteige.

Das Gericht gibt zwar zu, dass keine “konkrete Gefahr” besteht, aber die allgemeine Sicherheitslage, bedingt durch die jüngsten Terroranschläge am Bosporus, reiche aus, um eine Reise des Jungen zu untersagen. Würde man vergleichbare Kriterien auch bei Reisen in andere Länder anlegen, könnte man mit seinen Kindern nicht mehr sehr weit reisen: (more…)

23. 8. 2006

LSO behält die Nase vorn

Wie schon im LSO-Artikel „Comeback eines Fossils?“ vom 19.7.2006 vermutet, hat der frühere stellvertretende Premierminister aus der Zeit der Unabhängigkeit 1960, Antoine Gizenga, nach der Verkündung der ersten Wahlergebnisse der kongolesischen Präsidentschaftswahlen mit ca. 13% besser abgeschnitten als andere „Sonstige Kandidaten“ und den dritten Platz belegt. Der Marxist und Vorsitzende der Partei der Vereinigten Lumumbisten (PALU) wurde von anderen Medien im Vorfeld konsequent ignoriert. Die meisten Prognosen gaben den anderen Gegenkandidaten Präsident Joseph Kabilas – ausgenommen seinen schärfsten Rivalen Jean-Pierre Bemba – keine Chancen, mehr als 4% der Stimmen zu erhaschen! Andere Medien waren der Meinung, das Nzanga Mobutu, der Sohn des Ex-Diktators oder der vom Westen favorisierte Oscar Kashala mehrere Prozente holen. Selbst den ehemaligen Rebellenführer Azarias Ruberwa hat der alte Haudegen Gizenga hinter sich gelassen. Die Liberale Stimme hat genauer hingeschaut und sich nicht vom Mainstream-Blätterwald benebeln lassen. Genauer hinsehen lohnt sich, ihr Medien-Multis!

Kabila bekam übrigens ca. 45% der Stimmen, Bemba rund 20%. Es sieht also nach einer Stichwahl aus!

22. 8. 2006

Ende des Adoptionsmarathons

So einfach lässt sich der deutsche Staat (und auch der Staat im Allgemeinen) eben doch nicht an der Nase herumführen: Jürgen Hass ist in Paraguay wegen Urkundenfälschung und Verstoßes gegen das Adoptionsrecht inhaftiert worden. SpOn konkretisiert auch die Vorstrafe des Mannes, die er hier in Deutschland eingefahren hat: Es handelte sich offenbar um Rechtsberatung ohne die nötige juristische Ausbildung. Da ich zuvor gelesen hatte, er sei wegen Betrugs vorbestraft, hat er diese offenbar vorgetäuscht - oder die alten Quellen waren nicht so genau in der Recherche. Auf jeden Fall wird es wohl nix mehr mit den 1000 Adoptionen in das deutsche Sozialsystem.

16. 8. 2006

Hurra! Achmadinedschad jetzt auch in Englisch!

Die meisten Leser haben sicherlich schon vom neuesten Bewohner der Blogosphäre gehört: Mahmud Ahmadinedschad, der berühmt-berüchtigte Präsident des Iran, hat sich zu uns gesellt und führt nun sein eigenes Blog. Dass er sehr mitteilungsbedürftig ist, hat er ja schon mit den Briefen an diverse Staatsoberhäupter und Regierungschefs, darunter auch George W. Bush und unsere eigene Frau Merkel, bewiesen; jetzt also ein Blog, die direkteste Methode, über die er mit der Weltöffentlichkeit kommunizieren kann.

War dieses Blog aber bisher nur auf Farsi und Arabisch zu lesen, scheint er nun die Absicht zu haben, sich auch den Bewohnern anderer Länder in ihren jeweiligen Sprachen mitzuteilen. So existiert zumindest ein Blogeintrag, nämlich seine kurze Autobiografie, nun bereits in Englisch. Außerdem findet sich bei der Sprachauswahl auch bereits ein Button für eine französische Version, der aber leider noch nicht funktioniert. Wird wohl in den nächsten Tagen kommen.

Nach kurzem Überfliegen sollte man Herrn A. aber raten, sich entweder einen Übersetzer für die englische Version zuzulegen - oder aber, den zu feuern, den er bisher hat. Ist zwar kein Babelfish-Niveau, aber richtiges Englisch sieht auch etwas anders aus. Wesentlich flotter liest sich da das Weblog eines Konkurrenten in der iranischen Politik, Mohammed Abtahi, seines Zeichens ehemaliger Vizepräsident der Islamischen Republik (mit Dank an B.L.O.G.). Man kann von diesen Herrschaften ja nun halten, was man will (in meinem Falle: Nicht viel…), aber dass man im Internet nun direkt über ihre Gedanken und politischen Aussagen informiert wird, ist schon ein echter Fortschritt. Man stelle sich vor, es hätte früher schon das Pinochet-Blog oder die persönliche Website von Mussolini gegeben. “Il Duce privat” oder so… faszinierend.

14. 8. 2006

Leben in den USA

Abgelegt unter Außenpolitik, Yasar Mert

Ich bin derzeit geschäftlich in den USA unterwegs. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind das Land über welches sich die Geister uneinig sind: es scheint aber so zu sein, dass man es entweder liebt oder nicht viel für dieses Land übrig hat.

Ich persönlich möchte in keines der Kategorien eingeordnet werden. Es gibt Bereiche und Charakteristika dieses Landes und der hier lebenden Menschen welche mir gefallen und welche ich durchasu nachahmenswert finde. Gleichzeitig gibt es Vieles das mir nicht gefällt. (more…)

11. 8. 2006

Leichen sind nicht witzig

Ein “Medienkrieg” ist die Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah im südlichen Libanon. Das haben wir in den letzten Jahren immer häufiger gehört - eigentlich handelt es sich mittlerweile bei jedem bewaffneten Konflikt, an dem ein moderner, industrialisierter Staat beteiligt ist, um einen solchen. Es geht um die Macht der Bilder, um Deutungsmacht, um die richtige Beeinflussung der öffentlichen Meinung, zum richtigen Zeitpunkt, mit den richtigen Mitteln. Oder eben mit gefälschten Mitteln; denn immer, wenn Propaganda in der Kriegsführung eine entscheidende Rolle spielt, müssen eben auch einmal gefälschte oder gestellte Bilder sowie Fehlinformationen dazu herhalten, die richtigen Impulse in der Öffentlichkeit zu setzen.

Das beginnt mit Opferzahlen, die der libanesische Ministerpräsident zunächst zu hoch verkündet (40) und dann “leicht” nach unten korrigieren muss (auf ein Opfer, das aber natürlich immer noch zuviel ist). Es geht weiter mit der Suche nach möglichst wirksamen Motiven, die dann dramatisch in die Kameras der Weltpresse gehalten werden - und endet bei dem Reuters-Fotografen, der seine Fotos retuschiert, damit sie dramatisch genug erscheinen, um auch veröffentlicht zu werden. Oder jedenfalls wäre es schön, wenn es dort enden würde. Das ist aber leider nicht der Fall, denn in den letzten Tagen gab es noch eine ganz andere Diskussion: Die über ein Foto, auf dem einige der Leichen von Opfern des israelischen Angriffs auf Kana zu sehen sind. (more…)

9. 8. 2006

Ein China geht, das andere kommt

Abgelegt unter Kay Hanisch, Außenpolitik

Es wird einsam um Taiwan. Nur 25 Staaten weltweit erkennen die Inselrepublik als legitime Vertretung Chinas an. Seit letzter Woche sind es nur noch 24. Denn mit dem Tschad hat nun einer der wichtigsten Verbündeten Taiwans in Afrika die Fronten gewechselt und Beziehungen zur Volksrepublik China aufgenommen und gleichzeitig zu Taipeh abgebrochen. Auf der Inselrepublik führte das zu Verstimmung, schließlich bestand zum Tschad eine neunjährige freundschaftliche Beziehung und das Land hat erheblich von der finanziellen Unterstützung der Insel-Chinesen im Gesundheits-, Landwirtschafts- und Infrastrukturbereich profitiert. Was also veranlaßte den Tschad zu diesem Schritt?

Man muß wissen, daß seit 1990 ein gewisser Idriss Déby Präsident des Tschad ist. Früher Sicherheitsberater des Diktators Hissen Habre, hat er dessen Herrschaft mit einem kurzen Bürgerkrieg beendet. Idriss Déby gilt als gewitzter militärischer Stratege, aber nicht unbedingt als weitsichtiger Politiker. Mehrparteiensystem und unabhängige Presse verdankt der Tschad eher westlichem Druck als Débys überzeugtem Demokratieverständnis. Und der Mann mit dem Eddie-Murphy-Grinsen ist noch etwas: ein ausgemachter Ganove, der seinen Vorteil nie aus den Augen verliert. Seit der Tschad 2003 zu den ölfördernden Ländern gehört hat die Korruption Einzug gehalten, das Land gilt seither als eines der korruptesten der Erde. (more…)

4. 8. 2006

Auch Amerikaner nun eingeladen

Dialog International hat nun auch die amerikanischen Blogger eingeladen, sich am nächsten Carnival of German-American Relations zu beteiligen. Und auch dort sollen nicht-politische Themen eine Rolle spielen: David Vickney schlägt etwa vor, dass amerikanische Mitarbeiter deutscher Unternehmen etwas über ihre Erfahrungen mit der unterschiedlichen Wirtschaftskultur berichten - ein Thema, das auch für deutsche Beiträge zum Carnival (natürlich mit umgekehrten Vorzeichen) eine Rolle spielen könnte. Wir beide freuen uns auf eine Vielzahl von Beiträgen mit unterschiedlichsten Perspektiven.

Grüße über den Großen Teich, David!

2. 8. 2006

Irrtümer

Zwei Irrtümer zum Nahen und Mittleren Osten wurden heute ausgeräumt.

Erstens: Jemand spekulierte gestern, der Hisbollah seien schon längst die Raketen ausgegangen, sie sei mithin nur eine aufgeblasene Gefahr für Israel. Das stimmt wohl nicht - heute landeten 200 Hisbollah-Raketen auf israelischem Territorium, die größte Anzahl von Angriffen seit Beginn des Krieges. Das ist allerdings auch ein Hinweis darauf, dass die Zerschlagung der Hisbollah wohl doch nicht so gut funktioniert…

Zweitens: Nein, die Vernichtungsforderungen Ahmadinedschads gegenüber Israel sind keine persönliche, kaum ernstzunehmende Marotte eines Sonderlings, der nur zufällig Präsident geworden ist, und nein, die Mullahs scheinen nicht gewillt zu sein, ihn im Zaum zu halten. Jedenfalls verbreitet Ali Chamenei das gleiche Zeug.

31. 7. 2006

Was man sagen kann (Rebellen ohne Markt)

Diesen Beitrag zum Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel finde ich sehr lesenswert. Don Alphonso, wie man ihn sonst selten erlebt: Ohne seinen extremen Sarkasmus, ohne Kronleuchter und Stuckdecken, ohne hämische Attacken auf Leute, die andere Meinungen haben. Nur Analyse, nachdenklich und ausgewogen.

Karnevalsgastgeber

Die Liberale Stimme freut sich, Gastgeber für den nächsten Karneval der Deutsch-Amerikanischen Beziehungen (Carnival of German-American Relations) sein zu dürfen. Wir teilen uns diese Ehre mit dem US-Gastgeber Dialog International, wo David Vickrey verantwortlich zeichnet.

Die meisten unserer Leser wissen sicherlich, worum es bei dieser Aktion geht und wie sie funktioniert; für die, die noch nie davon gehört haben, folgt eine Erläuterung des Blogkarnevals an sich sowie dieser speziellen Aktion am Ende dieses Beitrages.

Für alle anderen möchte ich kurz anmerken, welche Vorstellungen und Wünsche ich mit unserer Rolle als Gastgeber verknüpfe - mit etwas Glück lässt sich ja das Eine oder Andere davon erreichen. Die bisherigen Carnivals of G-A Relations wurden in doppelter Hinsicht von bestimmten Gruppen von Bloggern dominiert - jedenfalls was die deutsche Seite anging. (more…)

26. 7. 2006

Ohnmacht

Abgelegt unter Außenpolitik, Yasar Mert

Viele von uns kennen dieses Gefühl: das Gefühl der Ohnmächtigkeit gegenüber einem schier übermächtigem Ereignis.

Ja - ich spreche von dem Krieg den Israel mit seiner hochgerüsteten Kriegsmaschine gegen das palästinensiche und libanesische Volk führt. Es geht nicht nur gegen die Hisbollah oder gegen die Hamas - allerdings ist das was uns die Medien glauben lassen wollen.
Nein - es geht um die Zerstörung der Zukunft und der Hoffnung von Tausenden von Kindern. Es geht darum, dass die israelische Kriegsmaschinerie sowohl palästinensische als auch libanesische Zivilisten (darunter viele nicht-Erwachsene) rücksichtslos mit der geballten Kraft ihrer Macht bombardiert. Diese zerbombadierten Menschen werden die zukünftigen Feindes Israels sein - es sei denn sie werden getötet. (more…)

Konsequenzen müssen folgen

Nach dem israelischen Beschuss einer Blauhelmanlage im südlichen Libanon hat UNO-Generalsekretär Kofi Annan schwerste Vorwürfe gegen Israel erhoben: Der Beschuss des Postens sei “offenbar vorsätzlich” erfolgt. Damit ist klar, dass nach der Untersuchung der Angelegenheit durch die internationale Gemeinschaft Konsequenzen folgen müssen. Sollte sich Annans Behauptung bestätigen, müssten ganz selbstverständlich Sanktionen gegen Israel folgen - ein Staat, der absichtlich Anlagen und Truppen der Weltgemeinschaft bombardiert, muss strikt und konsequent zur Rechenschaft gezogen werden.

Lassen sich seine Vorwürfe aber nicht belegen, dann wäre alles andere als ein sofortiger Rücktritt Annans eine Frechheit. Sein einseitiges Verhalten im bisherigen Nahostkonflikt war schon oft Thema, wenn etwa antizionistische Konferenzen von der UNO gesponsert und ausgerichtet wurden - von ihm persönlich geäußerte falsche Anschuldigungen dieser Größenordnung würden ihn als Oberhaupt der UNO untragbar machen.

So oder so, es muss Konsequenzen geben.

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