18. 9. 2006

Zweimal Werbung

So lange hier der Laden noch offen hat, will ich schnell noch zwei kleine Werbemaßnahmen vornehmen.

Zum Einen möchte ich noch einmal auf den Carnival of German-American Relations hinweisen, der jetzt noch genau eine Woche läuft. Ich weiß von einigen Leuten, dass sie gern noch einen Beitrag verfassen wollten, aber wie das so ist: Man vergisst und verschiebt es immer wieder. Also: Beeilt Euch! Und auch für die, die bisher noch nicht teilnehmen wollten, noch einmal eine Einladung: Es lohnt sich, beim Carnival seine Meinung einzubringen.

Der zweite Hinweis betrifft CoComment, ein nettes Tool, das es einem ermöglicht, seine gesammelten Kommentare durch die gesamte Blogosphäre auf einer Seite zu betrachten. Es funktioniert besser, wenn sich mehr Leute beteiligen, ist für mich aber jetzt schon eine große Hilfe. Auch, wenn es bei http://www.mehr-freiheit-wagen.de/ leider nicht funktioniert. :(

Schöne Grüße - und schaut doch mal bei B.L.O.G. vorbei. :)

13. 9. 2006

Bye, Bye My Love

Bye bye my love, du warst gut,
und eines, das ist kar,
ich werde dich nie, niemals vergessen,
denn die Nacht mit dir war schön,
bye bye my love, auf Wiedersehn.

Bye, Bye My Love, Bläck Föös

Über zweieinhalb Jahre sind schon eine verdammt lange Zeit - immerhin 45 Monate sind es nun, seit ich die ersten Artikel für die Liberale Stimme verfasst habe. Die Layouts wechselten ebenso wie die Mitautoren und die Webadresse, aber die Liberale Stimme Online begleitete mich durch einen ganzen Abschnitt meines Lebens. Eine Zeit, in der nur wenige Dinge konstant waren; nur mein Blog blieb durch alle Zeiten hindurch eine ständige Beschäftigung, die ich mehr und mehr lieb gewonnen habe. (more…)

23. 8. 2006

LSO behält die Nase vorn

Wie schon im LSO-Artikel „Comeback eines Fossils?“ vom 19.7.2006 vermutet, hat der frühere stellvertretende Premierminister aus der Zeit der Unabhängigkeit 1960, Antoine Gizenga, nach der Verkündung der ersten Wahlergebnisse der kongolesischen Präsidentschaftswahlen mit ca. 13% besser abgeschnitten als andere „Sonstige Kandidaten“ und den dritten Platz belegt. Der Marxist und Vorsitzende der Partei der Vereinigten Lumumbisten (PALU) wurde von anderen Medien im Vorfeld konsequent ignoriert. Die meisten Prognosen gaben den anderen Gegenkandidaten Präsident Joseph Kabilas – ausgenommen seinen schärfsten Rivalen Jean-Pierre Bemba – keine Chancen, mehr als 4% der Stimmen zu erhaschen! Andere Medien waren der Meinung, das Nzanga Mobutu, der Sohn des Ex-Diktators oder der vom Westen favorisierte Oscar Kashala mehrere Prozente holen. Selbst den ehemaligen Rebellenführer Azarias Ruberwa hat der alte Haudegen Gizenga hinter sich gelassen. Die Liberale Stimme hat genauer hingeschaut und sich nicht vom Mainstream-Blätterwald benebeln lassen. Genauer hinsehen lohnt sich, ihr Medien-Multis!

Kabila bekam übrigens ca. 45% der Stimmen, Bemba rund 20%. Es sieht also nach einer Stichwahl aus!

28. 7. 2006

Stöckchen

Ich habe bisher noch nie bei diesen Stöckchen-Spielen mitgemacht. Gut, das mag vor allem daran gelegen haben, dass mir auch noch keiner eines “zugeworfen” hat, hat aber auch damit zu tun, dass es mir wie eine Art Kinderspiel erscheint - vor allem, da die Fragen bei diesen Spielen oft recht oberflächlich sind und sich oft wiederholen. Darum habe ich eine ganze Weile überlegt, ob ich das Stöckchen, das “SoWhy?” mir zugeworfen hat, wirklich auffangen sollte. Immerhin gibt es so viel anderes, was ich hier schreiben will, und nebenbei habe ich auch noch viel zu tun…

Ich habe es aber dann doch getan, unter anderem, weil sich dieses Stöckchen mit einem interessanten blogwisssenschaftlichen Experiment verbindet - nämlich dem Stöckchentracker von DonsTag, der auch der Urheber dieses speziellen Stöckchens ist. Der Tracker macht den Verlauf des Stöckchenspiels sichtbar und erstellt damit eine Ausschnittskarte der deutschen Blogosphäre, die sichtbar macht, wer wo liest und mit wem in Kommunikation steht. Fast schon eine Art soziologisches Experiment, könnte man sagen. Und da ich an so etwas Spaß habe, apportiere ich also hier: (more…)

23. 7. 2006

Wieder zurück

Kay weilt derzeit noch in Schwerin, ich selbst bin gerade vom Nürburgring zurückgekommen - der Truck Grand Prix soll sehr nett gewesen sein, ich habe aber leider nicht sehr viel davon gesehen, weil ich hauptsächlich mit der Überschwemmung auf unserem Campingplatz zu tun hatte. Dieser kurze Trip hat mich vor allem in einer Meinung bestätigt: Nie wieder Camping.

Da sitze ich lieber in der trockenen Wohnung hier und blogge. Okay, hier hat es nicht so viele PS, und die Zahl der Menschen, die gute Stimmung verbreiten, ist auch geringer - aber zumindest bin ich nach dem Duschen nicht genauso matschverschmiert wie zuvor. Wie kann man es nur toll finden, in einem Zelt zu wohnen hausen? Kapier ich nicht.

14. 6. 2006

Ich wollte das ja nie…

Nein, wirklich, ich wollte nie einen Blogpost konstruieren, der einfach nur daraus besteht, einen besonders schrägen Google-Suchbegriff für unseren Blog zu posten. Ich wollte das weder tun, als man uns unter “Astronauten Empfängnis” gefunden hat, noch wollte ich uns damit rühmen, dass wir zu den Top 10 bei “Jacek und Placek” gehören (immerhin haben wir uns sehr mit der früheren Karriere der polnischen Politzwillinge beschäftigt).

Aber als ich gerade den heutigen Suchbegriff “Wie erkenne ich, dass eine Lesbe auf mich steht?” sah, da konnte ich mich doch nicht mehr halten. Google spinnt, oder? :)

10. 6. 2006

Slow Blogging

Da ich zu den Glücklichen gehöre, die im Rahmen der WM eine kleine, kurzfristige Beschäftigung als Ordner gefunden haben, wird es hier in den nächsten Tagen etwas langsamer zugehen. Gestern Gelsenkirchen - stundenlang bei strahlendem Sonnenschein vor dem Stadion stehen war angesagt, wir haben zehntausende von Getränkeflaschen, Batterien, Papierrollen und Riesenfahnen konfisziert und die immer gleichen Geschichten angehört, warum jemand trotz fehlenden Tickets “unbedingt” ins Stadion musste. Ob der Bruder oder die Freundin, alle warten drinnen schon auf unsere Helden, deren Tickets gestohlen oder verloren gegangen waren - und mancher hält den Ordnern auch mal einen 100-Euro-Schein hin. Nutzt aber alles nix…

Morgen haben wir unsere Heimveranstaltung hier in Köln, übermorgen gucke ich mir wieder die Schalke-Arena von außen an. Für morgen aber hoffe ich, dass unsere Kölner Volunteers (im Gegensatz zu denen in Gelsenkirchen) a) ausreichend vorhanden sind, b) auch tatsächlich erscheinen und c) auch das machen, was sie tun sollen. Ohne jemanden, der polnisch oder spanisch spricht und ohne Helfer, die ausländische, verwirrte Gäste begleiten, wenn wir sie zum Ticket Center oder sonstwo hin schicken, war unser Job nämlich kaum zu bewältigen. Dafür sollten die Volunteers da sein… Hallo apollon, vielleicht sehen wir uns dann ja morgen! :) Irrtum… :(

6. 6. 2006

In Bulgarien?

Offenbar war dieses Blog erfolgreicher, als ich je gedacht habe. Die Domain “www.liberale-stimme.de”, unter der wir früher zu erreichen waren, ist seit ein paar Wochen abgemeldet. Das lag vor allem daran, dass es Missverständnisse zwischen Nico Rehman (der die Domain angemeldet hatte) und meiner Wenigkeit gab - Nico hat das Blog nicht mehr beobachtet und wähnte es als erledigt, während ich fröhlich weiter gepostet habe. Er hat die Domain abgemeldet, darum sind wir nur noch über Blogsome zu erreichen… wie auch immer.

Der Witz an der Sache ist folgender: Kaum war die Domain weg (ich hatte darüber nachgedacht, sie für mich persönlich wieder anzumelden), da wurde sie auch schon neu registriert. Aber nicht von mir (oder einem der anderen LSO-Autoren), sondern von einer Firma aus Leipzig mit einem technischen Ansprechpartner in Bulgarien und einem Webhoster aus England. Was dort nun erscheint, ist der übliche Werbungsmüll, den man bei allen Domains findet, die offensichtlich durch Irrtümer oder Versehen nicht registriert wurden - oder die populären Domains ähneln. Dass außerdem noch ein mysteriöser Download gestartet wird, sobald man die Seite aufruft, macht die Sache noch suspekter.

Toll. Dass unsere Domain so begehrt wäre, habe ich nicht gedacht. Ein paar Dutzend Leser am Tag stellen offenbar schon einen Wert dar, dem man nachjagen muss. Ob ich jetzt versuchen sollte, die Domain unter Verweis auf das Namensrecht zurückzubekommen? Immerhin verlinken ein paar anderer Sites noch auf die alte Domain…

18. 5. 2006

Gefahr von Links (Report Mainz)

Offenbar steigt nicht nur die rechts-, sondern auch die linksextreme Gewalt an, wie der Report aus Mainz berichtet (via Externspeicher).

Und wegen solcher Leute ist es mir unangenehm, wenn Menschen im politischen Diskurs über Revolution sprechen. Ob das nun der Ver.di-Mensch ist, der vom “mangelnden revolutionären Potenzial in den Betrieben” spricht (ich habe ihn, so glaube ich, schon einmal erwähnt) oder “Che”, der hier in relativ abstrakter und theoretischer Art und Weise die Möglichkeiten der Enteignung im Falle einer Revolution im Kommentarbereich erörtert.

Ich habe keine Löschungen vorgenommen, obwohl die Diskussion gegen meinen Willen off-topic weitergeführt wurde - ich bitte aber darum, hier demnächst auf “revolutionäres” Gerede zu verzichten. Ganz freundlich, als Hausregel. In Ordnung?

17. 5. 2006

Noch mal die Blogroll

Und noch einmal habe ich unsere Blogroll überarbeitet. Der Grund dafür liegt zum einen darin, dass ich die Schwierigkeit einsehe, Blogger politisch zu beurteilen und in “Schubladen” zusammenzufassen. Bei einigen geht es leicht, bei anderen hingegen so schwer, dass das Unterfangen relativ sinnlos wird.

Zum anderen habe ich aber auch meine Ordner im Feedreader neu eingeteilt, um der wachsenden Zahl an Blogs Herr zu werden, und die neue Struktur schien dafür einfach besser geeignet. Ich unterteile nun nach der Frequenz, mit der ich selbst die entsprechenden Blogs lese. Manche lese ich täglich und vollständig, andere nur sehr oberflächlich, und wieder andere nur dann, wenn ich gerade viel Zeit habe. Diese Einstufungen sind flexibel und dürften sich durchaus im Laufe der Zeit ändern.

5. 5. 2006

Alles neu macht der Mai

Ich weiß, den gleichen Titel hatten sich auch einige Dutzend anderer Blogpostings. Dies soll auch kein berauschender Beitrag werden, sondern nur ein kurzer Hinweis:

Ich habe unsere Blogroll einmal kurz überarbeitet, angeregt durch Gedanken, die sich Dr. Dean und Martin Marheinecke gemacht haben. Denn dass es jenseits der üblichen stark vernetzten Liberalen, die sich im Umfeld der FDP oder “ökonomisch rechts” von ihr befinden, auch noch einige politisch orientierte Blogs gibt, die man als “links-” oder “sozialliberal” bezeichnen kann, da stimme ich Dean zu.

Nun gut, ich halte nicht alle, die er listet, für Linksliberale - viele von ihnen sind einfach nur links - trotzdem aber habe ich mich entschlossen, ab sofort “Rechtsliberale”, “Linksliberale” und “Libertäre” getrennt zu führen. Die Einstufungen nehme ich nach wie vor “frei Schnauze” vor, wer sich falsch eingestuft und/oder unfair behandelt fühlt, möge mir das mitteilen.

Liberal ist für mich jeder, für den die Freiheit der wichtigste Wert in einer modernen Gesellschaft ist. Wir mögen uns uneins darüber sein, was die größten Gefährdungen für diese Freiheit sind - “Rechtsliberale” fürchten vor allem den Staat, “Linksliberale” eher private Repressoren wir Monopolisten und autoritäre Organisationen. Dass aber Traditionen, Gleichheit und Sicherheit nicht den Vorrang vor der Freiheit haben sollten, darüber stimmen wir dennoch halbwegs überein. Oder sehe ich das falsch?

1. 5. 2006

Online-Demo Darfur: Rückblick

Die von der LSO gemeinsam mit der Atlantic Review und dem Extrablog angestoßene Online-Demo hat insgesamt 27 Einzel- und Teamblogs aus Deutschland, der Schweiz, Israel, Australien und den USA zusammengebracht. Bedauerlicherweise hat sich kein deutscher “A-List-Blogger” zu uns gesellt, dafür durften wir uns aber über einen Beitrag bei Daily Kos freuen, einem der größeren amerikanischen Blogs, der uns auch viele Leser von der anderen Seite des großen Teichs verschafft hat.

Neben den einfachen Teilnahmebekundungen durch Trackbacks oder das Einbinden unseres Buttons, über die wir uns bereits sehr gefreut haben, gab es auch einige kluge Beiträge, die sich mit dem Thema auseinandersetzten. Ich will hier kurz eine kleine Übersicht geben:

dointime von rückenwind meint, dass er zwar militärischen Interventionen skeptisch gegenübersteht, dass man aber bei solchen Gräueltaten auch nicht einfach tatenlos zusehen kann. Außerdem sei es wichtig, auch das “ganz alltägliche” Sterben in Afrika, durch Hunger und Krankheiten, nicht aus dem Blick zu verlieren.

Statler von Statler & Waldorf ruft dazu auf, auch mit Emails an die Bundeskanzlerin oder den Außenminister den Wunsch zu bekunden, dass sich Deutschland stärker in der Darfur-Frage engagieren soll.

C. Sydow berichtet bei Al-Sharq über die Bemühungen der Afrikanischen Union um eine Lösung des Konflikts sowie über neue Flüchtlingsströme aus dem Darfur.

jo@chim vom Antibürokratieteam stellt klar, dass die amerikanische Regierung gar nicht so sehr gedrängt werden muss, sich für eine Friedenstruppe zu engagieren - und dass es eher Druck aus Europa ist, der ihre diesbezüglichen Bemühungen bisher bremst.

Nichelle von Anovelista.com (Englisch) listet ebenfalls verschiedene Möglichkeiten auf, sich für eine Friedenstruppe einzusetzen, und berichtet über die Vorbereitungen auf die große Kundgebung in Washington. Sie bedauert aber sehr, dass sie in New York keine Demo finden konnte.

Bastian von Freie Gedanken hat einige Zahlen und Fakten zum Darfur-Konflikt sowie Links zu weiteren nützlichen Ressourcen gesammelt.

Sehr informativ ist der Beitrag von Omar Abo-Namous beim “Too Much Cookies Network”. Omar analysiert die Bezeichnung “Völkermord” für den Konflikt, kritisiert den Umgang der Medien mit dem Thema Darfur und erläutert, warum auch wir uns dafür interessieren sollten.

Marian Wirth von den Bissigen Liberalen Ohne Gnade gibt hingegen einen Überblick über die Haltung und Äußerungen der deutschen Regierung in Bezug auf den Darfur. Vor allem stört ihn die Tatsache, dass Deutschland sich zwar an der “politischen Showveranstaltung” der Kongo-Friedenstruppe beteiligt, den Darfur aber weitgehend ignoriert.

Wir möchten noch einmal von Herzen allen Beteiligten (und denen, die die Kunde weitergetragen haben) danken. Was wir tun konnten, war nicht viel, aber vielleicht haben wir einen kleinen Beitrag dazu leisten können, dass das Thema Darfur in Deutschland wieder stärker wahrgenommen - und vielleicht auch einmal angegangen wird.

27. 4. 2006

Clooney und der Darfur

Das Darfur-Protestwochenende in Washington wird wohl bereits am Freitag mit einer Kundgebung vor der sudanesischen Botschaft beginnen - die Vorbereitungen aber laufen schon auf Hochtouren, wie CNN berichtet. George Clooney, einer der Redner bei der Versammlung (auch ansonsten viele Künstler und Sportler - that’s America!), wurde schon einmal bei einer Pressekonferenz mit den Senatoren Brownback (Republikaner) und Obama (Demokrat) gesichtet, die sich ebenfalls mit dem Darfur-Problem beschäftigt.

Und auch hier im Internet läuft die Sache allmählich an - drei Tage vor dem Stichtag haben schon mehrere Blogs ihre Beteiligung gemeldet. Wir hoffen aber auf weitere rege Beteiligung.

FR-Online: “Das Gebot der Stunde”

Ich muss die Frankfurter Rundschau einmal loben: Ihr Onlineauftritt mausert sich immer mehr zu einer modernen Plattform heraus. Schon seit einer Weile gefällt mir die Kategorie “Blogosphäre”, in der der Blogger und Journalist Mario Sixtus eine Übersicht über die großen Themen derselben gibt. Transparency International, Neukölln, Popetown hießen die letzten Themen - zu jedem Thema sucht Sixtus eine Handvoll Blogbeiträge zusammen, sucht knackige Kernsätze heraus und fügt diese zu einem Gesamtkommentar zusammen. Natürlich nicht, ohne auch ordentlich auf die Beiträge (und in einem kleinen Kasten noch mal auf die Blogs) zu verlinken. Sehr gelungen.

Und dieses Lob hat natürlich überhaupt nichts mit dem aktuellen Beitrag der “Blogosphäre” zu tun. “Das Gebot der Stunde” beschäftigt sich mit der Kritik an Ursula von der Leyen, und irgendwie hat es auch meine Analyse von Grundgesetz und 10 Geboten dorthin geschafft. Ich fühle mich geehrt.

18. 4. 2006

Noch zusätzlich abgezockt

Abends um halb zehn klingelt das Telefon - auf der anderen Seite meldet sich eine freundliche junge Frau, die mir mitteilt, dass ich mich bei ihrem Unternehmen als Kurierfahrer beworben hätte. Gut, nach einer Arbeit suche ich ja tatsächlich (BAFöG allein ist schon sehr knapp), und ich habe in den letzten Tagen auch einige Kurzbewerbungen rausgeschickt. Aber als Kurierfahrer? Daran kann ich mich gar nicht erinnern.

Trotzdem stimme ich ihr erst einmal zu - vielleicht hat mich ja eine der Zeitarbeitsagenturen weitergereicht. Drei Stellen seien noch frei, und eine davon sei für mich reserviert, informiert mich die Dame. Erfreulich. Ich muss nur noch kurz ihren Kollegen anrufen, um die Details abzuklären - schon habe ich Zettel und Stift in der Hand.

Und dann kommt der Grund des Anrufes: “Der Anruf kostet Sie allerdings 5 bis 6 Euro, die sie aber zurückbekommen, wenn sie bei uns anfangen…”. Weiter kommt sie nicht, denn da habe ich schon aufgelegt. Bei einem solchen Gespräch hat ein Bekannter von mir vor zwei Wochen schon knapp 14 Euro versenkt - nur eine Arbeit hat er nicht bekommen.

Es ärgert mich schon genug, zu sehen, wie viele Leute arbeitslos sind, obwohl sie wirklich gerne arbeiten würden. Dass sich aber da draußen reichlich skrupellose Geschäftemacher herumtreiben, die an der Not dieser Leute noch verdienen und fleißige, motivierte Menschen zusätzlich abzocken, das lässt mir die Galle hochsteigen. Und es ist auch gesamtgesellschaftlich ein Problem - denn jede solche Erfahrung lässt den Mut, weiterzusuchen, sinken. Nicht einmal bei mir, aber mehr noch bei älteren Arbeitslosen, die es ohnehin schon schwer genug haben.

Doch das Handwerk kann man diesen Gaunern kaum legen. Der Anruf kam natürlich mit unterdrückter Nummer.

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