Auf meinen Beitrag “Ökumene des Hasses” merkte Boche folgendes an:
“Nichts desto trotz bleibt nun einmal der grundlegende Unterschied zwischen religiös begründeter Macht totalitären Ausmaßes und Lobbyismus in einem demokratischen und freiheitlichen Rechtsstaat.”
Das kann man wohl kaum bestreiten. Auch in einer anderen Hinsicht habe ich etwas vereinfachend verglichen: Während Ahmadinedschad ein rein weltliches Amt bekleidet, ist Robertson Priester Pastor (”Reverend”). Eine Google-Recherche ergab bisher keine Reaktionen hochrangiger religiöser Würdenträger muslimischen Glaubens, die Freude über Scharons Ableben geäußert hätten. Es handelt sich bei den entsprechenden Stimmen ausschließlich um politische Kräfte, vor allem aus dem totalitären und militanten Spektrum.
Ich stimme Boche also zu, dass Ahmadi-Nedjads Äußerungen ungleich bedrohlicher einzuschätzen sind, weil sie von einem Menschen mit Macht, nicht von einem mit Einfluss, geäußert worden sind. Der wildgewordene Präsident kann ungleich mehr Schaden anrichten als ein rein religiöser Führer, der keinerlei weltliche Befugnisse hat. Man sollte aber nicht vergessen, dass es auch in Amerika gelegentlich ähnliche Entgleisungen von ultrareligiösen Politikern gibt, die sich an Predigern wie Robertson orientieren. Auch Einfluss kann also gefährlich sein, vor allem, wenn er schleichend wächst.
Ich habe die Verbindung zwischen den beiden “Hasspredigern” hergestellt, weil ich davon überzeugt bin, dass man nicht nur auf Menschen aufpassen muss, die einen ermorden wollen, wenn man am Leben bleiben will. Manchmal wächst auch im Innern ein Geschwür heran - zunächst unsichtbar, später vernichtend. Und religiöser Fanatismus ist augenblicklich offenbar sowohl für umherstreifende Mörder als auch für Hetzer und Demagogen eine gute Grundlage.