Hirsch zur WM-Sicherheit
Via Feynsinn bin ich auf dieses Interview mit Burkhard Hirsch gestoßen, der sich mit dem Drumherum der Fußball-WM, der Datenerfassung und den extremen Sicherheitsmaßnahmen, beschäftigt. Wirklich lesenswert!
Via Feynsinn bin ich auf dieses Interview mit Burkhard Hirsch gestoßen, der sich mit dem Drumherum der Fußball-WM, der Datenerfassung und den extremen Sicherheitsmaßnahmen, beschäftigt. Wirklich lesenswert!
Als die Nachricht kam, dass der NPD-Aufmarsch zu Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Gelsenkirchen von der Polizei untersagt worden sei, freute mich das zugegebenermaßen schon. Ich nahm an, dass es dabei um einen der guten Gründe ginge, die zum Verbot einer solchen Versammlung führen können - etwa, dass ein bereits wegen Volksverhetzung verurteilter Demonstrant als Redner angekündigt worden sei oder dass die Polizei ernstzunehmende Hinweise auf geplante Ausschreitungen gesammelt hätte. Um so größer mein Erstaunen, als ich die eigentliche Begründung sah: Die Gelsenkirchener Polizei untersagt diese Demonstration, weil sie “das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland gefährdet”. Das mag zwar sein, trotzdem aber handelt es sich hier doch um einen glatten Verfassungsbruch - die Versammlungsfreiheit ist schließlich keine Geschmacksfrage, und die freiheitliche Ordnung, die sie garantiert, steht allemal höher als ein Verlust an Ansehen für unser Staatswesen! (more…)
Eigentlich finde ich die Aktion “Irrepressible” von Amnesty International, die sich gegen Internetzsensur wendet, ja sehr schön. Indem man auf allen möglichen Seiten Fragmente von Webseiten veröffentlicht, die von bestimmten Ländern zensiert werden, will man diese Zensur unterlaufen und ein “nicht unterdrückbares” Netzwerk kritischer Information etablieren. In der praktischen Umsetzung habe ich da aber noch erhebliche Zweifel.
Auf den teilnehmenden Webseiten sind nur Miniaturfragmente zu sehen, aus denen weder der Sinn des Textes zu erkennen ist, noch, von welcher Ursprungsseite sie überhaupt stammen. Erst, wenn man das Fragment anklickt, landet man auf der Seite “Irrepressible.info” und kann dort diese Informationen erhalten. Es ist aber doch für die Staaten, die tatsächlich Internetzensur betreiben, ein leichtes, auch “irrepressible.info” zu blockieren und damit die überall aufgefundenen Fragmente zu genau dem zu machen: Sinnlosen Fragmenten nämlich.
Damit steigert die Aktion zwar den Verbreitungsgrad der zensierten Informationen dort, wo ohnehin nicht zensiert wird - die Bewohner von Vietnam, China oder Tunesien werden aber doch beim Surfen im Web nicht einmal merken, dass sie hier Material vor sich haben, das in ihrem Land zensiert ist. Sinnvoller wäre es doch, schon im Skript entsprechende Anmerkungen zu machen, oder?
Trotzdem werde ich den Skript auch mal hier einbauen - sofern er funktioniert, denn ich habe auch schon von technischen Problemen gehört…
Ergänzung: Funktioniert wunderbar. :)
Okay, ich denke ja, als das letzte Mal ein Brauner von Österreich hierher kam, um hier einen riesigen Wirbel zu veranstalten, der mit Mord und Totschlag endete, hätte man ihn vielleicht auch besser rechtzeitig erschossen. Aber der Bär tut mir trotzdem leid. Der will ja auch nur leben…
Nachtrag: Beim FR-Blog war FreiRaum eine knappe Stunde früher mit ungefähr der gleichen satirischen Anmerkung - er hat aber auch noch mehr dazu zu sagen. Mist, hätte ich das doch gleich gestern gebloggt, als es mir einfiel…
Über die Frage einer nationalen Identität Deutschlands und den grenzdebilen Vorschlag, deutsche Lehrer sollten türkisch lernen, um sich mit ihren Schülern verständigen zu können, schreibt Adger bei der Tapirherde.
Offenbar steigt nicht nur die rechts-, sondern auch die linksextreme Gewalt an, wie der Report aus Mainz berichtet (via Externspeicher).
Und wegen solcher Leute ist es mir unangenehm, wenn Menschen im politischen Diskurs über Revolution sprechen. Ob das nun der Ver.di-Mensch ist, der vom “mangelnden revolutionären Potenzial in den Betrieben” spricht (ich habe ihn, so glaube ich, schon einmal erwähnt) oder “Che”, der hier in relativ abstrakter und theoretischer Art und Weise die Möglichkeiten der Enteignung im Falle einer Revolution im Kommentarbereich erörtert.
Ich habe keine Löschungen vorgenommen, obwohl die Diskussion gegen meinen Willen off-topic weitergeführt wurde - ich bitte aber darum, hier demnächst auf “revolutionäres” Gerede zu verzichten. Ganz freundlich, als Hausregel. In Ordnung?
Killerspiele müssen verboten werden, und zwar aus Gründen des Jugendschutzes, da sind sich die meisten Christ- und Sozialdemokraten vollkommen einig. Natürlich hat es nichts mit Propaganda zu tun, erst recht nichts mit einem Versuch, auf sich aufmerksam zu machen, zur Not auch mit einem völlig belanglosen und noch dazu unreflektierten Thema. Nein, es geht wirklich nur um den Schutz der Jugendlichen vor einer großen Gefahr für ihre Entwicklung.
Denn wie uns das “Leitmedium” mitzuteilen weiß, sind diese Spiele immer wieder für Gewalttaten und Massaker verantwortlich zu machen. Darum würde die BILD auch nie auf die Idee kommen, als redaktionellen Inhalt getarnte Werbung für ein indiziertes Spiel zu machen. Niemals. Im Leben nicht. Oder vielleicht doch?
Ganz abgesehen von der Unglaubwürdigkeit, die die Zeitung hier wieder einmal präsentiert, bleibt auch noch die Frage, inwieweit eigentlich das Werbeverbot für jugendgefährdende Computerspiele unterlaufen werden darf, indem man diese einfach als Bericht tarnt. Und die, welche Anzeigen für jugendfreiere Produkte Electronic Arts wohl dieser Tage bei der BILD wohl so schaltet.
Die Julis beklagen sich, wie die Welt am Sonntag berichtet, über das neue Schulgesetz. Die “Ehrfurcht vor Gott” wird dort als eines der “vornehmsten Erziehungsziele” festgeschrieben, was den Jungen Liberalen verständlicherweise missfällt. Das zuständige Bildungsministerium aber kann immerhin auf die Landesverfassung verweisen - denn dort steht dieselbe Formulierung in Artikel 7 ebenfalls. Es handelt sich also eigentlich nicht um eine Änderung der Gesetzeslage, sondern nur um eine Textübernahme. Ob diese nun sinnvoll ist oder mehr dem Wunsch nach einer öffentlichen Diskussion geschuldet, bleibt offen; jedenfalls haben sowohl die Jusos als auch die Julis reagiert, wie es zu erwarten war. Offenbar aber, ohne vorher um eine Stellungnahme des Ministeriums zu bitten oder sich über die Sachlage mit der Verfassung zu informieren. Jedenfalls weisen weder die einen noch der andere auf die problematische Verfassungssituation hin. (more…)
Durch bloggnjus wurde ich auf eine Veranstaltung in meiner Heimatstadt Hamm aufmerksam, bei der Michel Friedman unter dem Thema “Freiheit ist mehr als ein Wort” einen Vortrag halten wird. Bloggnjus nützt die Gelegenheit, um schnell noch einmal die üblichen Attacken gegen Friedman loszulassen - es ist leicht, den Journalisten unter der Gürtellinie zu erwischen, zu leicht eigentlich schon; das war ja auch hier bei uns schon zu sehen. Der Blogger schließt mit den Worten:
“Bezeichnend auch das man nur unter Vorlage des Personalausweises zur Veranstaltung zugelassen wird. Seltsame Sache diese Freiheit.”
Warum das so ist, lässt sich leicht erklären, Herr Bloggnjus. Es hat etwas mit den erklärten Feinden der Freiheit zu tun, die einen wie Friedman eigentlich lieber tot sehen würden. In Hamm gibt es nämlich eine kleine, aber sehr aktive Gruppe von Neonazis, die immer wieder durch Aufmärsche und genehmigte wie ungenehmigte Aktionen auffällt. Sie integriert sich mehr und mehr in die landesweit aktiven Kreise, ihr Anführer wird auch gern als Redner bei Kundgebungen in anderen Städten eingeladen. Und diese Herrschaften haben eben eine Demonstration gegen Friedman angekündigt.
Wer möchte, findet die entsprechenden Informationen mit Googles Hilfe leicht bei den “Nationalen Sozialisten” selbst. Auch Indymedia hat das Thema natürlich schon aufgegriffen, denn wie immer, so bereitet die Antifa auch diesmal wieder eigene Aktionen vor. Auf jeden Fall aber erklärt sich so die Feststellung der Personalien, bevor man in die Räumlichkeiten des Veranstalters eingelassen wird; möglichen Ruhestörern oder gar Gewalttätern wird so deutlich gemacht, dass sie nicht unerkannt davonkommen werden. Nicht ganz unvernünftig, oder?
Nachtrag: Auch Lizas Welt erwähnt die angekündigten Demonstrationen der “Kameradschaft Hamm”. Wer möchte, kann dort auch die Webadressen der nationalen Herrschaften finden.
Adger hält ein entschlossenes Plädoyer gegen den Einsatz der Bundeswehr bei der Fußball-Weltmeisterschaft und hat auch eine ganze Reihe Links zum Thema zusammengetragen. Auf einige seiner Fragen wüssten wir auch schon gern eine Antwort…
Das Wohnzimmer von Angela Merkel stand im Visier einer Überwachungskamera, die auf dem Berliner Pergamon-Museum angebracht war. Während einer Reportage über das Museum demonstrierten die Sicherheitsbeamten, dass sie mit ihrem Spionagegerät mit Leichtigkeit einen Blick in die privaten Räumlichkeiten der Bundeskanzlerin werfen konnten - eigentlich keine große Überraschung, wenn man sich mit den Möglichkeiten aktueller Überwachungstechnik auskennt. Schwenk, Zoom, hohe Vergrößerungsleistung, all das ist für die modernen Geräte überhaupt kein Problem mehr. Und so ist es eben auch möglich, mit den Kameras völlig Unbeteiligte zu bespitzeln. Das darf man zwar nicht, aber wie die Wachleute des Museums bewiesen, ist zwischen gesetzlicher Regelung und der spannerhaften Realität ein gewaltiger Graben.
“Die Überwachungskamera wurde mittlerweile abgeschaltet”. Warum? In Deutschland existieren mittlerweile zehntausende solcher Kameras, die permanent benutzt werden können, um in den privaten Raum anderer Menschen einzudringen. Wo wir gehen und stehen, bespitzeln und kontrolliern uns zahlreiche “Little Brothers”, vom RFID-Tag bis hin zur ausgewachsenen Spionagekamera in Innenstädten. Auch diese können Wohnzimmer und andere private Räume erfassen - und werden sicher ebenso von gelangweilten Sicherheitsleuten dazu benutzt, die Privatsphäre unbescholtener Bürger zu verletzen.
Aber es hat eben nicht jeder von uns die Macht, das zu unterbinden. Angela Merkel schon.
“Wer sich nichts vorzuwerfen hat, der braucht sich an Kontrolle und Überwachung auch nicht zu stören”, so hört man oft und gern, vor allem von Frau Merkels Parteifreunden. Welche illegalen und/oder moralisch verwerflichen Aktivitäten sich wohl im Wohnzimmer der Kanzlerin entspannen? Denn wenn sie sich in dieser Hinsicht nichts vorzuwerfen hat, dann könnte die Kamera doch bleiben…
Wie der KStA heute unter Berufung auf den “SPIEGEL” berichtet, hat der Aktionskünstler Santiago Sierra sein Synagogenprojekt heute freiwillig beendet. Er habe die Ermordeten und Überlebenden durch seine Installation würdigen wollen, nicht beleidigen, so Sierra, dem man das durchaus glauben darf - auch, wenn es ihm auf grandiose Art und Weise misslungen ist, wie die Reaktionen jüdischer Organisationen zeigen.
Dass er aber selbst nun erläutert, er habe gar keine Gaskammer simulieren wollen, zeigt, wie schwach und missverständlich die Aussage seines Kunstwerkes eigentlich war. “Es sollte eine Begegnung mit dem eigenen Tod werden”, erklärte der Spanier sein Projekt - eine Deutung, die eigentlich niemand so recht erfasst zu haben scheint, weder Befürworter noch Kritiker. Und so lässt sich die ganze Geschichte auch abschließend zusammenfassen: Eigentlich wusste niemand so recht, worum es ging, alle haben mitdiskutiert, und am Ende sind wir nicht schlauer oder weiser als vorher. Sinnlose Kunst.
Das Hamburger Abendblatt macht darauf aufmerksam, welch komische Blüten der Sponsorenschutz der FIFA für die Fußball-WM treibt. Fotos müssen retuschiert, Herstellerangaben auf elektronischen Geräten abgeklebt und die Öffnungszeiten von Museen geändert werden. Sogar eine erneute Rechtschreibreform paukt der Weltfußballverband durch - was das alles noch mit Fußball zu tun hat, darüber darf man nun rätseln. Juristisch bedenklich sind diese Eingriffe auf jeden Fall.
Herzlichen Dank für die Links an den Hundeblick.
Da gestern ein wunderschöner Tag zum Fotografieren war, habe ich diesen auch genutzt und ein paar Fotos von der Synagoge in Pulheim-Stommeln gemacht. Da ein Betreten der Räumlichkeiten augenblicklich nicht möglich ist, sind es leider nur Außenaufnahmen. Das Projekt wirkt allerdings auch deutlich über das Innere der Synagoge hinaus - die Schläuche, die überall herumhängen, erinnern die Stommelner jeden Tag an die Installation und die durch sie ausgelöste Diskussion.
Außerdem möchte ich noch auf zwei andere Meinungen zum Thema aufmerksam machen. Der Bembelkandidat aus Mainhattan ist überhaupt nicht angetan von diesem Projekt und bezeichnet es als “Holocaust-Porno”. Gleichzeitig hat er eine hübsche Linksammlung zusammengestellt. Außerdem gibt es noch einen sehr ausgewogenen Kommentar von bazinho, dem die Wortwahl des Bembelkandidaten nicht so behagt, der aber auch große Bedenken gegen die Installation hat. (more…)
Die Fragen, die sich nach unseren Recherchen die Menschen in Pulheim stellen, beginnen sich langsam aufzuklären. Wie der Kölner Stadtanzeiger am Mittwoch berichtete, wurde die Installation des Spaniers Santiago Sierra von der Provinzial-Versicherung “unterstützt” - aber auch ins Stadtsäckel ist sehr tief gegriffen worden. 15.000 Euro, so berichtet die Zeitung, habe sich Pulheim die Aufsehen erregende Aktion kosten lassen. Und das in einer Stadt, die mittlerweile an allen Ecken und Enden spart. Ob Schreibmaterial für die städtischen Bediensteten oder die Förderung für Vereinsleben, Sport und Jugendarbeit, überall hat Bürgermeister Karl August Morisse entschlossen den Rotstift angesetzt. (more…)