16. 3. 2006

Tal der Wölfe - Irak

Zuerst in Yasar Merts Andalusien-Blog veröffentlicht

Eigentlich wollte ich keine persönlichen Kommentare mehr zu dem so genannten “Kampf der Kulturen” abgeben, welcher sich durch die perversen Karrikaturen offenbar gemacht habe (so viele Stimmen der die Meinungsfreiheit so liebenenden Presse in den meisten Länder der so genannten westlichen Welt). Aber die Attacken und unaufhörenden Beleidigungen die im Namen von Meinungsfreiheit und Demokratie an Menschen, welche anders denken und anders glauben, verübt und gutgeheißen werden zwingen mich zu einer Kommentierung. Insbesondere sind die seitenweise einseitigen Feuilleton-Beiträge zu dem türkischen Film “Tal der Wölfe - Irak” ein deutlicher Beweis der doppelten und der nur-sich-selbst-sehenden Moral der Intellektuellen und Politiker in Deutschland. Fing es doch mit Filmkritiken an so hat es in der Zwischenzeit den Gipfel mit dem Verlangen nach einem Verbot des Filmes erreicht (Edmund Stoiber in der “Welt am Sonntag”). (more…)

14. 3. 2006

Staatliche Aktionskunst

Zur breiten Diskussion um die Aktionskunst in der Synagoge von Pulheim-Stommeln lässt sich eigentlich nicht mehr viel beitragen - die Frankfurter Rundschau war so freundlich, eine breite Auswahl von Kommentaren zu präsentieren. Da ist etwa zu lesen, dass Ralf Giordano die Aktion des Spaniers Santiago Sierra als eine “Niedertracht sondergleichen” empfindet, Henryk Broder hingegen als eine “gigantische Geschmacklosigkeit”. Wo schon Christoph Schlingensief meint, die Aktion sei ihm “zu platt”, müssen sich wohl fast alle einig sein: Sie trifft nicht das Kunstempfinden der Allgemeinheit, vermutlich nicht einmal das einer nennenswerten Minderheit. Was Sierra tut, dient wohl eher der Erregung öffentlicher Aufmerksamkeit (die er ja auch selbst als Antrieb seines Treibens benennt). (more…)

12. 3. 2006

Zwei Jahre später (Der Shopblogger)

Abgelegt unter Innenpolitik, Lesetipps

Ein amüsantes Gedicht zum Thema Killerspiele hat der Shopblogger zu bieten.

6. 3. 2006

Schäuble und die Bundeswehr

Noch drei Monate bis zur Fußball-Weltmeisterschaft, und allmählich geht die Auseinandersetzung um neue Aufgaben für die Bundeswehr in die entscheidende Runde. Von Bürger- und Verfassungsrechtlern über die Gewerkschaft der Polizei bis hin zum Generalstab der Bundeswehr hält zwar niemand den Einsatz der Olivgrünen im Landesinneren für eine gute Idee, Innenminister Wolfgang Schäuble lässt sich dadurch aber nicht von seinem Vorhaben abbringen, genau das durchzusetzen. Und sein politisches Lobbying scheint sogar, langsam aber sicher, Erfolg zu haben. Jedenfalls hat Bundeskanzlerin Merkel sich bereits dafür ausgesprochen, im “Notfall” (man beachte: nicht “Katastrophenfall”) während der WM auch auf die Unterstützung der Bundeswehr zurückzugreifen, und auch Verteidigungsminister Franz-Josef Jung zeigte gestern in Presseinterviews erste Anzeichen eines Einknickens gegenüber Schäuble und den anderen Hardlinern innerhalb der Union. (more…)

9. 1. 2006

Ich schäme mich für die Gesinnungsfragen

Abgelegt unter Innenpolitik, Yasar Mert

Meine Geschichts- und Ethiklehrer waren die von mir am meisten geliebten Pädagogen während meiner Zeit auf dem Gymnasium. Ich hatte vor diesen beiden Herren großen Respekt wegen ihrem Wissen und ihrer Diskussionskultur. Des Weiteren hatten sie eine fesselnde Art und Weise der Wissensvermittlung von der ich heute noch schöpfen kann.

So weiß ich, dass folgender Ausspruch von Friedrich dem Großen war: „Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute die sich dazu bekennen, ehrlich Leute sind. Und wenn die Türken kämen und wollten hier im Lande wohnen, dann würden wir ihnen Moscheen bauen.“ Eine über 200 Jahre Aussage die heute fast ketzerisch und sarkastisch anmutet angesichts dessen wie mit den Muslimen – interessanterweise waren es schon damals mehrheitlich die Türken – in vielen Medien und nun staatlicherseits umgegangen wird. Es scheint als sähen wir erst die 20% des berühmten Eisberges! (more…)

30. 11. 2005

Killerspiele III

Zu meinem Posting über Killerspiele habe ich mittlerweile zwei Reaktionen erhalten. Neben Dr. Wiefelspütz, der sich ausdrücklich zu einem Verbot bekannt hat, äußerte sich auch der Oberstaatsanwalt a. D. und Bundestagsabgeordnete Jörg van Essen, in einem Statement, das ich hier veröffentlichen darf:

Sehr geehrter Herr Dürotin,

für Ihre E-Mail vom 20.11.2005 danke ich Ihnen. Ich kann nachvollziehen, dass Sie sich zum Thema “Verbot von Killerspielen” an den Bundestag wenden.

Zwar ist für die FDP-Bundestagsfraktion der angemessene und wirksame Jugendschutz, gerade auch im Bereich der Medien, ein wichtiges politisches Ziel. Aber wie Sie, bin ich skeptisch hinsichtlich der diesbezüglichen Pläne im Koalitionsvertrag von Union und SPD. (more…)

28. 11. 2005

Bereitwillig (->Lawblog)

Abgelegt unter Innenpolitik, Lesetipps

Da die bürgerlichen Freiheiten ja heute bereits Thema hier waren, noch ein kleiner Lesetipp zum Thema: Udo Vetter, der Lawblogger, hat einen Bericht über offenbar verdachtsunabhängige Durchsuchungen unbescholtener Jugendlicher ausgegraben. Ziel der Polizei war es wohl, dass sich die Schüler an ihren Schulen “nicht mehr sicher fühlen können”. Und man ist mit dem Ergebnis zufrieden.

Breitseite für Bürgerfreiheiten

Hach, was habe ich mir den Mund fusselig geredet, als ich Toll Collect noch für eine gute Idee hielt: “Nein, das Mautsystem wird ganz bestimmt nicht zur Überwachung der Bürger genutzt werden. Dafür ist es nicht gedacht, und das kann es eigentlich auch nicht. Außerdem gibt es da ja schließlich noch Gesetze!”. (more…)

24. 11. 2005

Mehr zu “Killerspielen”

BattlefieldWie der Quakehammer mitteilt, hat der “Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware” ein Statement zum Koalitionsvertrag und dem Verbot von “Killerspielen” herausgegeben. Das Statement wird vom Quakehammer in vollem Umfang wiedergegeben; kurz gefasst, verweist der Verband auf die bestehenden Regelungen des Jugendschutzes in Deutschland, der als strengster auf der ganzen Welt gilt, und macht besonders auf neue technische Lösungen aufmerksam, die den Kontakt von Kindern und Jugendlichen mit den entsprechenden Spielen erschweren wollen. (more…)

20. 11. 2005

Jugendschutz - oder Zensur?

Neu (30. November): Auf den folgenden Brief habe ich bereits Reaktionen erhalten. Die Antwort von Jörg van Essen findet sich hier.

Dr. Dieter Wiefelspütz, MdB
Laurenz Meyer, MdB
Jörg van Essen, MdB

via Mail

Sehr geehrter Herr Wiefelspütz,
sehr geehrter Herr Meyer,
sehr geehrter Herr van Essen,

ich wende mich an Sie als Bürger ihres Heimatwahlkreises, weil ich hoffe, dass Sie sich im Parlament gegen eine Umsetzung des ominösen “Verbotes für Killerspiele” einsetzen werden, das im Koalitionsvertrag festgehalten ist. Da ich selbst gelegentlich einmal zu einigen der meistkritisierten Computerspiele greife, kann ich nicht begreifen, worin die Bedrohung liegen sollte, die von diesen Spielen ausgeht. Auch jüngere Bekannte, für die diese Spiele ein wesentliches Hobby sind, weisen keine Symptome gesteigerter Aggression auf - oft ganz im Gegenteil. Amokläufer entstehen anders. (more…)

18. 11. 2005

Integrationsfragen (Kosmoblog)

Abgelegt unter Innenpolitik, Lesetipps

KosmoblogJa, diese Bundeszentrale für politische Bildung: Nach der Kontroverse um “Paradise Now” wird dort jetzt offenbar der Vorsitzende einer vom Verfassungsschutz beobachteten islamischen Vereinigung als Experte für Integration empfohlen. Ulrich Speck macht sich dazu so seine Gedanken und empfiehlt auch weitere Beiträge zum Thema.

Die lustige Sache mit der Wetterei

Gleich zwei Nachrichten aus der Welt der Wettbüros und Zockerkreise ließen in den letzten Tagen aufhorchen. Da war zum einen die Anhörung des Bundesverfassungsgerichts zum Thema Oddset, die in der letzten Woche die Gemüter bewegte. Mit was für Argumenten da das staatliche Wettmonopol verteidigt wurde! Slogans wie “Wer nicht spielt, hat schon verloren” sind nämlich keine “Werbung im eigentlichen Sinne”, sondern vielmehr “staatliches Verwaltungshandeln”. Da lacht sogar der oberste Verfassungsrichter Hans-Jürgen Papier, der in einem sehr einsichtigen Statement auch anmerkte, dass die Philosophie hinter dem Wettmonopol etwas von Ablasshandel hat: Der Staat profitiert von etwas, das er verdammt. Das sind zwei Anzeichen, die auf eine mögliche Liberalisierung des Glücksspiels hindeuten. Die Quoten dafür stehen 2:1, wie Matthias Kittmann von der FR recherchiert hat. (more…)

14. 11. 2005

Vom Monolog zum Dialog

Abgelegt unter Innenpolitik, Yasar Mert

Die Bundesrepublik (und auch Europa) benötigt eine neue Vision für das gesellschaftliche Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen

Es ist wieder passiert. Es wurde wieder über Sie und nicht mit ihnen gesprochen. Das wohlbekannte Muster der Anpassung fordernden Mehrheitsgesellschaft hat auch im Falle der Ausschreitungen in den französischen Städten funktioniert. Es ist eine Art chronischer Krankheit. Waren es doch zuvor die Kinder pakistanischer Einwanderer in Großbritannien oder die vermeintlichen Hassprediger in Deutschland, es sind nun die Kinder bzw. Enkel nordafrikanischer Einwanderer welche den Stein des Anstoßes darstellen. Sogleich treten hierzulande die wohlbekannten und so genannten Experten aus Politik und Medien a la Tibi oder Schönbohm hervor und prophezeien ähnliche Zuständen in Deutschland wenn nicht vorbeugend gehandelt werde. Sie sprechen über gesellschaftliche Gruppen die sie scheinbar nicht wirklich kennen. Sie vergessen, dass sie über einzelne Menschen sprechen – Menschen die eine Würde haben, Menschen die auch Achtung verdienen. Stattdessen werden Forderungen über Forderungen gestellt – reiner Populismus der vollkommen an den gesellschaftlichen Realitäten der Bundesrepublik vorbeigeht. (more…)

11. 11. 2005

Das Recht der Kalaschnikow (Telepolis)

Abgelegt unter Uncategorized, Innenpolitik

Mal wieder über das Antibürokratieteam stößt man auf einen Kommentar des französischen Philosophen André Glucksmann über den Aufruhr in Frankreich. Auch Glucksmann bemängelt, dass hier Gewalttätern von Soziologen und Intellektuellen ein einfaches Rechtfertigungsmuster für ihre Taten geliefert wird: “Die Revoltierenden in Frankreich stilisieren sich als Opfer. Unsere Soziologen liefern ihnen dafür auch wunderbare Rechtfertigungsgründe. Aber es bleibt trotzdem unwahr“.

8. 11. 2005

Apocalypso: Keine Apokalypse

Alan Posener rät davon ab, die Aufstände mit irgend einer Form von politischer Agenda in Verbindung zu bringen, und hält Testosteron für einen wesentlicheren Antrieb der Pariser Ereignisse:

“(…) Wenn man in einer von Flammen erleuchteten Nacht keuchend durch die Straßen seines Viertels rennen, den kühlen Wind in den Haaren und den Stein in der Hand spüren, für Augenblicke angesichts der wie Darth Vader eingekleideten Kräfte des Imperiums den beinahe sexuellen Kick der Todesangst und des Heldenmuts spüren kann - nun, so müßte man kein junger Mann, sondern eine Memme sein, wollte man dort nicht mitmachen, und ein vertrockneter alter Esel, begriffe man dieses Hochgefühl nicht.”

Die Lösung ist für ihn einfach: Knüppel raus. Ob man aber wirklich sagen kann, wenn keine der am Anfang genannten Ursachen als einzelne Antriebskraft zu erkennen ist, dann war es keine von ihnen? Oder könnte es nicht vielleicht doch ein Amalgam aus all dem Genannten sein - vermischt mit einer politischen Diskussion, die immer mehr der Gewalt das Wort redet?

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