11. 8. 2006

Leichen sind nicht witzig

Ein “Medienkrieg” ist die Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hisbollah im südlichen Libanon. Das haben wir in den letzten Jahren immer häufiger gehört - eigentlich handelt es sich mittlerweile bei jedem bewaffneten Konflikt, an dem ein moderner, industrialisierter Staat beteiligt ist, um einen solchen. Es geht um die Macht der Bilder, um Deutungsmacht, um die richtige Beeinflussung der öffentlichen Meinung, zum richtigen Zeitpunkt, mit den richtigen Mitteln. Oder eben mit gefälschten Mitteln; denn immer, wenn Propaganda in der Kriegsführung eine entscheidende Rolle spielt, müssen eben auch einmal gefälschte oder gestellte Bilder sowie Fehlinformationen dazu herhalten, die richtigen Impulse in der Öffentlichkeit zu setzen.

Das beginnt mit Opferzahlen, die der libanesische Ministerpräsident zunächst zu hoch verkündet (40) und dann “leicht” nach unten korrigieren muss (auf ein Opfer, das aber natürlich immer noch zuviel ist). Es geht weiter mit der Suche nach möglichst wirksamen Motiven, die dann dramatisch in die Kameras der Weltpresse gehalten werden - und endet bei dem Reuters-Fotografen, der seine Fotos retuschiert, damit sie dramatisch genug erscheinen, um auch veröffentlicht zu werden. Oder jedenfalls wäre es schön, wenn es dort enden würde. Das ist aber leider nicht der Fall, denn in den letzten Tagen gab es noch eine ganz andere Diskussion: Die über ein Foto, auf dem einige der Leichen von Opfern des israelischen Angriffs auf Kana zu sehen sind. (more…)

8. 8. 2006

Nun doch kein Verbot von “Killerspielen”

Jetzt findet sogar die Regierung nicht mehr, dass es notwendig sein könnte, die so genannten “Killerspiele” zu verbieten, wie Heise berichtet. Auf eine Kleine Anfrage der FDP antwortete das Bundesfamilienministerium mit einem klaren Statement: Der Jugendschutz funktioniere, so, wie er im Augenblick vorliege, ganz hervorragend - und für eine weitere Ausweitung der Gesetze sei kein Bedarf vorhanden.

“Im Bereich der Forschung zur Wirkung von Games und dem Zusammenhang von virtueller und realer Gewalt verweist das Jugendministerium schließlich auf ein breites Spektrum von Ergebnissen, das “von keinerlei Auswirkung über Aggressionssteigerung, Verrohung bis zum Aggressionsabbau” reiche”, berichtet Heise - eine Position, die Gegner einer Verschärfung und eines Verbots schon lange vertreten, nicht nur im Gegensatz zur Union, sondern auch zu SPD-Innenpolitikern, die sich ebenfalls für ein Verbot ausgesprochen haben. Die liberale Medienkommission fühlt sich zurecht bestätigt.

Via SoWhy Not?.

7. 8. 2006

Unmoderierte Foren

Mittlerweile sollte es sich doch herumgesprochen haben, dass man ein Forum nicht “einfach so” ins Netz stellen kann, ohne sich weiter darum zu kümmern. Blogger haben sich mit dieser Frage jedenfalls ausgiebig beschäftigt - manches reguläre Druckerzeugnis scheint aber bei der Administration seiner Webseite immer noch zu schlampen. Gut, am Wochenende kann man sich ja noch damit herausreden, dass die Redakteure schließlich nicht arbeiten. Aber dass am Montag Mittag die braune Soße von Freitag immer noch bei der Hamburger Morgenpost zu lesen ist, gibt schon zu denken. Ich würde meinen Namen jedenfalls nicht für so etwas hergeben wollen…

Andererseits… wenn man sich das gesamte Forum so anschaut, dann bin ich mir kaum noch sicher, ob da überhaupt jemals jemand reinschaut. Entweder, es kümmert sich keiner um das Forum, oder man teilt in der Mopo-Redaktion diese Ansichten. Ich hoffe auf Letzteres Ersteres (danke Klaus für den Hinweis).

via Volker Radke

Nachtrag: Mittlerweile (Montag Nachmittag) ist der Thread endlich entfernt, jetzt findet man vor allem hier weitere Judenhetze. Wer ungefähr wissen will, was in dem gelöschten Thread stand (und welche anderen “interessanten” Diskussionen das Mopo-Forum noch so schmücken), klickt zu Volker Radke.

14. 6. 2006

Echte Flitzer sind ganz anders

Natürlich waren auch die Flitzer ein ganz großes Thema unter den Sicherheitsleuten, die sich bei der WM als Ordner verpflichtet haben. Was wir alle aber völlig falsch eingeschätzt haben, war die Motivation dieser Menschen. Es geht das Gerücht, dass für einen dieser Flitzer, der das Spielfeld erreicht, große Summen auf dem Spiel stehen. 150.000 Euro, so sagt man sich, bieten manche Nicht-Sponsoren demjenigen, der mit einer Werbeflagge über das Spielfeld läuft. Klar, ein riesiger Werbeeffekt, der wohl den von manchem Unternehmen, das mit einem Millioneneinsatz zur Finanzierung der WM beiträgt, übertreffen würde. Wer wüsste schon noch, dass Gillette WM-Sponsor ist, wenn ein Flitzer mit einer Wilkinson-Flagge auf Millionen Fernsehbildschirmen erscheinen würde?

Keiner. Also erwarteten wir genau diese Art von Flitzern - bezahlte menschliche Werbeträger mit einem guten Vertrag in der Tasche. Aber ach, wie sehr sind wir doch alle von der Kommerzialisierung der Welt beeinflusst. Denn als die Kollegen in Berlin heute tatsächlich ein wenig versagt und einen Zuschauer aufs Spielfeld gelassen haben, da handelte es sich gar nicht um einen solchen bezahlten Flitzer - sondern nur um einen offenbar recht fanatischen Fan, der einerseits seine Begeisterung für Ivan Klasnic zeigen, andererseits aber auch seine eigenen 30 Sekunden Weltruhm erringen wollte. (more…)

30. 5. 2006

König der Blogger

Nach seiner wechselvollen politischen Karriere, die ihn seit 1941 vom „Gottkönig“ zum Gründer einer sozialistisch angehauchten Partei und zum Premierminister, später zum Staatspräsidenten und Guerilla-Führer und politischen Häftling sowie zum provisorischen Staatsoberhaupt und wieder zum König geführt hat, hat sich Kambodschas Ex-Monarch Norodom Sihanouk auch nach seiner Abdankung im Jahr 2004 und der Krönung seines Sohnes Norodom Sihamoni zum neuen König nicht komplett aufs Altenteil zurückgezogen.
In seinem Blog (www.norodomsihanouk.info) teilt der „Vater der kambodschanischen Unabhängigkeit“ der vernetzten Welt seine Ansichten über Politik, Hollywood und Gesellschaft mit. Sein Internet-Auftritt kommt dabei ohne großen technischen Firlefanz aus. Täglich ca. zwei Stunden arbeitet der 83-jährige Sihanouk an seiner Seite, in die auch schon einmal bekritzelte und eingescannte Notizzettel Eingang finden.
Die Seite hat täglich über 1.000 Besucher und ist in Englisch, Französisch und der Landessprache Khmer lesbar. Der früher nur als „Prinz Sihanouk“ (der Titel trifft nach seiner Abdankung nun wieder zu) bekannte Politsenior schreibt im Stil eines einfachen Journalisten und sieht sich selbst als „älterer Bürger, der keinerlei Amtsgewalt hat“. Dennoch hat sein Wort in Kambodscha noch großes Gewicht und auch die Medien greifen häufig auf seinen Blog zurück. (more…)

19. 5. 2006

Glückliches Ende

Beim Betrachten des vom Penny-Markt vertriebenen Toilettenpapiers kommt mir immer wieder die Frage, wie der Name “Happy End” wohl gemeint sein mag:

Ob es sich um das Ende des Verdauungsvorganges handelt, der unter Benutzung des Papiers einem (hoffentlich) glücklichen Ende zugeführt werden soll?

Oder vielleicht ist das vielzitierte “Ende” des menschlichen Körpers gemeint, im Sinne von “Wichtig ist, was hinten dabei rauskommt”? Hier entscheidet die Wahl des Toilettenpapiers ja tatsächlich über Glück und Unglück des Körperteils.

Möglicherweise ist es auch eine Anspielung auf die Eigenschaften eines Recyclingpapiers - als Toilettenpapier wird das zuvor vielgenutzte Zellulosematerial ja auch seinem Ende zugeführt. Aber ob das so glücklich ist?

Man weiß es nicht.

16. 5. 2006

Cat Content

Damit wir jetzt endlich mal ein richtiger Blog sind, hier auch mal etwas “Cat Content” in Form einer humorvollen Werbekampagne des Baumarktes Knauber:

“Knauber ist der Baumarkt, der auch Fische hat. Und Katzenfutter.”

9. 4. 2006

Uni Essen bewirbt Pornoseiten und Online-Casinos

Wer einen Blog oder ein Forum betreibt, dem ist wohl auch schon zu Ohren gekommen, welche Gefahr offene Kommentarsektionen darstellen können. Denn rechtlich verantwortlich für den Inhalt der abgegebenen Kommentare ist zunächst einmal der Betreiber der Website, wie er im Impressum genannt wird. Auch der Hinweis, man habe die Kommentare schließlich nicht selbst verfasst, prallt vor Gericht einfach ab: Der Betreiber ist verpflichtet, sie zeitnah (oder gar bereits vor der Veröffentlichung) auf ihre Legalität zu überprüfen und gegebenenfalls zu entfernen - tut er das nicht, so ist er für Gesetzesverstöße haftbar zu machen. Der Spreeblick sieht darin eine große Gefahr für die Existenz von Blogs und Foren im Allgemeinen.

Doch wie es mit dem öffentlichen Dienst so ist, versagt man dort häufiger daran, die Erwartungen selbst einzuhalten, die man an Privatleute stellt. Ein Beispiel dafür ist die “Porta Lingua” der Universität Essen, wo Neuigkeiten aus der Welt der Linguistik mit Hilfe des Mambo-Contentmanagementsystems zur Verfügung gestellt werden. Ähnlich wie das bei Bloggern beliebte WordPress erlaubt es auch Mambo, dass die Leser Kommentare zu den entsprechenden Beiträgen abgeben. Und ähnlich wie ein Blogger sollte daher wohl auch der Administrator dieser Webseite regelmäßig die Kommentare sichten und bearbeiten. Oder zumindest überhaupt irgendwann einmal.

Wie man aber auf dieser Seite leicht erkennen kann, ist das zumindest seit dem Juni des vergangenen Jahres nicht mehr geschehen. Seitdem sammeln sich nämlich die üblichen Spam-Kommentare, die auch jeder Blogger kennt. Vom Onlinecasino über Hardcore-Pornografie bis hin zu günstigen Hypotheken und diversen Mittelchen zur Erektionsförderung hat sich hier schon alles eingefunden. Und das unter einem Button “Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung”. Ob Frau Schavan wohl weiß, welche Glücksspiele und Pornos da mit Unterstützung ihres Ministeriums empfohlen werden?

7. 4. 2006

Werbung für Killerspiele?

Killerspiele müssen verboten werden, und zwar aus Gründen des Jugendschutzes, da sind sich die meisten Christ- und Sozialdemokraten vollkommen einig. Natürlich hat es nichts mit Propaganda zu tun, erst recht nichts mit einem Versuch, auf sich aufmerksam zu machen, zur Not auch mit einem völlig belanglosen und noch dazu unreflektierten Thema. Nein, es geht wirklich nur um den Schutz der Jugendlichen vor einer großen Gefahr für ihre Entwicklung.

Denn wie uns das “Leitmedium” mitzuteilen weiß, sind diese Spiele immer wieder für Gewalttaten und Massaker verantwortlich zu machen. Darum würde die BILD auch nie auf die Idee kommen, als redaktionellen Inhalt getarnte Werbung für ein indiziertes Spiel zu machen. Niemals. Im Leben nicht. Oder vielleicht doch?

Ganz abgesehen von der Unglaubwürdigkeit, die die Zeitung hier wieder einmal präsentiert, bleibt auch noch die Frage, inwieweit eigentlich das Werbeverbot für jugendgefährdende Computerspiele unterlaufen werden darf, indem man diese einfach als Bericht tarnt. Und die, welche Anzeigen für jugendfreiere Produkte Electronic Arts wohl dieser Tage bei der BILD wohl so schaltet.

Habermas meldet sich zu Wort

Jürgen Habermas gilt als einer der führenden Philosophen in Deutschland. So wird es auch in der Blogosphäre mit großem Interesse aufgenommen, wenn er sich über die Möglichkeiten und Auswirkungen des Internet als Kommunikationsmedium äußert, wie er es in seiner Dankesrede bei der Entgegennahme des Bruno-Kreisky-Preises getan hat (Der Standard veröffentlicht diese auch im Web). Der Teil der Rede, der sich direkt mit dem Internet auseinandersetzt, ist dabei relativ kurz; und auch, wenn er die Blogosphäre nicht explizit erwähnt, ist doch klar, dass er von ihr spricht: “Die horizontale und entformalisierte Vernetzung von Kommunikationen” dürfte wohl das sein, was wir Blogger täglich erleben.

Die entsprechenden Zeilen lassen sich in einfacheren Worten zusammenfassen: Den Vorteil an der Kommunikationsform Internet sieht Habermas darin, dass in totalitären Staaten das Monopol der Eliten auf Verbreitung von Informationen und Deutungsmacht gebrochen wird. Er erkennt aber auch einen Nachteil darin, dass hierzulande das Monopol der Eliten auf Verbreitung von Informationen und Deutungsmacht gebrochen wird. (more…)

2. 4. 2006

Ökologische Panikmache

Der deutsche Wald stirbt nicht - so sieht es jedenfalls der freie Wissenschaftsjournalist Heinz Horeis in einem Artikel bei NOVO, auf den ich über Tomislav vom Ökologismus-Blog aufmerksam wurde. Ausführlich beschäftigt dieser sich mit der Geschichte des so genannten “Waldsterbens”, analysiert den Umgang von Politik und Wissenschaft mit einer zu erheblichen Teilen gesteuerten und instrumentalisierten Kampagne. “Beim Waldsterben haben alle schlecht abgeschnitten – Wissenschaftler ebenso wie Politiker, Medien und Umweltverbände“, zu diesem Schluss kommt Horeis angesichts heutiger Daten und Beobachtungen sowie alternativer Meinungen kritischer Forstwissenschaftler. (more…)

20. 3. 2006

Sierra gibt auf

Wie der KStA heute unter Berufung auf den “SPIEGEL” berichtet, hat der Aktionskünstler Santiago Sierra sein Synagogenprojekt heute freiwillig beendet. Er habe die Ermordeten und Überlebenden durch seine Installation würdigen wollen, nicht beleidigen, so Sierra, dem man das durchaus glauben darf - auch, wenn es ihm auf grandiose Art und Weise misslungen ist, wie die Reaktionen jüdischer Organisationen zeigen.

Dass er aber selbst nun erläutert, er habe gar keine Gaskammer simulieren wollen, zeigt, wie schwach und missverständlich die Aussage seines Kunstwerkes eigentlich war. “Es sollte eine Begegnung mit dem eigenen Tod werden”, erklärte der Spanier sein Projekt - eine Deutung, die eigentlich niemand so recht erfasst zu haben scheint, weder Befürworter noch Kritiker. Und so lässt sich die ganze Geschichte auch abschließend zusammenfassen: Eigentlich wusste niemand so recht, worum es ging, alle haben mitdiskutiert, und am Ende sind wir nicht schlauer oder weiser als vorher. Sinnlose Kunst.

19. 3. 2006

Die FIFA hebt ab

Das Hamburger Abendblatt macht darauf aufmerksam, welch komische Blüten der Sponsorenschutz der FIFA für die Fußball-WM treibt. Fotos müssen retuschiert, Herstellerangaben auf elektronischen Geräten abgeklebt und die Öffnungszeiten von Museen geändert werden. Sogar eine erneute Rechtschreibreform paukt der Weltfußballverband durch - was das alles noch mit Fußball zu tun hat, darüber darf man nun rätseln. Juristisch bedenklich sind diese Eingriffe auf jeden Fall.

Herzlichen Dank für die Links an den Hundeblick.

16. 3. 2006

Tal der Wölfe - Irak

Zuerst in Yasar Merts Andalusien-Blog veröffentlicht

Eigentlich wollte ich keine persönlichen Kommentare mehr zu dem so genannten “Kampf der Kulturen” abgeben, welcher sich durch die perversen Karrikaturen offenbar gemacht habe (so viele Stimmen der die Meinungsfreiheit so liebenenden Presse in den meisten Länder der so genannten westlichen Welt). Aber die Attacken und unaufhörenden Beleidigungen die im Namen von Meinungsfreiheit und Demokratie an Menschen, welche anders denken und anders glauben, verübt und gutgeheißen werden zwingen mich zu einer Kommentierung. Insbesondere sind die seitenweise einseitigen Feuilleton-Beiträge zu dem türkischen Film “Tal der Wölfe - Irak” ein deutlicher Beweis der doppelten und der nur-sich-selbst-sehenden Moral der Intellektuellen und Politiker in Deutschland. Fing es doch mit Filmkritiken an so hat es in der Zwischenzeit den Gipfel mit dem Verlangen nach einem Verbot des Filmes erreicht (Edmund Stoiber in der “Welt am Sonntag”). (more…)

14. 3. 2006

Der Zombie

Kolumbiens Präsidenten Alvaro Uribe kannte ich bis zu den diesmaligen Wahlen eigentlich gar nicht. Ich muss zugeben, dass mir nach einem Studium der Presseberichte sein Lösungsansatz für die bewaffneten Guerillas, die sein Land bedrohen, gar nicht gefällt. “Die Linken abknallen, die Rechten begnadigen” scheint mir eine etwas einseitige Lösung - vor allem, da es eher die rechten Milizen sind, die der Weltgemeinschaft durch Drogenhandel und internationale Destabilisierung Gedanken machen. Insgesamt aber beschreiben ihn die meisten, die sich mit Kolumbien besser auskennen als ich, als einen integren Mann, der in seiner Heimat breites Vertrauen genießt. (more…)

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