Der “Focus” bringt ein interessantes Zitat von Edmund Stoiber, das dieser in einem Interview mit dem ARD-Morgenmagazin gebracht hat (es ging dabei um die Reform der Hartz-IV-Gesetze):
„Wir glauben, dass wir die Anreize zur Arbeitsaufnahme verschärfen müssen.“
Hier zeigt sich wieder einmal der großartige Doppelsprech der Großen Koalition. Denn dass man “Anreize” nicht “verschärfen” kann, sollte jedem klar sein - ebenso, wie es sehr schwierig werden wird, “ohne Kürzungen einzusparen” - ein weiteres Ziel der großkoalitionären Reformbemühungen. Wie das nun geschafft werden soll, darüber lassen sich augenblicklich keine Informationen finden; allein mit den “geringfügigen Nachjustierungen”, die offenbar beschlossen wird, kann man das nicht erreichen.
Doch zurück zum Stoiber-Zitat. Wie immer beim Doppelsprech ist es fast unmöglich, zu bestimmen, was Stoiber wirklich meint. Will er die “Anreize zur Arbeitsaufnahme verstärken”, also etwa dafür sorgen, dass ein Leistungsempfänger mehr von dem Geld, das er durch eigene geringfügige Berufstätigkeit erarbeitet, in der Tasche behalten kann? Oder soll der “Zwang zur Arbeitsaufnahme verschärft werden”, etwa durch weitere Kontrollen und schärfere Kürzungen beim Verdacht der Arbeitsunwilligkeit? Durch sein verquastes Zitat will er vermutlich Anhänger beider Möglichkeiten ansprechen und ihnen das Gefühl geben, er würde ihre Ansichten vertreten - angesichts der bisherigen Entscheidungen und Äußerungen aus der Union ist aber eher letzteres zu vermuten. Mehr Fordern, immer noch nicht fördern, das ist bisher die Maßgabe der schwarz-roten Arbeitsmarktpolitik.
Nachtrag: Mehr zum Thema “Anreize” hat vor einigen Tagen Paul beim Blogamt geschrieben.