4. 9. 2006

Kommt das Glühbirnenverbot?

Wenn es nach der grünen Europaabgeordneten Rebecca Harms geht, dann lieber früher als später: Sie fordert ein Verbot für herkömmliche Glühbirnen. Der Staat solle diese aus dem Verkehr ziehen, damit die Verbraucher gezwungen seien, auf Energiespar-Leuchtmittel umzusteigen. Sie trifft damit gut die neue Linie innerhalb der grünen Partei, die der Bundestagsabgeordnete Loske ausgegeben hat: Dieser fordert eine “Re-Radikalisierung” der Partei. (more…)

18. 7. 2006

Bürokratie meets Ökologismus

Baumsatzungen sind schon eine klasse Sache. Detailliert schreiben sie vor, wann und wie man welche Bäume fällen darf - die auf dem eigenen Grundstück, die man möglicherweise selbst gesetzt hat, wohlgemerkt. Wie etwa die Kiefer eines armen Hausbesitzers in Pulheim-Stommeln (Bericht: Pulheimer SonntagsPost), die schon seit einigen Jahren viel zu groß ist und nicht nur eine Belästigung für ihren Eigentümer darstellt, sondern auch Beschädigungen an der Straße hervorruft. Die Wurzeln drücken den Asphalt nach oben und zerstören Fahrbahn und Gehweg.

Als diese Schäden es vor einigen Jahren zum ersten Mal notwendig machten, dass die Straße aufwändig saniert werden musste, wollte der Kiefernbesitzer seinen Baum bereits fällen. Das aber wurde ihm aber von der Stadtverwaltung unter Hinweis auf die Baumsatzung verboten. Anstatt nun aber (wie viele andere es tun) die Kiefer einfach trotzdem abzusägen und das moderate Bußgeld in Kauf zu nehmen, hielt sich der Stommelner an diese Anweisung und ließ seinen Baum seufzend stehen. (more…)

29. 6. 2006

Im Supermarkt

Wer auch im reichen Deutschland einmal Menschen dabei beobachten will, wie sie sich wie wilde Tiere benehmen, die verzweifelt um ihr Überleben kämpfen, der stelle sich einmal bei Aldi hin und warte darauf, dass dort eine zweite Kasse geöffnet wird. Von Schubsen über Drängeln und Rammattacken mit Einkaufswagen ist alles vertreten, und sehr oft müssen die Blauhelme, äh, -hemden eingreifen, wenn sich Wortgefechte und Handgemenge bilden. Erschreckend.

4. 6. 2006

Gerüttelt, nicht gerührt

Als ich in der Zeitung las, dass vor kurzem die Stadtverwaltung Pulheim ein paar Leute über die Friedhöfe geschickt hat, um mit Hilfe einer Spezialmaschine an allen Grabsteinen zu rütteln, um diese auf ihre Standfestigkeit hin zu überprüfen, habe ich noch geschmunzelt. Der Vorgang erschien mir als eine außergewöhnlich alberne Beschäftigungstherapie für überflüssige städtische Bedienstete - wer sieht diese Grabsteine schon als eine Bedrohung für Leib und Leben an?

Gestern sah ich bei einem Besuch auf dem Friedhof eine der Markierungen, die die Prüfer auf den Grabsteinen hinterlassen und mit denen sie die Eigentümer darum bitten, sich mit der Friedhofsverwaltung in Verbindung setzen, damit der Stein wieder ordentlich befestigt werden kann. Ein einziges Schild auf dem ganzen Friedhof von mehreren hundert Gräbern ist wohl ein Beleg dafür, mit welcher Aufmerksamkeit und Liebe sich unsere Mitmenschen um das Gedenken ihrer Angehörigen kümmern. Wieder aber hatte ich das Gefühl, dass es doch eine gewisse Verschwendung öffentlicher Gelder ist, hier mit behördlicher Kontrolle zu arbeiten. Kann man doch davon ausgehen, dass in die Nähe der Grabsteine ohnehin nur diejenigen kommen, denen die Steine gehören, und dass diese durchaus ein Eigeninteresse daran haben, nicht unter einen umfallenden Stein zu gelangen. (more…)

31. 5. 2006

Ungewöhnliche Rabattaktion

Überall in den Innenstädten sieht man das gleiche Phänomen - nach und nach sterben die dort angesiedelten Läden aus, entweder, weil sie pleite gehen oder aber, weil sie ihren Standort in eines der überall aus dem Boden geschossenen “Malls” verlegen. Der wichtigste Grund dafür ist die Tatsache, dass es immer schwieriger, aufwändiger und unangenehmer wird, diese Läden mit dem Auto zu erreichen.

Einerseits ist es die Autofeindlichkeit moderner Innenstädte - “Autos raus aus dem Zentrum” ist ein beliebter Slogan, der vielfach aber auch ein “Menschen raus aus dem Zentrum” nach sich zieht. Seine Einkäufe kilometerweit zu tragen oder mit verstopften öffentlichen Verkehrsmitteln zu transportieren, gefällt eben nicht jedem. Zum anderen aber hat auch die immer beliebtere Parkplatzbewirtschaftung nebst einhergehender Abschaffung zahlreicher Parkplätze ihren Anteil daran. Dass es in vielen Innenstädten und Ortskernen entweder gar nicht mehr möglich ist, zu parken, oder dies ständig steigende Kosten verursacht, vertreibt die Kunden des Einzelhandels. (more…)

18. 4. 2006

Noch zusätzlich abgezockt

Abends um halb zehn klingelt das Telefon - auf der anderen Seite meldet sich eine freundliche junge Frau, die mir mitteilt, dass ich mich bei ihrem Unternehmen als Kurierfahrer beworben hätte. Gut, nach einer Arbeit suche ich ja tatsächlich (BAFöG allein ist schon sehr knapp), und ich habe in den letzten Tagen auch einige Kurzbewerbungen rausgeschickt. Aber als Kurierfahrer? Daran kann ich mich gar nicht erinnern.

Trotzdem stimme ich ihr erst einmal zu - vielleicht hat mich ja eine der Zeitarbeitsagenturen weitergereicht. Drei Stellen seien noch frei, und eine davon sei für mich reserviert, informiert mich die Dame. Erfreulich. Ich muss nur noch kurz ihren Kollegen anrufen, um die Details abzuklären - schon habe ich Zettel und Stift in der Hand.

Und dann kommt der Grund des Anrufes: “Der Anruf kostet Sie allerdings 5 bis 6 Euro, die sie aber zurückbekommen, wenn sie bei uns anfangen…”. Weiter kommt sie nicht, denn da habe ich schon aufgelegt. Bei einem solchen Gespräch hat ein Bekannter von mir vor zwei Wochen schon knapp 14 Euro versenkt - nur eine Arbeit hat er nicht bekommen.

Es ärgert mich schon genug, zu sehen, wie viele Leute arbeitslos sind, obwohl sie wirklich gerne arbeiten würden. Dass sich aber da draußen reichlich skrupellose Geschäftemacher herumtreiben, die an der Not dieser Leute noch verdienen und fleißige, motivierte Menschen zusätzlich abzocken, das lässt mir die Galle hochsteigen. Und es ist auch gesamtgesellschaftlich ein Problem - denn jede solche Erfahrung lässt den Mut, weiterzusuchen, sinken. Nicht einmal bei mir, aber mehr noch bei älteren Arbeitslosen, die es ohnehin schon schwer genug haben.

Doch das Handwerk kann man diesen Gaunern kaum legen. Der Anruf kam natürlich mit unterdrückter Nummer.

2. 4. 2006

Ökologische Panikmache

Der deutsche Wald stirbt nicht - so sieht es jedenfalls der freie Wissenschaftsjournalist Heinz Horeis in einem Artikel bei NOVO, auf den ich über Tomislav vom Ökologismus-Blog aufmerksam wurde. Ausführlich beschäftigt dieser sich mit der Geschichte des so genannten “Waldsterbens”, analysiert den Umgang von Politik und Wissenschaft mit einer zu erheblichen Teilen gesteuerten und instrumentalisierten Kampagne. “Beim Waldsterben haben alle schlecht abgeschnitten – Wissenschaftler ebenso wie Politiker, Medien und Umweltverbände“, zu diesem Schluss kommt Horeis angesichts heutiger Daten und Beobachtungen sowie alternativer Meinungen kritischer Forstwissenschaftler. (more…)

9. 3. 2006

Endlich ein Endlager

Nach jahrelangem Tauziehen ist es nun soweit: Deutschland hat ein erstes Endlager für radioaktive Abfälle. Die Lagerstätte im niedersächsischen Schacht Konrad bei Salzgitter ist nun offiziell genehmigt und durch Gerichtsverfahren abgesichert. Auch Umweltminister Gabriel geht nun bereits davon aus, dass das Endlager errichtet werden wird. Natürlich handelt es sich dabei nur um einen kleinen Schritt - als Lager für Atommüll aus Kraftwerken eignet sich der Schacht nicht, es dürfen nur gewisse Mengen schwach und mittelstark radioaktiver Abfälle eingebracht werden - sie entstehen vor allem in Krankenhäusern, bei der Forschung und in der Industrie. Trotzdem aber ist die endgültige Genehmigung einer der ersten größeren Siege der Vernunft in dieser Diskussion seit langem. (more…)

16. 1. 2006

Wo war Julija?

Groß war sie angekündigt worden - Julija Tymoschenko sollte eigentlich an der energiepolitischen Diskussion bei Sabine Christiansen teilnehmen. Wie viele andere, so freute auch ich mich darauf, von ihr einige Kommentare zur Gaskrise zwischen der Ukraine und Russland zu hören und vielleicht ein wenig Aufschluss über die Vorgänge dort zu erhalten, die immer noch sehr unklar sind. Doch Frau Tymoschenko sagte ihre Teilnahme kurzfristig ab. Da sie ohnehin nur per Konferenzschaltung hätte dabei sein sollen, kann es sich wohl kaum um terminliche Gründe gehandelt haben; wahrscheinlicher ist politischer Druck. (more…)

9. 11. 2005

Atomkonsens bleibt erhalten

Schlechte Nachrichten für Energiepreis und Wirtschaft, sollte man meinen: Der Atomkonsens, den die rot-grüne Regierung ausgehandelt hat, wird auch von der Großen Koalition unverändert übernommen. Das bedeutet, dass es nach wie vor das Ziel ist, 2021 den letzten deutschen Atomreaktor abgeschaltet zu haben. Doch ganz so schnell sollte man das Thema nicht abhaken - denn wie auch die Atomkraftgegner immer wieder betont haben, gehen die vereinbarten Restlaufzeiten meist bis an den Rand der technischen Lebensdauer der Atomanlagen. Es werden also überwiegend Reaktoren abgeschaltet, die ganz unabhängig von ökologischen Erwägungen ohnehin zu alt wären; da kann man sich kaum widersetzen.

Auf der anderen Seite hat die Koalition aber die Haltung zur Modernisierung und zum Ausbau nuklearer Energienutzung korrigiert. Die Erforschung neuer, sichererer Atomkraftwerke soll nicht nur erhalten, sondern sogar noch ausgebaut werden. Und ob Deutschland sich angesichts der kommenden Energiekrise aus ideologischen Gründen weigern wird, seine selbst entwickelten, sicheren Energiequellen zu nutzen, darf man bezweifeln. Also sind wir vielleicht bei der nächsten oder übernächsten Runde neuer Reaktoren wieder dabei? Hoffnung besteht jedenfalls, da auch noch in dieser Legislaturperiode ein neues Gesetz zur Entsorgung radioaktiven Mülls verabschiedet werden soll.

Mehr zu den Koalitionsverhandlungen bei der Süddeutschen.

26. 10. 2005

The Fight over Wireless (Slate)

Das Slate Magazine beschäftigt sich mit Wireless LAN und der Verwirklichung flächendeckenden drahtlosen Netzzugangs:

The Fight Over Wireless

Der Autor Adam Penenberg wirft unter anderem die interessante Frage auf, ob man den drahtlosen Zugang als öffentliche oder marktorientierte Dienstleistung anbieten sollte. Offenbar gibt es in den USA bereits eine ganze Reihe von Kommunen, die ein öffentliches W-LAN-Netzwerk errichten wollen. Von solchen Überlegungen ist man im technikfeindlichen Deutschland aber natürlich noch weit entfernt. Elektrosmog und so.

21. 10. 2005

Sperrt die Hühner weg!

Chicken Run

Mit Dank an tholmes.free.fr

Addendum (24. Oktober): Boche von den “Bissigen Liberalen ohne Gnade” hat eigenes Federvieh, das er selbst wegsperren musste. In diesem Eintrag macht er sich Gedanken, ob den Hühnern vielleicht die liberale Gesinnung fehlt, kämpfen sie doch gar nicht gegen die neue Gefangenschaft…

30. 9. 2005

Politischer Einfluss

Ökologismus.de analysiert ein US-Senatshearing zur Wissenschaftspolitik: Politischer Einfluss

8. 9. 2005

Einkaufen rund um die Uhr

Der Kapitalismus-Blogg freut sich auf die neue Regierung: Einkaufen rund um die Uhr

1. 9. 2005

Who cares about the Flutopfers?

Wir alle haben auf Jürgen Trittin eingeschlagen, ohne eines zu bedenken: Als er seinen Artikel für die Frankfurter Rundschau schrieb, konnte er noch gar nicht wissen, welche Folgen Hurrikan “Katrina” haben würde. Darauf macht “lautgeben” aufmerksam, in: Who cares about the Flutopfers?

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