Auf zur Produktionsquote!
Der Markt für alkoholfreie Erfrischungsgetränke in Deutschland, das weiß wohl jeder, wird von zwei Unternehmen aus den USA dominiert. Die süße Brause von Coca-Cola und Pepsi ist hier, wie in beinahe allen Ländern der Erde, der Renner. Entsprechende deutsche Produkte leiden seit Jahrzehnten unter geringer Akzeptanz beim Kunden, was der heimischen Wirtschaft erheblich schadet.
Doch nicht mehr lange - in einer Versammlung des deutschen Bundestages sprechen jetzt Vertreter deutscher Getränkehersteller vor, und auf ihr Drängen hin beschloss die rot-grüne Mehrheit, in Zukunft eine Quote für deutsche Cola einzuführen. Mindestens 35% der verkauften Erfrischungsgetränke muss von deutschen Herstellern produziert worden sein - kaufen die Kunden zu viel amerikanische Cola, sollen die Supermärkte diese so lange aus den Regalen nehmen, bis die Quote der deutschen Produktion wieder die geforderte Höhe erreicht. Man setzt zunächst auf den guten Willen des Einzelhandels, doch auf Dauer wird auch eine gesetzliche Vorschrift nicht ausgeschlossen.
Klingt das absurd, eher wie ein schlechter Scherz, allenfalls mit Vorbildern aus sozialistischen Zeiten? Natürlich tut es das, und doch ist es nicht so weit von der Realität entfernt. Man ersetze einfach die Cola durch ein anderes Produkt, die kommerzielle Musik, und schon wird aus einem albernen Gedankenspiel die bittere Realität des deutschen Bundestages.
Weil es deutschen Musikern offenbar nicht gelingt, den Geschmack der Zuhörer zu treffen, will man diesen in Zukunft vorschreiben, dass sie zumindest ein Drittel einheimische Kompositionen zu hören haben. Ein weiterer Schritt der Heuchelpolitik unserer Regierung, die ja parallel auch in der scheinheiligen “Alcopop-Debatte” noch einmal nachlegt.
“Hier geht es um die heimische Wirtschaft”, wie auch Marcel Auermann, der Kommentator der “Heilbronner Stimme” (www.stimme.de), richtig erkennt. Ob es dafür allerdingst “höchste Zeit” wurde, wie er meint, ist eine andere Frage. Die von ihm erwähnten Beispiele anderer Länder, die eine ähnliche Quote bereits eingeführt haben, stammen überwiegend aus dem frankophonen Bereich. Und dass die Franzosen ihre Sprache mit Gewalt vor jeglicher Entwicklung schützen, symbolisiert ja nicht nur der “Ordinateur” (frz. für “Computer”, in offiziellen Texten vorgeschrieben). Mit wirtschaftlichen Argumenten hat das wenig zu tun.
Auch bei der gewählten Formulierung “in Deutschland produzierte Musik” merkt man eine andere Zielsetzung als im Falle der Franzosen. Denn in Deutschland sitzt ja mit Bertelsmann eines der größten Unternehmen der Medienbranche, das darüber hinaus auch einen nicht unerheblichen Teil der englischsprachigen Musik der Erde produziert. Erzeugnisse der Bertelsmann-Musikfabriken würden damit die Quote erfüllen, irische Volksmusik oder französische Chansons nicht. Und vom billigen Castingschrott kann man auch reichlich aus deutsch produzierten Reservoirs schöpfen - Dieter Bohlen lässt grüßen.
Gängelung der Konsumenten, eine einseitige Vertretung der Interessen bestimmter Unternehmen, die als “staatstragend” betrachtet werden, eine unheilvolle Verquickung von Planwirtschaft und Deutschtümelei - wieder einmal zeigen sich jene Elemente des nationalen Sozialismus, die die Schröder-Regierung prägen. Dass ein solcher Schritt der deutschen Musik kaum helfen wird, sondern im Gegenteil auch diejenigen deutschem Musiker zu “Quotenhuren” abklassifiziert, die bereits heute erfolgreich sind, muss hinter den Interessen der Phono-Bosse zurücktreten, mit denen sich der Kanzler gern auf Bällen und Kongressen ablichten lässt.









