9. 9. 2006

Rückkehr des Lehrgeldes

Früher, in der “guten alten Zeit”, war es ja so, dass sich Ausbildungsbetriebe keine Gedanken über die Höhe der Ausbildungsvergütung machen mussten. Ganz im Gegenteil, damals war es noch üblich, dass ein Auszubildender nicht nur umsonst für den Lehrherrn arbeitete, sondern sogar selbst noch Geld bezahlte, das so genannte “Lehrgeld”. Dieses ist in Deutschland zwar mittlerweile durch das Berufsbildungsgesetz abgeschafft, unser lieber Gesetzgeber ist aber gerade dabei, es durch die Hintertür wieder einzuführen. (more…)

5. 9. 2006

Die Geschichte vom kleinen roten Huhn (Der Shopblogger)

Eine schöne Fabel hat der Shopblogger umgeschrieben.

21. 8. 2006

Eigeninitiative nicht erwünscht

Wer erst einmal arbeitslos ist, für den ist die Motivation sehr gering, sich durch eigene Initiative zumindest teilweise aus seiner Lage zu befreien. Die Alternative lautet Vollverdienst - oder Vollfinanzierung durch den Staat. Etwas dazwischen gibt es eigentlich nicht. So werden im Augenblick von jedem Zuverdienst zwischen 100 und 800 Euro 80%, von darüber hinausgehendem Zuverdienst sogar 90% wieder abgezogen. Im Ergebnis steht also ein (ehrlicher) Arbeitsloser, der geringfügig beschäftigt ist, kaum besser da als sein Gegenpart, der den ganzen Tag nur zuhause auf eine neue Vollzeitstelle wartet. Besser geht es nur denjenigen, die durch Schwarzarbeit Zuverdienste erwirtschaften.

Diese desolate Lage, die zur Demotivierung vieler Arbeitsloser beiträgt, will Vizekanzler Müntefering nun noch intensivieren. Ihm sind diese Zuverdienstgrenzen nämlich noch zu großzügig bemessen. Wenn es also nach unserem Arbeitsminister geht, dann wird schon sehr bald jede Motivation der Arbeitslosen, eine noch so kleine Beschäftigung anzunehmen, dahin sein. Und zwar, weil diese Form des Kombilohns “so nicht geplant gewesen sei”. Was genau daran schädlich ist, war der Reuters-Mitteilung leider nicht zu entnehmen.

Müntefering widerspricht mit dieser Initiative den Forderungen seines Parteichefs Kurt Beck, der derzeit fordert, dass Leistung sich wieder lohnen müsse und der soziale Aufstieg erleichtert werden müsse. Münteferings Absichten hingegen führen zu einer Zementierung sozialer Grenzen - entweder völlig vom Staat abhängig oder ein Job, der alleine den Lebensunterhalt trägt. Zwischenlösungen sind da nicht erwünscht. Insgesamt tendiert der ehemalige SPD-Vorsitzende zu einem dritten Arbeitsmarkt für benachteiligte Arbeitnehmer (Kranke, Behinderte, Drogenabhängige), der vermutlich seinem Ministerium unterstehen würde…

12. 8. 2006

Das Auto des Chefarzts

Hm, vielleicht ist doch was dran an der Theorie, dass Ärzte zu wenig Geld verdienen. Wenn sie ihren Mercedes schon gegen das hier eintauschen müssen:

Dann sind die Streiks wohl doch nicht ganz unberechtigt…

1. 8. 2006

Gute Nachrichten vom Mobilfunkmarkt

Ich mag E-Plus, weil sie die ersten sind, die tatsächlich Schluss machen mit der ständigen Subventionierung von Handys. Irgendwie habe ich es nie eingesehen, überhöhte Telefonkosten zu bezahlen, damit irgendwelche Kids jedes Jahr ein neues Handy mit sich herumschleppen und Siemens, SonyEricsson, Motorola und Nokia ihren Aktionären wieder von einem wachsenden Markt für Mobiltelefone in Deutschland berichten können. Denn die Preise, die man hierzulande für mobiles Telefonieren bezahlt (hat), haben nur wenig mit den tatsächlichen Kosten des Netzbetreibers zu tun - und dafür sehr viel mit den Kosten für all die Handys, Playstations und Wochenendreisen, die man als Dreingabe bei Abschluss eines Vertrages bekam.

Zu Beginn war das vielleicht sinnvoll, um den Markt überhaupt erst einmal ins Rollen zu bringen - denn wer kein Handy hat und auch keines bezahlen kann, der schließt auch keinen Vertrag mit einem Handy-Provider ab. Doch im Laufe der Zeit wurde dieses System zu einem Anreiz für die Gerätehersteller, auf Produktqualität völlig zu verzichten (wen stört schon, dass das Handy nach spätestens 24 Monaten seinen Geist aufgibt, wenn man zu diesem Zeitpunkt eh ein neues Handy geschenkt bekommt?) und stattdessen das Geld lieber in Werbekampagnen zu verpulvern (wenn alle kostenlosen Schrott anbieten, gewinnt der, der den meisten Radau macht). Sowohl ökologisch wie auch ökonomisch auf Dauer eine sinnlose Entwicklung.

Wie oft haben sich die Netzbetreiber früher schon darauf geeinigt, ab sofort mit dieser unsinnigen Praxis Schluss zu machen? Immer wieder sprach man sich ab, und immer wieder hielt sich keiner daran - wer weiter Handys verschenkt, nimmt den Anderen Marktanteile ab, da war man sich einig. Vor allem, da auch keiner der Netzbetreiber die Gesprächskosten entscheidend senken wollte - den Subventionsabbau wollte man ja eigentlich zur weiteren Steigerung der ohnehin oft utopischen Gewinnspannen nutzen. Und somit blieb alles beim Alten.

Mit der Einführung des BASE-Tarifs hat E-Plus dieses Kartell als erstes Unternehmen der Branche durchbrochen. Die Flatrate hält zwar den Umsatz bei E-Plus konstant, gibt aber die Möglichkeit, fast beliebig zu telefonieren, ohne ständig über die Kosten nachzudenken. Der Haken: Man bekommt eben kein Handy mehr geschenkt. Das gleiche gilt für die Prepaid-Angebote des Unternehmens, die ebenfalls ohne neues Telefon, dafür aber mit günstigen Preisen daherkommen. Und dass ausgerechnet diese Angebote nun für eine sehr positiven Entwicklung des Unternehmensgewinns verantwortlich sind, zeigt, dass die Strategie ankommt und Erfolg hat.

Wie gesagt, ich finde das sehr gut.

30. 7. 2006

Wir stellen ein

Die ganze Misere des deutschen Arbeitsmarkt in einem Foto, aufgenommen bei Lekkerland in Frechen:

Na gut, nicht die ganze Misere. Die bekäme man wohl erst, wenn ein Schild “Wir entlassen” daneben stünde. Aber wer würde sich das schon trauen? Gerling? Die Allianz? Wohl kaum.

29. 7. 2006

Discounterdichte

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die Anzahl verfügbarer Standorte für Discounter in Deutschland allmählich etwas knapp wird. Mittlerweile hocken die ja schon unmittelbar aufeinander:

Links Aldi, rechts Lidl… da kann man sich ja gar nicht entscheiden. :(

26. 7. 2006

Abgeordnetenmandat und Doppelfunktion

Überaus faszinierend, was sich da im Gefolge der gescheiterten Beschäftigung von Norbert Röttgen als Geschäftsführer des BDI so entwickelt. Vornweg gesagt: Ich bin davon überzeugt, dass das Mandat eines Abgeordneten ein Vollzeitjob ist, neben dem es kaum möglich sein darf und kann, noch allzu viele Nebenbeschäftigungen auszuüben. Wenn jemand Erfahrungen aus der Wirtschaft, aus Sozialverbänden, Gewerkschaften oder der Verwaltung mitbringt, ist das wunderbar. Neben dem Mandat aber noch einen zweiten, dritten oder gar vierten Job auszuüben, wie es Oliver Luksic nicht nur akzeptiert, sondern sogar noch fordert, halte ich für einen Betrug am Wähler. Zum einen, weil sich dadurch oftmals tiefgreifende Interessenkonflikte auftun, vor allem aber, weil man das Mandat nicht erhalten hat, um es dann wie ein eher lästiges Hobby zu behandeln: Es ist die primäre Aufgabe des Abgeordneten, und wer das nicht so sehen mag, hat im Parlament nichts zu suchen. Dazu hat die Tagesschau übrigens auch ein gutes Interview mit Ulrich Müller von Lobbycontrol gebracht.

Nun aber zur aktuellen Diskussion über die Doppelfunktion. Dort gibt es nämlich schon dicht unter der Oberfläche einiges, was das leichte Kratzen zu einer lohnenden Angelegenheit macht. (more…)

8. 6. 2006

Sozial gerechtes Erben

Wenn die Große Koalition ihre Pläne zur Reform der Erbschaftssteuer so umsetzt, wie sich Peer Steinbrück das so vorstellt, dann sehe ich eine große neue Rationalisierungswelle auf die deutsche Wirtschaft zukommen. Jeder ältere Unternehmer, der sich kurz- oder mittelfristig mit dem Gedanken an ein mögliches Ableben und die Erbschaftssteuern seiner Nachkommen auseinandersetzen muss, wird sich beeilen, schnell ein paar Arbeitsplätze abzubauen. Hauptsache, es sind nicht zu viele Mitarbeiter, die man dem Sohn, Schwiegersohn oder Neffen überlässt - besser ein paar weniger als eigentlich benötigt, dann kann man nach der Übergabe der Firma ja immer noch wieder Leute einstellen, und vielleicht stellt sich ja heraus, dass die kleinere Zahl es mit entsprechendem Druck auch noch schafft, die benötigte Arbeitsleistung zu erbringen.

Ich stelle mit zwei Unternehmen mit jeweils 75 Mitarbeitern vor, deren Eigentümer schwer krank sind und bald sterben werden. Beide stehen im starken Wettbewerb - aber während Unternehmer A direkt 25 Mann herauswirft, baut Unternehmer B keine Arbeitsplätze ab, sondern lebt lieber eine Weile lang von der Substanz, aus Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Mitarbeitern. Beide sterben, und ihre Erben übernehmen die Geschäftsführung. Erbe A steht gut da: Nicht nur, dass er noch die Rücklagen der Firma zur Verfügung hat, er kommt auch die nächsten 10 Jahre ohne weitere Entlassungen aus und spart sich dabei noch die Erbschaftssteuer. Erbe B hingegen bekommt ernsthafte Probleme: Weil nach seiner Übernahme der Unternehmensführung die Rücklagen erheblich angegriffen sind, muss er ebenfalls 8 Leute entlassen. Entschlossen kämpft er weiter, versucht, keine weiteren Leute zu entlassen - doch nach 5 Jahren verschwinden noch einmal 8 Mitarbeiter. Am Ende der 10 Jahre beschäftigt er mit 59 Leuten zwar immer noch mehr als Erbe A, hat aber im Gegensatz zu diesem 15% der Erbschaftssteuer bezahlt. Ob diese dann ausreicht, um die Bürokratie zu finanzieren, mit der beide Unternehmen nun auf die Erhaltung der Arbeitsplätze kontrolliert werden, bleibt fraglich.

Ist das gerecht? Ist das sinnvoll? Und vor allem: Setzt das die Anreize, die man eigentlich beabsichtigt hatte - oder ist es nur ein weiteres Produkt aus der Politikschmiede “Mit heißer Nadel”?

31. 5. 2006

Ungewöhnliche Rabattaktion

Überall in den Innenstädten sieht man das gleiche Phänomen - nach und nach sterben die dort angesiedelten Läden aus, entweder, weil sie pleite gehen oder aber, weil sie ihren Standort in eines der überall aus dem Boden geschossenen “Malls” verlegen. Der wichtigste Grund dafür ist die Tatsache, dass es immer schwieriger, aufwändiger und unangenehmer wird, diese Läden mit dem Auto zu erreichen.

Einerseits ist es die Autofeindlichkeit moderner Innenstädte - “Autos raus aus dem Zentrum” ist ein beliebter Slogan, der vielfach aber auch ein “Menschen raus aus dem Zentrum” nach sich zieht. Seine Einkäufe kilometerweit zu tragen oder mit verstopften öffentlichen Verkehrsmitteln zu transportieren, gefällt eben nicht jedem. Zum anderen aber hat auch die immer beliebtere Parkplatzbewirtschaftung nebst einhergehender Abschaffung zahlreicher Parkplätze ihren Anteil daran. Dass es in vielen Innenstädten und Ortskernen entweder gar nicht mehr möglich ist, zu parken, oder dies ständig steigende Kosten verursacht, vertreibt die Kunden des Einzelhandels. (more…)

29. 5. 2006

Mit aller Härte locken

Der “Focus” bringt ein interessantes Zitat von Edmund Stoiber, das dieser in einem Interview mit dem ARD-Morgenmagazin gebracht hat (es ging dabei um die Reform der Hartz-IV-Gesetze):

Wir glauben, dass wir die Anreize zur Arbeitsaufnahme verschärfen müssen.

Hier zeigt sich wieder einmal der großartige Doppelsprech der Großen Koalition. Denn dass man “Anreize” nicht “verschärfen” kann, sollte jedem klar sein - ebenso, wie es sehr schwierig werden wird, “ohne Kürzungen einzusparen” - ein weiteres Ziel der großkoalitionären Reformbemühungen. Wie das nun geschafft werden soll, darüber lassen sich augenblicklich keine Informationen finden; allein mit den “geringfügigen Nachjustierungen”, die offenbar beschlossen wird, kann man das nicht erreichen.

Doch zurück zum Stoiber-Zitat. Wie immer beim Doppelsprech ist es fast unmöglich, zu bestimmen, was Stoiber wirklich meint. Will er die “Anreize zur Arbeitsaufnahme verstärken”, also etwa dafür sorgen, dass ein Leistungsempfänger mehr von dem Geld, das er durch eigene geringfügige Berufstätigkeit erarbeitet, in der Tasche behalten kann? Oder soll der “Zwang zur Arbeitsaufnahme verschärft werden”, etwa durch weitere Kontrollen und schärfere Kürzungen beim Verdacht der Arbeitsunwilligkeit? Durch sein verquastes Zitat will er vermutlich Anhänger beider Möglichkeiten ansprechen und ihnen das Gefühl geben, er würde ihre Ansichten vertreten - angesichts der bisherigen Entscheidungen und Äußerungen aus der Union ist aber eher letzteres zu vermuten. Mehr Fordern, immer noch nicht fördern, das ist bisher die Maßgabe der schwarz-roten Arbeitsmarktpolitik.

Nachtrag: Mehr zum Thema “Anreize” hat vor einigen Tagen Paul beim Blogamt geschrieben.

10. 5. 2006

Ausbildung zu teuer?

Gestern Abend im Fernsehen (ARD, glaube ich) beschäftigte sich ein Kurzbeitrag mit den Kosten der Ausbildung und der Höhe der Ausbildungsvergütung. Zu sehen war auch ein Interview mit einem hohen IHK-Funktionär, der versuchte, den aktuellen Mangel an Ausbildungsplätzen mit der Ausbildungsvergütung zu erklären: Diese sei schlicht und einfach zu hoch, sie müsste dringend gesenkt werden.

Komisch, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmer, die tatsächlich ausbilden, zumeist ganz andere Klagen hören lassen. Die Höhe der Vergütung spielt für die meisten von ihnen keine große Rolle; denn für diese bekommen sie ja eine Gegenleistung, die im Falle eines engagierten und motivierten Azubis akzeptabel ausfällt. Ohne Gegenleistung sind hingegen die Gebühren und Verwaltungskosten, die die IHK dem Arbeitgeber für einen Azubi in Rechnung stellt - und hier hört man auch schon deutlichere Klagen, die die IHK selbst aber natürlich verschweigt und durch Beschwerden über das Vergütungsniveau zu tarnen versucht.

Das größte Problem aber, darüber sind sich fast alle Ausbildungsbetriebe einig, ist das kontinuierlich abfallende Leistungs- und Bildungsniveau der Auszubildenden. Immer weniger von ihnen sind von der Schule angemessen aufs Berufsleben vorbereitet worden. Oft fehlen hinreichende Deutschkenntnisse (ob nun bei Migranten oder Alteingessenen), vielfach auch mathematische und soziale Fähigkeiten. Die Ausbildung wird dadurch oft erschwert und der oben angesprochene Gegenwert, den der Ausbilder erhält, reduziert.

Aber ist es nun die richtige Antwort darauf, die Ausbildungsvergütung zu reduzieren? Das bezweifle ich doch sehr.

5. 5. 2006

Die Mär von Onkel Dagoberts Erben

Über die falsche Angst vor dem „Angstsparen“

Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst des „Angstsparens“. Nachdem wir im vergangenen Jahr bereits Franz Müntefering auf eine spannende Exkursion ins bunte Reich der Tiere begleiten durften, haben Politiker und einige Voodoo-Ökonomen seit einiger Zeit einen weiteren Schuldigen für die deutsche Malaise ausgemacht: den Konsumenten. Der nämlich, anstatt seinen staatsbürgerlichen Pflichten nachzugehen und den Schlager „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“ zu seinem Lebensmotto zu machen, nimmt sich unpatriotischerweise die Frechheit heraus, sein Geld lieber zu horten. Daran, dass wir Exportweltmeister sind, so die wohlbekannte Argumentation dieser Tage, sähe man doch, dass Deutschland keine Strukturprobleme hätte. Unser Problem sei vielmehr, dass wir die eigene Lage so über alle Maßen schlecht reden, dass es irgendwann tatsächlich jeder glaubt, woraufhin die Bürger in Angstpsychosen verfallen und sich an jeden Cent klammern. Die Warnungen der Griesgrame und Miesepeter würden so zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Die beste Wirtschaftspolitik müsste demnach wohl in der Zwangsverabreichung von Glückshormonen bestehen. (more…)

18. 4. 2006

Ohne Verzögerung?

Na, das ist ja mal wieder ein genialer Plan: Der SPD-Arbeitsmarkexperte Klaus Brandner hat mal wieder die Arbeitsunwilligen als größtes Problem der deutschen Wirtschaft ausgemacht. Klar, wenn diese Faulenzer nicht wären, dann hätten wir morgen schon wieder Vollbeschäftigung. Aber Brandner geht noch über diese üblichen Aussagen hinaus, mit denen sich immer wieder Politiker Zustimmung erheischen: Er hat einen Plan, wie man die Unwilligen erkennen kann. Und wie sieht der aus?

Der WELT hat Brandner seinen Plan vorgestellt. Er lautet: “Diejenigen, die Leistungen beanspruchen, sollen ohne zeitliche Verzögerung Angebote von Trainingsmaßnahmen, Arbeitsgelegenheiten oder konkreten Stellen bekommen“. Eigentlich ja eine tolle Idee - indem man den Arbeitslosen möglichst schnell vermittelt, kann man feststellen, ob er wirklich an Arbeit oder nur an Leistungen interessiert ist. Gedanken macht mir dabei nur eines: Warum gibt es denn überhaupt eine zeitliche Verzögerung, bevor die Arbeitslosen Angebote erhalten? Sind diese Angebote nicht ohnehin die wichtigste Aufgabe der Bundesagentur für Arbeit? Und sollte man sie nicht eher dafür kritisieren, dass es ihr bisher offenbar nicht gelang, schnell und effizient die Vermittlungstätigkeit aufzunehmen - anstatt in diesem Zusammenhang wieder einmal auf imaginäre Faulenzer einzuschlagen?

16. 3. 2006

Wien und Chicago - zwei Wege nach Rom

Innerhalb des libertär-liberalen Lagers kämpfen seit langem zwei ökonomische Schulen um die Meinungsführerschaft. Auf der einen Seite steht die Chicago School mitsamt den zahlreichen aus ihr hervorgegangenen, wie den Supply Siders und der Public Choice - Schule, auf der anderen Seite steht die Österreichische Schule. Da die „Austrians“ zweifellos die konsequenteren Marktwirtschaftler sind, gelten sie gerade vielen Libertären oft automatisch als die „besseren Liberalen“. Ganz angebracht ist das nicht, denn in den vergangenen Jahrzehnten war es die Chicago School, die die größeren Verdienste in der Verbreitung marktwirtschaftlicher Ideen für sich reklamieren konnte. Beide Schulen zerfallen jeweils in eine Hauptlinie und verschiedene Seitenlinien, die sich oft deutlich voneinander unterscheiden. Auf diese einzugehen würde hier den Rahmen sprengen. In einer vereinfachten Betrachtung soll trotzdem die Frage angeschnitten werden, welche Schule in welchen Bereichen ihre Vorzüge hat. (more…)

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