Ich will, dass er auf ewig Schulden abbezahlt…
…geht das für 1,6 Milliarden Euro im Jahr?
Die Werbekampagne, für die die Deutsche Steinkohlenwirtschaft derzeit massive Summen aus ihren Subventionen abzweigt, um für eben diese Subventionen zu werben, kann jedem Bürger dieses Landes nur wie ein Schlag ins Gesicht erscheinen. Nicht genug, dass wir auf eine unwirtschaftliche, ineffektive und verschwenderische Art wenige Arbeitsplätze mit hohen Summen erhalten, nein, wir müssen auch noch dafür aufkommen, dass man uns das als „Zukunftsentscheidung“ verkauft.
Für wie dumm hält die DSK eigentlich die Bewohner ihrer Steinkohlenreviere, die seit Jahrzehnten zusehen, wie ihre Zechen und ihre Arbeitsplätze allmählich wegsterben? Glaubt sie wirklich, dass die Leute nicht bemerken, dass diejenigen, die einen dieser Arbeitsplätze ergattern, immer weniger und weniger davon haben? Gerade hier in Hamm sieht man die Plakate allerorten – doch sollte man nicht erwarten, dass man besonders hier im Revier keiner Aufmunterung bedarf, um die Kohle zu unterstützen?
Die Erklärung hierfür macht auch klar, warum die Gewerkschaften angesichts dieser riesigen Verschwendung – einer Werbekampagne, die sicher keinen weiteren Kunden zum Kauf von Steinkohle animieren wird – nicht aufschreien. Beide, Subventionsgewinnler wie die Vertreter der Kumpel, spüren, dass die Unterstützung für ihre Kapitalvernichtungsmaschine schwindet. Im Ruhrgebiet, wo die Menschen früher blind den Versprechungen vertrauten, schon geringe Subventionen würden ihre Arbeitsplätze für die Ewigkeit absichern, sitzen heute fast alle ehemaligen Bergleute auf der Straße. Dass die Summen, die man Unter Tage versenkt hat, beim Strukturwandel fehlten, wird ihnen heute schmerzlich bewusst.
Also ist das gesamte System gefährdet – denn wenn die Kohlelobby schon an Rhein und Ruhr sowie im Saarland immer mehr die Unterstützung verliert, wie soll man dann erst einen Münchner oder Hamburger von der Notwendigkeit dieser Transfers überzeugen? Wohl gar nicht, und genau darum setzt die Kampagne auch in traditionellen Steinkohlegebieten an, wo man auf Unterstützung aus einem Reflex heraus hoffen kann.
Dabei wendet sie sich aber längst nicht mehr an die Kumpel, die in den Stollen und Gruben arbeiten und die Kohle aus dem Berg holen. Sie wirbt nicht mehr für ihre Jobs, denn das scheint wohl auch den Verantwortlichen beim Kohlemarketing etwas hohl und abgeschmackt. Stattdessen versucht man, mit Hetze gegen alternative Energieformen (so wird angedeutet, Solarenergie liege schon bei Regen still) und arg geschönten Statistiken (20€ im Jahr werden schon ein hübsches Sümmchen, wenn man sie pro Kopf rechnet) die Zukunftssorgen der Deutschen für die Subventionen nutzbar zu machen. Dass diese Subventionen ganz entscheidend für die aktuell düsteren Zukunftsaussichten mit verantwortlich sind, wird verschwiegen.
Überhaupt wendet sich die Kampagne nicht an den Kopf, sondern eher an das Herz des Betrachters. Indem man Ängste schürt, Fakten beschönigt und hübsche Bilder von süßen kleinen Kindern verwendet, hofft man, den Verstand der Menschen auszuschalten. In früheren Zeiten nannte man so etwas Propaganda, und heute sollte der Begriff der „irreführenden Werbung“ vielleicht auch auf die Eigenwerbung von Institutionen und Behörden Anwendung finden – so manch eine Kampagne bekäme unter dem strengen Auge der Werbewächter keine Gnade.
Alles in allem gilt hier, wie bei fast allen Werbekampagnen der öffentlichen Hand oder von Lobbyisten: Wer seine Arbeit gut macht, der braucht keine aufwendige Werbung; ist die Arbeit aber schlecht, kann auch das beste Plakat daran nichts ändern. Und die Arbeit der Kohlelobby ist nicht nur schlecht, sondern auch noch schädlich.









